Wenn der König Tarantella tanzt. Mit Leier, Schwert und einem ganz neuen (alten) Baryton bittet Michael Schade zu Pfingsten in Melk zum Tanz.

Von Michaela Fleck. Erstellt am 04. Juni 2019 (01:28)
Daniela Matejschek; Luis Montesdeoca
Drei Herren und drei Schmuckstücke: Stiftsarchivar Johannes Prominczel (links) mit dem Original, dem Baryton aus 1760, Geigenbauer Jakob Nachbargauer mit seinem Nachbau und Musiker Vittorio Ghielmi.

„Ich liebe es, wenn wir was Neues machen. Und ich liebe es, wenn wir draußen sind!“ Sagt der Intendant. Und hat sich für seine sechste Festivalsaison in Niederösterreichs prächtigstem Barockstift jede Menge ausgedacht. Für das Neue und auch für das Draußen.

Für das Neue hat Michael Schade zwischen 6. (genauer: 5., da gibt’s schon die erste Tanzerei, mit dem ersten König) und 10. Juni eine ganze Schar altbekannter Gäste nach Melk eingeladen. Und die bringen nicht nur neue Kollegen, sondern auch neue Töne mit.

Christina Pluhar etwa, die mit ihrem L’Arpeggiata und ihrer Harfe gleich zur Eröffnung ein extra für die Barocktage zusammengestelltes Programm präsentiert („das ist eine Premiere“). Oder Dorothea Seel, die zu ihren Münchner Barocksolisten noch Schauspieler August Zirner gebeten hat. Oder die jungen Oboisten des Salzburger Mozarteums. Oder Fabio Bonizzoni, der seinem La Risonanza diesmal Buxtehude auf die Pulte legt. Oder Philharmoniker Walter Auer, der seine Frau mitbringt.

Barockmusik als„endlose Fundgrube“

Oder, natürlich, Nicolaus Harnoncourts Concentus, der neben seinem neuen Chefdirigent Stefan Gottfried Leier und Schwert –

beides auch gleich das Festivalmotto – im Gepäck hat. Oder Vittorio Ghielmi, der nicht nur die Roma mit dem Barock zusammenbringt, sondern auch noch nächtens den Gartenpavillon zum Klingen bringt. Und zwar mit etwas ganz besonders Neuem, einem „Baby“, so Intendant Michael Schade, das die Barocktage heuer bekommen haben. Das stammt im Original aus dem 18. Jahrhundert und aus dem Melker Stiftsarchiv. Und wurde von einem jungen Instrumentenbauer detailgetreu nachgebaut. Debütieren wird das neue alte Baryton im Gartenpavillon.

Und draußen wird heuer erstmals auch getanzt. Und zwar im Wirtschaftshof, wo bisher prominiert und manchmal bei Brot und Wein auch im Freien diniert wurde. Dort spielt abends eine historische Oboen-Banda wie einst am Hof von Ludwig XIV. auf – zum königlichen Tanz. „Bei uns“, so Michael Schade, „hat heuer alles mit dem Thema König zu tun …“