Umstrittene Lehrerbewertungs-App wird vorgestellt. Bereits die Ankündigung zur Vorstellung einer neuen App zur Bewertung von Pädagogen durch Schüler am heutigen Freitag lässt in der Lehrergewerkschaft die Alarmglocken läuten. Man werde "alle rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen, um diese App zu verhindern", so der oberste Lehrervertreter Paul Kimberger (FCG). 

Von Redaktion noen.at. Erstellt am 15. November 2019 (09:53)
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"Schüler können künftig Lehrer bundesweit online mit Sternen bewerten, so wie Uber-Fahrgäste ihren Fahrer oder Airbnb-Mieter ihre Wohnungen", heißt es in der am Donnerstag versendeten Einladung zur Vorstellung der App, die am 15. November online gehen soll.

"Entwickelt hat sie ein Schüler mit Hilfe eines Investorenkonsortiums und einer renommierten Medienkanzlei", so die kryptische Ankündigung, über die hinaus noch keine Informationen vorliegen.

Wir übertragen die Präsentation der App ab 10:25 Uhr im Live-Stream:

Der Vorsitzende der Pflichtschullehrergewerkschaft, Kimberger (FCG), will das nicht hinnehmen und gibt sich im "Kurier kämpferisch: "Wir haben heute in der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst unsere Juristen gebeten, sofort zu prüfen, wie die rechtliche Situation dabei aussieht." Der Lehrervertreter meldet vor allem Bedenken hinsichtlich der Persönlichkeitsrechten und Datenschutz an.

Vor rund zehn Jahren beschäftigte eine Lehrer-Ratingplattform bereits deutsche Gerichte. Damals gingen Pädagogen gegen die nicht mehr verfügbare Website spickmich.de vor - letztlich ohne Erfolg.

Rauskala gegen Bashing und Vernaderung

Bildungsministerin Iris Rauskala will die geplante neue App zur Bewertung von Pädagogen durch Schüler noch nicht bewerten. "Es stellt sich die Frage, ob sie für konstruktive kritische Feedback-Kultur genützt wird", so Rauskala. "Es wäre nicht in unserem Sinn, wenn es zu Bashing oder digitaler Vernaderung kommt."

Rauskala verwies auf die mit der Bildungsreform 2017 gestarteten Veränderungen bei der Schulaufsicht und der Schulevaluation. In Sachen Feedback an den Schulen arbeite man gerade konkrete Änderungen aus. Natürlich habe aber jeder die Möglichkeit, solche Apps privat zu entwickeln. Sollte es dabei zu einer Verletzung von Persönlichkeitsrechten von Lehrern kommen, sei das natürlich nicht in Ordnung. Das Ministerium werde aber selbst keine Schritte einleiten: Man vertrete nicht die persönlichen Interessen von Pädagogen - dafür sei die Gewerkschaft zuständig.