Piatnik-Chef im Interview: „Hatten heuer gute Karten“. Dieter Strehl über den Spiele-Boom im Corona-Jahr, seine Ziele für das Traditionsunternehmen und die Sorge, dass Kinder das Schnapsen verlernen.

Von Lisa Röhrer. Erstellt am 05. August 2020 (01:23)
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Hanna Haböck

„Heiliger Piatnik schau oba!“: Der Spiele-Hersteller ist so erfolgreich, dass es Aussprüche wie dieser in den Volksmund geschafft haben.

Spuren zieht seine Geschichte, die Ferdinand Piatnik 1824 begann, nach Bad Vöslau (Bezirk Baden). Mittlerweile steht Dieter Strehl an der Spitze des Spiele-Imperiums. Die NÖN bat ihn zum Interview.

NÖN: Sie sind Ururenkel von Ferdinand Piatnik. Spiele gab es bei Ihnen sicher immer genug.

Dieter Strehl: Ich habe schon als Kind gerne gespielt. Früher hab ich mit den Nachbarsbuben geschnapst. In Österreich gibt es zwei Gebiete, die, in denen mit doppeldeutschen Karten gespielt wird, und die, wo man mit französischen spielt. Ich konnte beides, ich bin quasi zweisprachig aufgewachsen. Dafür habe ich lange nicht gewusst, wo man Karten kauft. Die gab’s ja immer bei meiner Großmutter.

Früher gab’s die bei Piatnik. Heute kommen von Ihrem Unternehmen auch Brettspiele und Puzzles. Wie kam’s dazu?

In den 60ern gab es einen Spiele-Boom. Damals waren die Zielgruppe aber nur Kinder und Familien. In den 80-90er-Jahren sind Erwachsene dazu gekommen. Trivial Pursuit hat damals den Weg bereitet. Dann ist das Angebot explodiert.

Trotz der Videospiele?

Die haben gar nichts geändert. Man hat festgestellt, dass das gemeinsame Spielen in der Zeit der Ein-Personen-Haushalte sogar noch stärker gefragt ist.

„Corona brachte nochmal einen Anstieg, den Trend gab’s aber schon vorher.“

Was waren die erfolgreichsten Piatnik-Spiele?

An der Spitze steht Activity. Das ist immer noch super erfolgreich. Wir haben jetzt nach 30 Jahren zehn Millionen Stück verkauft. Es gibt viele Leute, die es schon lange kennen und trotzdem immer wieder hernehmen. Beliebt ist auch DKT.

Es werden bestimmt unzählige Ideen von Spiele-Autoren an Sie herangetragen – in der Hoffnung, dass Sie das jeweilige Spiel herausbringen. Wie entscheiden Sie, welches Potenzial hat?

Man sucht sich dann das aus, von dem man annimmt, dass es den größten Erfolg haben wird. Da muss man auch eine gewisse Lockerheit haben, um an neuen Konzepten das Gute zu sehen. Entscheidend ist: alle Ideen, die an uns herangetragen werden, werden von großen Gruppen gespielt, die geben Feedback. Am Ende muss es heißen: „Das will ich noch einmal spielen“, dann hat man gewonnen.

Hat Corona den Run auf Spiele noch verstärkt?

Der Markt für Brettspiele ist 2020 um 25 Prozent gewachsen, Corona brachte da nochmal einen Anstieg, den Trend gab’s aber schon vorher.

Früher haben Großeltern mit den Kindern Karten gespielt. Das sollten sie weiterhin tun.

Ältere Leute klagen öfter, dass Junge das Schnapsen verlernt haben. Macht Ihnen das Sorgen?

Meine Kinder können gut tarockieren und schnapsen. Ob andere es verlernen, weiß ich nicht. Wenn, könnte es daran liegen, dass klassische Spiele anspruchsvoll sind. Da muss man üben. Früher haben Großeltern das mit den Kindern gemacht. Das sollten sie weiterhin tun.

„Heiliger Piatnik schau oba!“ – das sagt man, wenn man sich bessere Karten wünscht. Was denken Sie, wenn Sie den Spruch hören?

Ich muss schmunzeln. Vor einigen Jahren habe ich sogar einen Film gesehen, bei dem jemand zum Grab des Firmengründers in Bad Vöslau gepilgert ist, um mehr Glück beim Spielen zu haben. Das fand ich sehr lustig.

Mit Bad Vöslau soll auch das Piatnik-Logo zusammenhängen.

Genau, die Familie von Ferdinand Piatnik hatte dort ein Gestüt. Das ist auch der Grund, warum wir als Schutzmarke ein Rennpferd haben.

Der „Heilige Piatnik“ zeigt auch die extreme Bekanntheit Ihres Unternehmens. Welche Ziele haben Sie da noch?

Mein Interesse ist es, internationale Kunden weiterzuentwickeln. Die Basis sind gute Produkte. Dieses Jahr hatten wir besonders gute Karten. Für unsere Spiele haben wir acht Preise gewonnen.