Streik kein Grund für Fehlen im Unterricht. Am Freitag wird es erstmals weltweite Klimaproteste unter dem Motto „Fridays for future“ geben. Vonseiten der Bildungsdirektion NÖ heißt es, dass Streik im Allgemeinen „kein Rechtfertigungsgrund für das Fernbleiben vom Unterricht" sei.

Von Teresa Sturm. Erstellt am 12. März 2019 (17:01)
APA/Oleksandr Berezko


Die 16-jährige Greta Thunberg wurde in Schweden zur Frau des Jahres gekürt. Mittlerweile gilt die Klimaaktivistin als Vorbild für viele Umweltschützer weltweit. Am Freitag wird zum ersten Mal weltweit gestreikt. Auch in Wien rechnet man mit einigen tausend Teilnehmern. Viele Schülerinnen und Schüler aus Niederösterreich wollen ebenso für den Klimaschutz protestieren. Der Streik in Wien startet an 5 Sammelpunkten in der Stadt (Hamerlingplatz, Karlsplatz - Karlskirche, Mariahilferstraße - Stiftskirche, Schottentor, Wien Mitte) von denen der Zug um 11:00 Richtung Heldenplatz losgeht.


Unterschiedliche Regelungen in den Ländern

Ein Problem, das allerdings schon in vielen anderen Ländern seit dem Start der Streiks diskutiert wird, ist das Streikrecht für Schüler. Das gibt es nämlich auch in Österreich nicht. Es kann nur vom Klassenvorstand oder Direktor ein "Fernbleiben aus wichtigen Gründen" erlaubt werden. Während ein Besuch der Klima-Demo am Freitag in den Bildungsdirektionen in Wien, Niederösterreich, Salzburg und Vorarlberg jedenfalls als ungerechtfertigtes Fernbleiben gesehen wird, wollen die übrigen Bundesländer die Schulen entscheiden lassen.

Die Bildungsdirektion NÖ verweist auf einen aktuellen Erlass. Man sehe im Streik "keinen Rechtfertigungsgrund für das Fernbleiben vom Unterricht". "Das eigenmächtige Fernbleiben vom Unterricht ist somit schulrechtlich nicht zulässig“, sagt Bildungsdirektor Johann Heuras. Er begrüßt jedoch prinzipiell das Engagement der Schüler für den Klimaschutz. "Demos und Kundgebungen können aber nur außerhalb der Unterrichtszeit erfolgen."


Keine Streik-Empfehlung von Landesschülervertretung

Auch bei der Landesschülervertretung Niederösterreich hebt man die Wichtigkeit des Themas Klimaschutz hervor. „Ob man an den Demos teilnimmt, obliegt jeder einzelnen Schülerin und jedem einzelnen Schüler“, sagt AHS Landesschulsprecher Anthony Grünsteidl. „Wir sind dabei das Thema mehr in den Fokus zu rücken, allerdings nicht durch Demos, sondern durch politisches Engagement“, so Grünsteidl. Als Landesschülervertretung gebe man keine Empfehlung ab: „Man muss sich bewusst sein, dass Fehlstunden entstehen."


AKS NÖ gibt Zeitbestätigungen aus

In St. Pölten fand bereits Anfang März eine „Fridays for Future“-Demonstration statt. Diese wurde von der Aktion kritischer Schüler_innen (AKS) organisiert. „Wir in Niederösterreich haben Sammelpunkte in Hollabrunn, Amstetten, Mödling, Wr. Neustadt und St. Pölten und fahren von dort aus mit dem Zug zur Großdemo nach Wien. Wir empfehlen es mit den Eltern abzuklären, ob man fahren darf“, sagt Fabian Schweiger, Landesgeschäftsführer AKS NÖ. Schülervertretern empfiehlt Schweiger, den Streik als Schülervertretungstätigkeit aufzuschreiben.

„Viele Direktoren erlauben es auch. Wir werden auch Zeitbestätigungen ausgeben, damit man beweisen kann, dass man auch wirklich dort war“, so Schweiger. „Man weiß von den Problemen seit Jahren und es ist zu wenig passiert in der Politk. Es geht um unsere Zukunft“, begründet er sein Engagement. Bisher wisse man vonseiten der Bildungsdirektion von keinen Schulen, die geschlossen an den Protesten teilnehmen.