Michael Garschall: „Operette muss heute frech und frivol sein“

Erstellt am 06. Oktober 2022 | 11:25
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Festival-Intendant Michael Garschall sprach mit Michaela Fleck über Grafen, Gefühle und Großprojekte.

NÖN: Diesen Freitag feiern Sie schon Ihre 33. Premiere bei den Herbsttagen Blindenmarkt – mit Lehárs „Graf von Luxemburg“. Gab’s den schon mal zu sehen? Und was gibt’s diesmal zu sehen? Und zu hören?

Michael Garschall: Den „Graf“ gibt’s hier zum ersten Mal, eigentlich war er schon 2020 geplant – aber jetzt dafür umso prächtiger und bunter! Zu sehen gibt’s Paris in Blindenmarkt, mit einem wirklich großartigen Ensemble und einer ganz tollen Ausstattung… Das Publikum wird staunen!

In Luxemburg, nein: in Paris geht’s um Liebe, Lust und Laster. Und auch ums Glück. Gibt’s das heute „nur“ mehr im Theater? Und hilft das Theater auch gegen Krieg und Krisen?

Garschall: Die Operette muss auch heute frech, frivol und subversiv sein, das schafft Wolfgang Dosch hier ganz besonders. Theater, Musik und Kunst spielten in schwierigen Phasen des Lebens eine wichtige Rolle und müssen das auch jetzt tun. Dafür haben wir zu sorgen!

Wobei: Krieg und Krisen gab’s im Leben von Franz Lehár auch. Und doch klingt seine Musik, als gäb’s kein Morgen. Muss man sie deshalb noch immer spielen? Und was hat Lehár, was Puccini (mit dem Sie erst im Juli in Klosterneuburg Premiere gefeiert haben) fehlt?

Garschall: Für mich ist Lehár einer der größten Operettenkomponisten überhaupt und sein „Luxemburg“ vielleicht sogar etwas unterschätzt. Seine Musik ist eine „Hochschaubahn“… Und beide, Puccini und Lehár, lassen das „große Gefühl“ zu, das schätze ich an diesen Giganten. Schade, dass Franz Lehár keine Oper geschrieben hat – die würde ich in Klosterneuburg sofort auf den Spielplan setzen!

In Blindenmarkt gibt’s heuer aber nicht nur Grafen (und Gräfinnen). Sondern auch Hexen, Ringelspiele, „Emil und die Detektive“ (ab 23. Oktober) – und ein „Konzert für alle“ (am 26. Oktober). Ein dichtes Programm für gerade mal drei Wochen. Was wird das Lauteste? Und was ist das Wichtigste?

Garschall: 28 Veranstaltungen in drei Wochen und ein Programm für Menschen von 1 bis 100… Da gibt’s viel zu lachen, zu staunen und auch zum Nachdenken! Und beim „Konzert für alle“ darf es auch laut werden!

Was kommt als nächstes?

Garschall: Die Planungen laufen da wie dort, ohne Pause! Und viele neue Ideen schwirren noch in meinem Kopf… In Klosterneuburg kommt 2023 Verdis „Don Carlo“ – ich kann’s kaum erwarten!

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