Alexander Hauer über Sekunden, Emotionen & Josef Hader. Alexander Hauer, Sommerspiele-Intendant und Kulturmacher, sprach mit Michaela Fleck über Sekunden, Emotionen, das Erinnern und den Josef Hader.

Von Michaela Fleck. Erstellt am 17. September 2019 (04:41)
Matejschek
Alexander Hauer

NÖN: Diesen Sonntag wird in Melk musiziert. Aber ohne Barocktage und ohne Sommerrevue. Wie klingt das? Und worum geht’s da?
Alexander Hauer: Grundsätzlich geht es darum, mit drei Sekunden Musik den Menschen, die zu Unrecht hier in Melk inhaftiert waren, ihre Würde zurückzugeben. Das sind für 14.400 Menschen aus über 20 Ländern zwölf Stunden Musik. Und die klingt möglichst vielfältig!

„Gegen das Vergessen“ wird ja sonst eher geschwiegen als gerockt. Wieso gerade Musik? Sie hätten ja auch Theater spielen können …
Hauer: Das war zuerst nur ein flapsiger Satz von mir. Aber Musik hat natürlich eine Emotionalität – mehr braucht man eigentlich nicht sagen.

Ihre Gästeliste fängt bei den Strottern an und hört bei Otto Lechner oder Manuel Rubey noch lange nicht auf. Was spielen die? Und musste man die überreden zum Mitmachen?
Hauer: Die spielen alle gratis. Und wir haben über 30 Acts, jeder spielt, was er mag – von Wiener Liedern über türkischen Rap bis zur Revue. Barock gibt’s auch, mit dem Ensemble 15.21. Und die Melker Blaskapelle fängt mit „Schindlers Liste“ an. Es muss in der Gegenwart ankommen. Darum haben wir auch die Neue Mittelschule dabei.

Gespielt wird in der Stiftskirche und am Hauptplatz, aber auch in der Kaserne, am ehemaligen KZ-Gelände. Wie klingt das?
Hauer: In der Kirche gibt es Purcell und Tippett, in der Kaserne gibt es Mozart und eine Komposition eines KZ-Überlebenden, „Arbeit macht frei“. Das steht im ersten Kasernengebäude auch noch an der Wand …

Organisiert hat das Konzert der Verein MERKwürdig, der ja schon seit 25 Jahren redet, wo andere lieber schweigen. Was hat der schon geschafft? Und was fehlt noch?
Hauer: Der Verein war erst nur für ein Jahr gedacht, 50 Jahre, nachdem der erste Häftling in das Melker Außenlager von Mauthausen überstellt wurde. Was wir geschafft haben, ist, dass es selbstverständlich geworden ist, dass Melk ein Lern-Ort ist. Und wir wollen ein Kompetenzzentrum in NÖ sein, zu zeitgeschichtlichen Fragen. Seit 2017 haben wir einen Zeithistoriker, wir machen Begleitungen, wir arbeiten mit Zivildienern. Und der nächste, der für uns spielt, ist Josef Hader.

melk-memorial.org