Compagnie Käfig im Festspielhaus St. Pölten. Im Vorjahr hatte die Compagnie Käfig mit der Produktion "Pixel" im Festspielhaus St. Pölten für Begeisterungsstürme gesorgt, am Samstagabend folgte die Österreich-Premiere des ebenfalls von Mourad Merzouki choreografierten, spektakulären Stücks "Vertikal": eine faszinierende Apotheose des Traums vom Fliegen.

Von APA, Redaktion. Erstellt am 20. Oktober 2019 (10:07)
Stefan Kristoferitsch
Festspielhaus St. Pölten

Die Überwindung der Schwerkraft zählt zu den ältesten Utopien der Menschheit. In "Vertikal" wird die Realisierung dieser Utopie bildlich dargestellt, jedoch ohne die Illusion von magischem Zauber. Die schwebenden Tänzerinnen und Tänzer hängen - natürlich - an sichtbaren Seilen und erzählen eine archaische Geschichte, deren Inhalt sich nicht sogleich erschließt, aber im Gesamtkontext spürbar wird: die Geschichte einer Befreiung.

Wer wäre nicht schon gern einmal die sprichwörtliche Wand hochgegangen? Die virtuosen Tänzerinnen und Tänzer führen vor, wie das möglich ist, fügen sich in grandiose Tableaus, beeindrucken mit stupender Präzision und geradezu alpinistischer Artistik und erobern sich und den Zusehern den Luftraum als neue Dimension. Da wird ein schwebender Pas de deux zum buchstäblichen Symbol gemeinsamen Abhebens und bewirkt sogar stürmischen Zwischenapplaus.

70 dramatische Minuten, begleitet von ebensolchen Klängen, vermitteln epische Stimmung. Da werden Elemente aus Kampfsport, Schattenspiel, Breakdance, Bungee Jumping und klassischem Bewegungsrepertoire zu einem stimmigen Ganzen kombiniert: eine immense Herausforderung auch an die Technik. Das Publikum reagierte mit frenetischem Applaus.