Niederösterreicher an der Spitze des ÖCV. Der Österreichische Cartellverband (ÖCV) ist für das Studienjahr 2020/2021 in niederösterreichischer Hand. Unter Nikolaus Dorfstetter (25) steht dem ÖCV mit der katholischen Hochschulverbindung Neostadia Wiener Neustadt das erste Mal in seiner Geschichte eine Verbindung aus Niederösterreich vor.

Von Victoria Schmidt. Erstellt am 10. Juli 2020 (14:08)
Das ÖCV-Präsidium für das Studienjahr 2020/2021: Alexander Filipp, Patrik Krizmanic, Jakob Bollenberger, Nikolaus Dorfstetter von der Neostadia Wr. Neustadt, Clemens M. Reismann, Bernhard Wieser und Peter Markon
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Mit 13.000 Mitgliedern gilt der ÖCV als größter Akademikerverband Österreichs. Als Dachverband seiner 50 Mitgliedsverbindungen ist er zudem in allen großen Universitätsstädten des Landes vertreten. Üblicherweise übernehmen daher Verbindungen aus Wien, Graz oder Innsbruck den Vorsitz (genannt Vorort). Jetzt ist der Vorsitz in der Hochschulstadt Wiener Neustadt.

Nikolaus Dorfstetter ist neuer ÖCV-Präsident
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Die Katholisch-Österreichische Hochschulverbindung Neostadia Wiener Neustadt war als Kandidat aufgestellt und wurde zum neuen Vorort gewählt. Neuer Präsident ist damit der 25-Jährige Nikolaus Dorfstetter, Student der  Kulturtechnik und Wasserwirtschaft an der Universität für Bodenkultur in Wien sowie Milizsoldat.

Das gewählte Präsidium und damit politisches Organ wird zudem durch weitere Mitglieder niederösterreichischer Verbindungen ergänzt, sie kommen aus den katholisch akademischen Verbindungen Theresiana Wiener Neustadt und Sanctottensis Heiligenkreuz.

Von Theologie bis Landesverteidigung

Dorfstetter und sein Team haben den Vorsitz mit 1. Juli übernommen. Für das kommende Jahr wollen sie sich vor allem auf zwei der vier Prinzipien des Österreichischen Cartellverbands, "Religio" (Religion) und "Patria" (Heimat), konzentrieren, um die erwartete demographische Entwicklung Österreichs zu diskutieren. Das Prinzip "Religio wird von der K.a.V. Sanctottensis präsentiert, die zu großen Teilen aus Studenten der Theologischen Hochschule Heiligenkreuz besteht, das Prinzip Patria von der Ö.k.a.V. Theresiana, die sich der Militärakademie in Wiener Neustadt verbunden fühlt.

„Mein Team hat ein breitgefächertes Wissen von Theologie bis Landesverteidigung. Wir wollen unsere Stärken dazu nützen, um zu hinterfragen, wie das Leben in unserem Land aussehen könnte, wenn christliche Grundwerte wie Solidarität und Personalität an Gewicht verlieren", erklärt Dorfstetter.

"Unsere Werte sind nichts Verwerfliches"

Als größte Aufgabe seiner neuen Funktion sieht es Dorfstetter, den ÖCV nach außen zu vertreten. Er betont: "Mir ist wichtig, noch stärker darzulegen, was unsere Prinzipien und Werte sind."

Dabei setzt er sich auch dafür ein, dass die katholischen Studentenverbindungen nicht mit Burschenschaften gleich gesetzt werden. "Anschuldigungen gegen Burschenschaften, haben uns eigentlich nicht zu treffen, weil wir uns in unseren Werten deutlich unterscheiden", hält der 25-Jährige fest.  Denoch räumt er ein: "Es ist nach wie vor ein großes Thema in der öffentlichen Wahrnehmung aufgrund unseres ähnlichen Erscheinungsbildes." Deshalb sei man immer wieder auch Diskriminierungen ausgesetzt. 

Für Dorfstetter steht aber fest: "Unsere Prinzipien sind nichts Verwerfliches. Unsere Mitglieder leisten wichtiges für das Land. Egal ob das ein Priester in der Seelsorge ist, der Wirtschaftstreibende, der Arbeitsplätze schafft oder der Berufssoldat, der sein Leben in den Dienst für das Volk stellt – sie alle setzen sich für das Land ein. Unsere Prinzipien sind bodenständige Werte, für die man sich nicht genieren muss."