Mainstreet-Mastermind Willi Dussmann: Gut bei Stimme, immer im Dialekt

Erstellt am 19. Mai 2022 | 05:30
Lesezeit: 6 Min
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„Nur sche langsam …“ ist nur der Titel seiner neuen CD. Im Interview mit NÖN-Redakteur Thomas Peischl zeigt sich Willi Dussmann auch mit 70 fit und agil.
Foto: Brigitta Dussmann
Mit seiner A-cappella-Gruppe „Mainstreet“ eroberte er den deutschsprachigen Raum. Pünktlich zu seinem 70er bringt Willi Dussmann jetzt seine zweite Solo-CD heraus.

NÖN: Vor Ihrem ganz großen Erfolg mit „Mainstreet“ erlangten Sie mit den „Fellows“ schon lokale Berühmtheit. Wie waren diese ersten Jahre?
Willi Dussmann: Bei den ersten Auftritten mit den Fellows war ich erst fünfzehneinhalb Jahre alt. Damals waren die Jugendschutzgesetze noch viel strenger als heute. Wenn wir also bis 22 Uhr spielten, was ja nicht wirklich sehr spät ist, musste mich mein Vater begleiten. Und die Gendarmerie hat das damals mit sehr strengen Augen überwacht. Meine Freunde mussten also leider einige Male die letzten Nummern des Abends ohne mich absolvieren.

Die Fellows-Jahre werden von einem schweren Unfall überschattet, der jetzt in einem Ihrer neuen Songs auftaucht. Was ist da passiert?
Dussmann: Wir haben damals auf einem großen Ball in Langenlebarn gespielt. Mein Bandkollege Helmut Wieser, der übrigens bei den Auftritten nie auch nur einen Tropfen Alkohol getrunken hat, dürfte auf der Heimfahrt eingeschlafen sein. Sein Auto rammte bei Zeiselmauer einen Baum und er starb noch an der Unfallstelle. Als vor vier Jahren auch mein Bruder viel zu früh verstarb, kamen diese Ereignisse wieder in mir hoch. Diese Gefühle habe ich dann in „A Sekund’n“ verarbeitet, eines von 15 Liedern auf dem neuen Album „Nur sche langsam …“, das am 24. Mai erscheint.

Was Ihr gesamtes Schaffen prägt, das sind die selbst geschriebenen Dialekt-Texte, egal ob bei Eigenkompositionen oder bei Coverversionen bekannter Hits ...
Dussmann: Die Entscheidung, in meiner Muttersprache zu singen, habe ich schon relativ früh getroffen. Wenn ich heute ein englisches Lied im Radio höre, kann ich gar nicht mehr anders, als zu überlegen, wie ein deutscher Text dazu klingen könnte. Nur einfach nachsingen, das wäre mir zu langweilig, es muss schon eine besondere Note von mir dabei sein.

Wie ein Text klingen könnte – das heißt Sie übersetzen phonetisch?
Dussmann: Ganz genau. Meine Texte haben mit den ursprünglichen meist nur noch wenig gemeinsam. Bei den Ideen dazu hilft mir übrigens oft meine liebe Frau und Managerin Brigitta. Ein Beispiel zum besseren Verständnis: Aus „Don‘t worry, be happy“ wurde bei mir „Dann fahr’ i mit ’m Peppi“. Bei manchen Songs geht das ganz schnell, andere müssen langsam, manchmal sogar über Jahre reifen.

Nur nachsingen, das wäre mir zu langweilig, es muss schon eine besondere Note von mir dabei sein.

Worauf dürfen sich die Hörer von „Nur sche langsam …“ freuen?
Dussmann: Das Album enthält drei Eigenkompositionen und zwölf Coverversionen. Unter anderem habe ich meine ganz eigene Version von „Something Stupid“ geschrieben und einige Titel singe ich gemeinsam mit der ehemaligen Starmania-Finalistin Niddl.

Mit Niddl haben Sie schon vor einigen Jahren „Es war so schen mit dir“ gesungen. Wie kam es zur Zusammenarbeit?
Dussmann: Das war eine witzige Geschichte. Ich suchte damals eine Gesangspartnerin, die im Idealfall nicht ganz unbekannt ist. Nachdem einige Damen Probe gesungen hatten und aus verschiedenen Gründen keine Kooperation zustande kam, sagte ein bekannter Manager: „Willi, was ist mit der Naddl? Mit der war ich letztens essen.“ (Anmerkung: Gemeint ist die Ex-Frau von Dieter Bohlen). Ich sagte: „Warum nicht?“ Ein paar Tage später ruft er mich wieder an und sagt: „Gell, du hast eh die Niddl gemeint?“ Ich war kurz sprachlos, aber alle anfänglichen Zweifel wurden regelrecht weggefegt, als sie zu mir ins Studio kam. Gleich die erste Aufnahme war hervorragend und mit ihrer quirligen, sympathischen Art hat sie mich überzeugt und ist heute eine ganz liebe Freundin von uns.

Gehen wir noch einmal zurück zu Ihren Anfängen. Was kam nach den Fellows?
Dussmann: Meine nächste Band hieß „Take Six“. Da waren wir schon etwas professioneller unterwegs und aus dem harten Kern dieser Formation ist dann auch „Mainstreet“ entstanden. Zu Beginn waren wir vier Sängerinnen und Sänger, die immer mit einer Begleitband unterwegs waren.

Richtig durchgestartet ist Mainstreet als A-cappella-Gruppe. Wie kam es zu dem entscheidenden Schritt, auf die Begleitband zu verzichten?
Dussmann: Wir hatten einen Job in Kitzbühel und aus irgendeinem Grund waren wir Sänger im Zug unterwegs, die Band aber im Auto. Als wir dann in unserem Abteil während der Fahrt die Gesangsätze geprobt haben, merkten wir, dass das eigentlich so auch sehr gut klingt. Auf der Rückfahrt eröffnete uns dann Ines Reiger, dass sie zu ihren beiden kleinen Kindern jetzt auch noch Zwillinge erwartet und für längere Zeit ausfallen wird … Es waren also ein Zufall und eine Hiobsbotschaft, die uns dazu bewogen, nur noch a cappella zu singen. Wir haben dann gleich zwei neue Sängerinnen gesucht und wurden zum Quintett.

Nach ersten erfolgreichen Mainstreet-Jahren gab es auch einen unerfreulichen Abschnitt in Ihrer Geschichte …
Dussmann: Ja, es kam zu einer Trennung aufgrund von künstlerischen Differenzen. Meine vier Mitsängerinnen und -sänger wollten sich in eine andere Richtung entwickeln: Sie wollten eine Kabarettgruppe sein, die singt, während ich eine Gesangsgruppe wollte, die auch witzige Texte hat. Es kam zu einem unschönen Rechtsstreit, mit dem schönen Ergebnis, dass daraus meine neuen Mainstreet und „Die Echten“ hervorgingen. Mit Anita Horn, Marianne Schöftner, René Kovats und Bernd Kronowetter fand ich dann die erfolgreichste Mainstreet-Besetzung überhaupt. Wir hatten später jährlich um die 100 Auftritte im gesamten deutschen Sprachraum, was teilweise ganz schön stressig war. Ich erinnere mich, dass wir einmal in Vaduz sangen und am nächsten Tag auf der Wiener Donauinsel …

Sie waren sehr oft prominentes Jury-Mitglied bei „Die NÖN sucht das größte Talent“. Ist Ihnen Nachwuchsförderung ein Anliegen?
Dussmann: Durchaus! Ich arbeite auch immer wieder als Produzent junger Künstler in meinem Studio. Und die NÖN-Talentesuche ist immer wieder eine interessante Erfahrung. Was ich aber allen jungen Leuten mitgeben möchte, die ihren Weg als Künstler machen wollen: Selbst wenn ihr einen Wettbewerb gewinnt, verlasst euch nicht darauf, es dann schon geschafft zu haben. Ihr müsst es wirklich wollen und – bildlich gesprochen – immer wieder Steine ins Wasser werfen, die dann immer größere Kreise ziehen können. Und wenn eure Arbeit gut ist, werdet ihr irgendwann die Früchte ernten.

Apropos Bewerbe: Sie waren ja auch einmal beim Songcontest am Start …
Dussmann: Ja, 1991 mit Thomas Forstner in Rom. Das war schon auch eine ganz eigene Erfahrung, fast wie bei einer Fußball WM. Wir, das ganze Team, das Österreich vertrat, wurden mit einem Bus mit rot-weiß-roter Fahne durch Rom kutschiert und ich durfte auch Gina Lollobridgida kennenlernen. Nachdem gerade der Golfkrieg akut und die Sorge vor möglichen Anschlägen groß war, wurde der Bewerb aus der Innenstadt in die Filmstadt Cinecitta verlegt, weil die besser abgeriegelt und bewacht werden konnte.

Last but not least: Sie engagieren sich seit Jahren für „Licht ins Dunkel“ …
Dussmann: Ja, auch das ist mir ein echtes Anliegen, egal ob am Heiligen Abend am Spendentelefon oder bei diversen Galas. Bei meiner CD-Präsentation am 23. Mai darf deshalb eine LID-Spendenbox nicht fehlen.