Das sind die kuriosesten Ortsnamen in Niederösterreich. Von Aalfang bis Fleischessen: Beispiele kurioser Dorf- und Stadt- Namen finden sich im Land Niederösterreich zuhauf. Die Bezeichnungen sagen viel über ihre Bewohner und die Lokal-Geschichte.

Von Lisa Röhrer und Norbert Oberndorfer. Erstellt am 21. Juli 2021 (05:44)

Fucking hatte die Witze satt. Jahrelanger Medienrummel, Touristenströme und Ortstafel-Diebstahl plagten die Ortschaft bei Braunau in OÖ. Seit Jahresbeginn heißt das Dorf daher Fugging – und trägt nicht mehr den Namen, der Englisch ausgesprochen zum gängigen Schimpf- und Füllwort wird. Das NÖ-Pendant in Obritzberg-Rust (Bezirk St. Pölten) vollzog diesen Namenswechsel schon viel früher: 1836 wurde es von Fucking auf Fugging umbenannt.

Doch auch heute noch finden sich in Niederösterreich zahlreiche Orte und Katastralgemeinden, deren Bewohner sich wegen ihres Namens den ein oder anderen Spaß gefallen lassen müssen. Auch Umbenennungen finden regelmäßig statt. Tatsächlich sagen ernste wie lustige Ortsnamen aber viel über die Geschichte oder Urbewohner eines Fleckchens Erde.

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Woher Namen kommen, erforscht Linguist Karl Hohensinner.
privat, privat

Das Bedürfnis, Orten Namen zu geben, ist so alt wie die Menschheit selbst. Weil es früher keine Landkarten gab, mussten Leute markante Punkte benennen, um sich orientieren zu können, weiß Karl Hohensinner, der als Linguist und Historiker in diesem Bereich forscht. Die meisten tauchten schon im Mittelalter in Urkunden auf. „Namen haben einen hohen Bedeutungsgehalt“, sagt Hohensinner. Aus ihnen kann man ableiten, wer einst ein Gebiet besetzte oder wie alt ein Ort ist.

Orte nach ersten Bewohnern benannt

Auf den Grund gegangen ist der Herkunft der Bezeichnungen die Sprachwissenschaftlerin Elisabeth Schuster Ende der 90er. In ihrem Werk zur Etymologie, sprich Wortherkunft der NÖ-Ortsnamen zeigt sich, dass viele nach Männern benannt wurden, die dort gelebt oder sie als erste besiedelt haben. „Frauen kommen selten bis nie vor – mit Ausnahme von Heiligen wie der Heiligen Maria oder der Heiligen Corona“, erklärt Hohensinner.

„Krautfleckerl“ statt „Fleischessen“

Ein Beispiel für einen Ort, der nach einem Bewohner benannt wurde, ist Fleischessen in der Gemeinde Kilb (Bezirk Melk), das vor einigen Jahren in den Fokus der Tierrechtsorganisation PETA rückte. Der Kilber Bürgermeister Manfred Roitner vermutet hinter dem Namen die Geschichte eines reichen Grundbesitzers, der jedes Jahr arme Menschen zum „Fleischessen“ eingeladen haben soll. „Eine Umbenennung war nie ein Thema“, sagt er. Für die Tierschützer, die „Krautfleckerl“ als fleischlose Alternative anregten, gab es eine Absage. Der Ort Kühfressen in der Gemeinde Windigsteig im Bezirk Waidhofen/Thaya hatte eine ähnliche Herkunft: Der Name soll von einer Person kommen, „die Kühe verschlingt“, also einem Vielfraß. Der Ort wurde jedoch in Waldberg umbenannt. Ebenfalls einen anderen Namen bekam „Gaunersdorf“. Es heißt seit 1917 Gaweinstal.

Ungewöhnlich sind Namensänderungen nicht. Seit 1975 benennt sich jährlich im Schnitt eine Gemeinde bzw. Ortschaft um. „Eine Umbenennung soll die Identität schärfen und Verwechslungsgefahr vermeiden“, sagt Nicolaus Drimmel von der Abteilung Gemeinden beim Land. Die häufigsten Änderungsgründe sind eine Anpassung an die Rechtschreibung, Verwechslungsprobleme (Enzersfeld - Enzesfeld), Ausweisen eines Wallfahrtsortes (Maria Gugging, Maria Raisenmarkt) oder die Aufwertung von Gemeindenamen wie bei Bad Erlach oder Grafenegg, das bis Oktober 2003 Etsdorf-Haitzendorf hieß und sich primär wegen des Tourismus umbenannte.

Anstößige Namen sind nicht erlaubt. Der neue Name darf auch die Verwechslungsgefahr nicht erhöhen. Entscheiden über eine Änderung muss seit heuer der Gemeinderat. Dann wird ein Antrag beim Land gestellt. Will der Gemeinderat eine Katastralgemeinde umbenennen, ist das Prozedere etwas anders: Sollen – rein hypothetisch – etwa Rauchengern in der Gemeinde Pressbaum oder Nest in Altlengbach (beide Bezirk St. Pölten) einen neuen Namen erhalten, wäre das Bundesamt für Eich- und Vermessungswesen zuständig.

Oft geben Orte auch Aufschluss über die Landschaft, Berufe oder Bauwerke, die es dort gab. Grasgegend liegt in der Gemeinde Groß Gerungs (Bezirk Zwettl) und hat ihren Namen wahrscheinlich von den Nadelbäumen, die es dort gab. Saudorf in St. Margarethen (Bezirk St. Pölten) wiederum von der Viehzucht.

Verwechslungsgefahr bei Oed/Öd/Oedt

Immer wieder werden Geschichten hinter Namen falsch weitergegeben. Prominentestes Beispiel ist Fischamend bei Schwechat. So kommt dieser Name nicht, wie viele denken, von „Fisch am End“. Seine Bezeichnung geht – wie laut Hohensinner in vielen Fällen – auf einen Fluss zurück. Konkret auf die Mündung der Fischa: Das althochdeutsche -munt wurde zur heutigen Endsilbe -mend. Verwechslungsgefahr besteht bei Oed (auch Öd oder Oedt): Das gibt es 18 Mal in NÖ. Häufig sind zudem Grub (15), Maierhöfen/Mayerhöfen (12) und Neusiedl (11).