Christoph Zimper: „Das klassische Konzert neu gedacht“

Erstellt am 24. November 2022 | 04:13
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Klarinettist, Komponist – und Festivalleiter: der gebürtige Wiener Neustädter Christoph Zimper.
Foto: Tim Cavadini
Klarinettist Christoph Zimper sprach mit Michaela Fleck über Märchen, Milch, Honig und Rückzugsorte.

NÖN: Gerade haben Sie in den Wiener Neustädter Kasematten ein besonderes Konzert gespielt. „Lost Skin“ war der Titel. Was gab’s da zu hören? Und gab’s auch was zu sehen?

Christoph Zimper: Fünf sogenannte Performer/Composer haben gemeinsam das Märchen der „Robbenfrau“ vertont. Und per Sandmalerei wurde die Geschichte zum Leben erweckt.

Auf der Bühne saßen ein Klarinettist, ein Pianist und ein Streichtrio, eine Rezitatorin und eben eine Sandmalerin. Was haben denn Worte, Töne und Sandkörner gemeinsam?

Zimper: Jede dieser Kunstformen spricht zu einem anderen Teil in uns. Wenn sie an einem Strang ziehen, erschafft man etwas wunderbar Sinnliches.

Ebenfalls auf der Bühne lehnte da ein goldenes Kreuz, mit den Begriffen „Milch & Honig“. Wie passen die zu Worten & Tönen?

Zimper: Sowohl die Milch als auch der Honig kommen wunderbar ohneeinander aus. Lässt man sie jedoch verschmelzen, entsteht ein neues Geschmackserlebnis. Auch wenn sich in den letzten Jahren viel getan hat, stellt das Verbinden der Künste noch immer die Ausnahme dar. In einer lebendigen Kunst- und Kulturszene kann die Frage heutzutage nicht mehr bloß lauten: Mozart oder Beethoven?

„Milch & Honig“ soll ja auch das neue Kulturfestival heißen, das im Frühjahr in Wiener Neustadt startet. Und das von Ihnen programmiert wird. Wird das eher süß – oder sauer?

Zimper: Mich reizt bei diesem Festival besonders, dass so viele Ausnahmekünstler die Chance bekommen, ihrer Kreativität jenseits herkömmlicher Grenzen freien Lauf zu lassen. Starsopranistin Marlis Petersen, Ausnahmegeiger Benjamin Schmid, das Vision String und das Radio String Quartet – sie alle und viele mehr betreten ein neues Feld, in dem das klassische Konzert neu gedacht wird.

Stattfinden wird das Festival in den Wiener Neustädter Kasematten. Die sind ja alles andere als ein „typischer“ Konzertsaal. Wie spielt es sich da?

Zimper: Aus Sicht eines Musikers ist die Neue Bastei in den Kasematten sehr schwierig zu bespielen. Akustisch und atmosphärisch. Die historischen Röhren kenne ich bisher nur als Zuhörer, ich bin aber jetzt schon ein Fan der Location.

Und was kommt als Nächstes?

Zimper: Momentan sehne ich mich nach einem Rückzugsort für kreative Arbeiten in abgeschotteter Natur...