Die gefährliche Haße

Seit nunmehr 30 Jahren verfasst Otti Schwarz erfolgreich humorige Gschichtln, Gedichte und Anekdoten - vorwiegend in österreichischer Mundart. Seine besten Werke präsentiert er ab sofort auch Woche für Woche auf NÖN.at.

Erstellt am 16. Oktober 2021 | 07:00
Otti Schwarz
Otti Schwarz
Foto: Fotostudio Helmreich, 1010 Wien

DIE GEFÄHRLICHE HASSE                 
A jedes Joahr, um d´söbe Zeit,
Daß sich die brave Hausfrau gfreit,
Do wird mit Tücke und mit List
In fost an jedn Kaufhaus g´mist.
 
Do siechst Plakat und Werbebandln,
Die wos die gaunze Stodt verschandln!
Auf die wo gschriebn steht: „AUSVERKAUF!“
Do fliagn natürlich olle drauf:
 
Ob Frühling, Summer, Herbst, ob Winter
Es kummen Maunner, Fraun und Kinder
Und haun, in eanan Büllichfimmel,
Sich eine in des Kaufgetümmel.
 
Zuföllig woari in der Näh.
I woit jo nur spaziern geh
Und denk mir: „Kaufst dir no a Haße
Do schiabt auf amoi mich die Masse
 
Ins Kaufhaus eine! Und i schrei:
Loßt's aus mi! Hüfe! Polizei!
I wü nix kaufn. i bin stier!
Woit nur a Haße und a Bier!
 
Nebm mir schiabn´s grod an Wochmaun mit,
Zufällig homma n´gleichn Schritt
Der ruaft ma zua: „Des woit i a!
Die Burnhaut schreibma oh, mir zwa!
 
Und links und rechts hob i zwa Gfüde,
Min rotn Gsicht. Schaun aus wie Wüde!
Die biagn jetzt oh mit mir nach ...rechts
Zur Damenwäsch. Ich ahn schon Schlechts!
 
Mit an Gewoitakt wülli furt,
Doch leider geht des goar net guat:
Die ane kroit sich in mein Loden,
Die andre pockt mein ...Hosnbodn,
 
Scho zahn´s mich eine in die Koje,
I schrei no ausse: „Hüfe, oje!
Doch in den Wirbe hört mi kaner:
Der Ausverkauf, der is zum Waner!
 
Jetzt druckn mich die zwa Hyänen
In d´Eckn und es hüft ka Flennen!
I denk ma no: „Nau, des is link!
Do ziagn´s ma scho mei Börsl flink!
 
Jetzt zreißn´s ma mei Unterleiberl,
Verpaßn mir a Nosnreiberl,
Daunn treibn's ma über d´Orhn mein Huat,
Kaum daß i´s gneiß, sans a scho furt!
 
Zprackt lieg i in der Eckn hint,
Do geht der Vurhaung auf geschwind
Und eine schlüpft a blonde Dirn:
Woahrscheinlich wü die wos probiern!
 
Mir rinnt der Aungstschweiß ibers Gsicht:
I denk mir: „Hearst, waunn die mi siecht!
Doch in der Hektik merkt sie nix,
Die orbeit nämlich auch mit Tricks:
 
Jetzt ziagts sie sich drei Mäntl aus
Und wos jetzt kummt, es is a Graus:
Do hängen auf so Gummibandln
Vier Schuach, drei Blusn und zwa Pfandln!
 
I flipp scho aus. Waunn do wer kummt!
Sie richt sich grad zurecht ihr Klumpt,
Do sog i: ....„T´schuidign, Madam,
I hob nix gsegn!. I wü nur ham!
 
In erschtn Schreck, do mochts an Schra,
Die Pfandln schebbern und sie a!
Der Detektiv, mitn flottn Schritt,
Is a glei do und nimmt uns mit!
 
Und wia ma so duarch´d Leit maschiern
- Mi kaunn a nix mehr deprimiern -
Do gschpiar i links und rechts zwa Gfüde:
Min rotn Gsicht. Schaun aus wie Wüde
 
Die ane kroit sich in mein Lodn
Die aundre pockt mein ...Hosnbodn
Jetzt biagns mit mir schon ob noch rechts,
Zur Damenwäsch. I siech nix Schlechts.
 
Der Detektiv mocht kan Trara
- Die Mitzl reicht eam auch alla!
Und wia ma zu der Koje trobn,
Do gneißn die, wems aungschleppt hobm:
 
Ohreißn woins, die linken Tantn!
Doch ich pocks glei, die Inflagrantn,
Bein Gnack! Und druck eanas fest zaumm,
Dass wissen, dass net gwunner hobm!
 
Mei Bersl wüll i hobm! Und schnö!
Sunst ruaf i eich sofurt die Heh!
Und wäus jetzt gschpiern an schtoarkn Druck,
Gebms mir mein Fleck postwendend zruck!

Nau, irgndwie kämpf i mi daunn ausse
Und steh boid draussn auf der Chaussee.
I ....hoi tief Luft. Und denk bei mir:
Jetzt kriagst dei Burnhaut und dei Bier!
 
So z´fetzt und z´knittert wiar i bin,
Hatsch i zum Burnwurschtstandl hin.
Echt sandlermäßig schau i aus!
Wos sois? Ich moch mir goar nix draus!
 
Zur Maurer-Csarda is net weit.
Das wird bestimmt ein Festmahl heut!
Zwanzg Deka mit an Schoarfn, Junge!
Und denk a aun mei trockne Zunge!
 
So herrlich fett und voller Flaxn
Wie immer is der Burnhaxn!
Und drüber pricklt daunn des Gösser!
Ihr könnts ma glaubn: glei woar mir besser!
 
Genüßlich trink i aus mei Flaschl,
Daunn greif i hintere zum Taschl:
Wos kriagst denn für die MörderHaut?
Vier Euro, Spezl, ohne Maut!
 
Nau freilich Oider! Bist dabei!“
Doch blitzschnö is die Freud vurbei!
Glei werdn mir meine Augn rinnert:
In Taschl is kein Cent nicht drinnert!
 
Bevur i no wos sogn kaunn,
Hod hektisch schon der Wirschtlmaunn
Gruafn die Heh! Die was auch prompt
Mitn Blaulicht um die Eckn kommt!

„Herr Standler! Heit hobm Sie ein Pech!
Der Herr sollt Ihnen zoihn a Zech?
Song´S, sehn Sie schlecht, Herr Wirschtlstandler?
Des is doch einwaundfrei ein Sandler!
 
Inspekter!“ schrei i, „s´is a Gfrett:
I bin doch goar kein Sandler net!
In Kaufhaus hobms ma d´Flockn gfladert!
Glaubm´S ehrlich, daß i zechprön tatert?
 
Natürlich hobms dir d´Flockn gstoihn
Und s´Taschl zruckgebm, ohne Koin!
Glaubst mia san bled? Mit soiche Schmäh
Kaunnst auftretn in Kabaree!
 
Nau, ohgführt hobms mich. S´woar ma gleich!
Und i woar an Erfahrung reich!
Noch dreieinhoib Stund und mit Glick
Hobms mir daunn glaubt mein Mißgeschick!
 
Und ans, des waß i sicher scho:
Waunns ausschreibm wieder irgndwo
An Ausverkauf für d´große Masse,
Daunn warm ich mir daham a Haße!