Archiv der Zeitgenossen: Jubilare und neue Akzente

Neuer Leiter Helmut Neundlinger legt Schwerpunkt 2022 auf Literaturbereich.

Erstellt am 01. Dezember 2021 | 03:41
Lesezeit: 2 Min
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Neuer Leiter des Archivs der Zeitgenossen: Helmut Neundlinger.
Foto: Klaus Pichler

Das am Department für Kunst- und Kulturwissenschaften der Donau-Universität Krems angesiedelte Archiv der Zeitgenossen setzt 2022 neue Akzente. Und das hat mehrere Gründe.

Das 2010 gegründete Archiv erschließt Vorlässe aus den Bereichen Musik, Film, Architektur und Literatur. Der Bestand umfasst die Vorlässe von Friedrich Cerha, Kurt Schwertsik und HK Gruber (Musik), Peter Turrini und Julian Schutting (Literatur), von Peter Patzak (Film), einen Teilvorlass von Wolf D. Prix (Architektur) sowie den Nachlass des Verlegers Alfred Schlee.

Das Archiv der Zeitgenossen ist eine weltweit einzigartige kulturelle Einrichtung, mit der Niederösterreich die Nase vorn hat.“ HK Gruber Komponist und Dirigent

Aus Anlass des 85. Geburtstags von Julian Schutting im Oktober 2022 wird in der Literaturedition NÖ ein Band mit szenisch-dramatischen Werken erscheinen. Überhaupt rückt der Literaturbereich durch die neue Leitung des Archivs stärker in den Fokus: Mit November 2021 folgte Helmut Neundlinger der bisherigen Leiterin Christine Rigler nach.

Gespeicherte Gefühle, digitalisierte Sammlungen

Neundlinger, Jahrgang 1973,ist Literaturwissenschafter, Schriftsteller, Journalist und Musiker. Er arbeitete die Nachlässe des Wiener Germanisten Wendelin Schmidt-Dengler am Literaturarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek sowie von Bruno Weinhals im Auftrag der Dokumentationsstelle für Literatur in NÖ auf.

Das Archiv wird sich auch verstärkt bei KOOP-LITERA Österreich, einem Netzwerk von Institutionen, die künstlerische Vor- und Nachlässe aufarbeiten, einbringen. Bei der nächsten Arbeitstagung von KOOP-LITERA Österreich von 8. bis 10. Juni 2022 im Linzer StifterHaus ist das Archiv der Zeitgenossen mit Vorträgen zum Thema „Gespeicherte Gefühle – Affekte im Archiv“ vertreten.

Doch die anderen Sparten werden nicht vernachlässigt. Das weiß auch Komponist HK „Nali“ Gruber zu schätzen: „Das Archiv der Zeitgenossen ist eine weltweit einzigartige kulturelle Einrichtung, mit der Niederösterreich die Nase vorn hat.“

Für das neue Jahr werden zwei Tagungsbände erwartet: über die Symposien anlässlich des 75. Geburtstags des im letzten Jahr verstorbenen Filmemachers Peter Patzak sowie zum 85. Geburtstag des Komponisten Kurt Schwertsik im Jahr 2020.

„Cerha Online“ macht das gesamte Werk zugänglich

Friedrich Cerha (hier 2016) feiert heute 95. Geburtstag
Sein Vorlass geht online: Komponist Friedrich Cerha.
Foto: APA

Und Ende 2021 startet das Projekt „Cerha Online“ zum Werk des 95-jährigen Komponisten Friedrich Cerha, das mehr als 20.358 Seiten handschriftlicher Partituren, Skizzen, Librettos und Bearbeitungen eigener Kompositionen, 1.434 Seiten von Vorträgen und Notizen, mehr als 1.500 Seiten Korrespondenz, 480 Fotos, Plakate, Konzertprogramme und Rezensionen, kritische Berichte, hunderte Ton- und Bildträger, Videos und DVDs der Öffentlichkeit zugänglich macht.

Wie überhaupt die Digitalisierung zu weitreichendem Wandel in Sammlungen, Archiven und Bibliotheken geführt hat. Mit dieser Thematik beschäftigt sich am 3. Dezember das Online-Symposium „Alte und Neue Archive. Sammeln und Archivieren im Postdigitalen Zeitalter“, veranstaltet vom Department für Kunst- und Kulturwissenschaften der Universität für Weiterbildung Krems in Kooperation mit dem Institut für Österreichkunde.

Die Teilnahme ist kostenlos, eine Anmeldung bis 2. Dezember (ioek.wirtschaftsgeschichte@univie.ac.at) ist erforderlich.