Urzeitkrebs im Nationalpark Donau-Auen entdeckt

Experten der Bundesforste und Nationalpark-Gesellschaft fanden im August bei Stopfenreuth (Gemeinde Engelhartstetten, Bezirk Gänserndorf) ein 500 Millionen Jahre altes "lebendes Fossil".

Redaktion NÖN.at Erstellt am 20. September 2021 | 11:09

Eiszeit, Gluthitze und Sintfluten – die Urzeitkrebse haben jede Klimaveränderung in den letzten 500 Millionen Jahren überlebt wie die Bundesforste in einer Aussendung am Montag festhielten. Im Nationalpark Donau-Auen, der heuer sein 25jähriges Gründungsjubiläum feiert, gelang nun ein Sensationsfund.

„Ein Beweis dafür, dass die Ökosysteme hier intakt sind“

Experten der Bundesforste und der Nationalpark-Gesellschaft entdeckten einen etwa zehn Millimeter großen Linsenkrebs (Limnadia lenticularis). Bei dem „lebenden Fossil“ handelt es sich um eine besonders stark bedrohte und extrem seltene Art des Urzeitkrebses.

„Der Nationalpark Donau-Auen zeichnet sich durch eine enorme Vielfalt an Lebensräumen, Pflanzen- und Tierarten aus. Dieser besondere Fund ist ein weiterer Beweis dafür, dass die Ökosysteme hier intakt sind“, freute sich in der Aussendung auch Rudolf Freidhager, Vorstand der Bundesforste, die den Großteil der Flächen in das Schutzgebiet einbringen und mit einem eigenen Nationalpark-Betrieb ins Management eingebunden sind.

„Die Bewahrung und Förderung der auentypischen Lebensräume und ökologischen Prozesse im Nationalpark Donau-Auen bedeutet zugleich wirksamen Artenschutz. Weiters setzen wir auf regelmäßiges Monitoring und Forschungsprojekte, um die Tier- und Pflanzenwelt bestmöglich zu fördern. Neben vielen anderen Arten wird auch auf die seltenen Urzeitkrebse besonderes Augenmerk gelegt“, ergänzt Nationalparkdirektorin Edith Klauser.

Überlebenskünstler seit über 500 Millionen Jahren

Die Gruppe der Urzeitkrebse, die die Erde bereits lange vor dem Zeitalter der Dinosaurier bevölkert hat, zählt zu den ältesten noch lebenden Tierarten der Welt. Sie besiedeln vorwiegend fischlose, kurzfristig Wasser führende Gewässer, die nach starken Regenfällen oder Flussüberschwemmungen nur wenige Wochen lang bestehen.

Dass sie in unveränderter Form fast eine halbe Milliarde Jahre fortbestehen konnten, ist vor allem auf ihre Fähigkeit „Dauereier“ zu legen zurückzuführen. Diese widerstandsfähigen Eier können Jahrzehnte bei großer Hitze und ohne Wasser überleben. Sobald eine Fläche, auf der „Dauereier“ abgelegt wurden für längere Zeit überschwemmt ist und bestimmte Parameter – wie Temperatur, Jahreszeit etc. – günstig sind, erwachen die Larven zum Leben und schlüpfen.

Der Linsenkrebs im Nationalpark Donau-Auen wurde am 11. August von ÖBf-Biologin Birgit Rotter und ÖBf-Nationalpark-Förster Franz Kovacs auf der Lackenwiese bei Stopfenreuth entdeckt und im September von den Fachleuten von V.I.N.C.A. – Institut für Naturschutzforschung und Ökologie GmbH, Wien – untersucht und wissenschaftlich bestätigt. Auch ein Weibchen mit Eiern unter dem Panzer wurde gefunden. Männliche Exemplare dieser Art wurden im Überschwemmungsgebiet der Donau erstmals 1997 nachgewiesen.