„Kinos sind Lebensmittel!“. Auch Niederösterreichs Kinos sind seit Anfang November zu. Und haben doch keine Existenzangst – noch nicht.

Von Michaela Fleck und Stefanie Marek. Erstellt am 25. November 2020 (01:53)
Der Schornstein vor der Tür, das Kino im Kessel: Am Campus der Kremser Donau-Uni macht man seit 2005 Programm(kino). Und hat mit November wie alle anderen Kinos heuer schon zum zweiten Mal zusperren müssen. „Das ist sehr bitter“, so Geschäftsführerin Paula Pöll.
Günter Pfefferkorn

„So einen Monat wie den November hatten wir jahrelang nicht“, seufzt Alexander Syllaba. Jede Menge neue Filme, jede Menge feines Programm. Und das Publikum? War nach dem ersten Lockdown im Frühjahr „unglaublich dankbar“ wieder zurückgekommen. Die Kinos seien europaweit „sichere Orte geworden“. Und waren, wie das St. Pöltner und das Badener Cinema Paradiso trotzdem schon Anfang November wieder zu. Und spielten ihre Filme statt auf der Leinwand nur im Netz, on Demand.

VOD Club nennt sich der Streamingdienst, den NÖs Cinemas Paradiso im Frühjahr initiiert haben. Der mittlerweile 54 Kinos in ganz Österreich beliefert. Den auch Österreichs Filmakademie gerade als neuen Partner präsentiert hat. Und bei dem „als einziger auch die Kinos und die Filmemacher etwas davon haben“, so Cinema-Paradiso-Geschäftsführer Alexander Syllaba. Das gemeinsame Lachen und Weinen ersetzt der aber nicht.

„Man kann die Kinos und die Kultur nicht beliebig oft wie einen Schalter auf- und abdrehen!“ Alexander Syllaba, Geschäfts-Führer des Cinema Paradiso in St. Pölten und in Baden

Auch die einnahmenstärksten Monate November und Dezember kann der VOD Club nicht ersetzen, erst recht nicht für Niederösterreichs kleine Kinos. Gerade jetzt nicht offen haben zu dürfen, sei sehr hart, erzählt Andrea Bouton, die Betreiberin des Kinos Acht Millimeter in Mank . Obwohl das zum Kino gehörige Lokal ebenfalls zu ist, ist die Lage für das kleine Kino nicht existenzbedrohend – noch nicht. „Wenn ich daran denke, dass wir vielleicht bis Mitte Dezember nicht aufsperren können oder über Weihnachten keine Filme spielen dürfen, habe ich Bauchweh“, so Bouton. Sie hofft auf ihre Stammkundschaft, die sonst vor allem in der Vorweihnachtszeit Gutscheine kauft.

Dass sie zumindest dieses Jahr noch überleben werden, glaubt auch Paula Pöll, eine der Geschäftsführerinnen des Kremser Kinos im Kesselhaus . Ohne die Kulturförderungen von Land, Bundeskanzleramt und Europa Cinemas sei das aber nicht möglich. Denn selbst ohne Corona ist das Kinogeschäft kein ergiebiges. Fast die Hälfte des Ticketpreises gehe nämlich für Filmmiete, AKM, Steuern und Filmrechte drauf.

„Mir persönlich tut es besonders leid, weil wir ein gutes Sicherheitskonzept haben und trotzdem geschlossen haben müssen. Das ist sehr bitter“, so Pöll. Die Zukunft des Kinos sei unsicher. „2021 wird schicksalsweisend sein. Es kommt darauf an, ob die Leute wieder ins Kino gehen.“ Gerade in der Zeit zwischen den Lockdowns seien die Leute verunsichert gewesen, weil die Kinos „einmal zu und einmal offen“ waren.

Lokale Filmvereine wie der Filmclub Zwettl , die ihre Kinos nicht selbst betreiben, mussten zwar nicht zusperren, trotzdem ist das Jahr für sie gelaufen. Alle restlichen Vorstellungen sind abgesagt, nächstes Jahr im Frühjahr soll es weitergehen. Auch ein Sommerkino wolle man wieder machen, so Obfrau Herta Freund-Klopf. In der Zwischenzeit stellt der Verein der Stadtbücherei seine DVDs als Alternative für Zuhause zur Verfügung.

"Das Kino hat schon anderes überlebt"

Das Drosendorfer Kino hat überlegt, ein Online-Kinoerlebnis via Streaming zu ermöglichen. Mit den Verleihern gab es rechtlich aber bisher keine Einigung. Die abgesagten Vorstellungen sind auf Dezember verschoben, und auch wenn man sich heuer keine Sorgen machen muss, hofft man trotzdem auf ein Feiertagsprogramm. Und die zwei Jubiläen, die man 2020 feiern wollte: 100 Jahre Drosendorfer Kino und 30 Jahre Filmclub? Die werde man im nächsten Jahr eben nachfeiern, meint Obmann Willi Erasmus.

Autokinos wie jenes in Groß Enzersdorf sind jetzt in der kalten Jahreszeit für die meisten Betreiber keine Alternative. Wegen der vielen Anfragen im Lockdown light wollte man im November aber doch noch für ein weiteres Wochenende öffnen, die offizielle Erlaubnis hatte Betreiber Markus Cepuder schon in der Tasche. Mit Beginn des harten Lockdowns und den ganztägigen Ausgangsbeschränkungen ist das nun aber hinfällig.

Ob man jetzt (wieder) Angst ums Kino haben müsse? „Ich hab’ gar keine Angst“, meint Alexander Syllaba, „das Kino hat schon anderes überlebt.“ Aber: Es brauche die Unterstützung der Politik. Denn: Kino, das sei auch „ein Lebensmittel“!