Robert Wilson: "Theater ist eine andere Realität". Robert Wilson, amerikanischer Theatermagier, sprach mit Michaela Fleck über Mythen, Realitäten, Mowgli und Hamlet.

Von Michaela Fleck. Erstellt am 23. September 2020 (03:33)
Robert Wilson
Hsu Ping

NÖN: Dieses Wochenende eröffnen Sie die heurige Herbstsaison im St. Pöltner Festspielhaus – mit Ihrem „Dschungelbuch“. Was gibt’s denn da zu sehen? Ein Märchen? Eine Fabel? Eine Kindergeschichte? Eine Tiergeschichte? Oder etwas ganz Anderes?

Robert Wilson: All das! Es ist ein Stück für eine Familie und über eine Familie, ein Stück über die Welt, in der wir heute leben. Ein universeller Mythos.

Menschen gibt’s im Roman von Rudyard Kipling nur einen, nämlich Mowgli. Tiere dagegen gibt’s ziemlich viele. Wie bringt man denn einen Dschungel auf die Bühne? Wie bringt man einen Tiger zum Brüllen? Und wie bringt man die Affen zum Tanzen?

Wilson: Indem man Theater macht. Theater ist eine andere Realität. Eine andere Welt. Eine künstliche Welt.

Auch Musik gibt’s viel – zumindest in Walt Disneys Trickfilmklassiker aus 1967. Die stammt von Bob und Richard Sherman, und die kennt fast jeder. Wie klingt denn Ihr „Dschungelbuch“? Und warum passt das amerikanische Duo CocoRosie mit seinen Popcornmaschinen gerade in Ihren Dschungel?

Wilson: ich habe CocoRosie als meine Mitstreiterinnen ausgesucht, weil ich fühlte, dass ihre Stimmen, ihre Musik, ihre Texte genau richtig für diese Geschichte sind. Philipp Glass oder Lady Gaga hätten da nicht gepasst…

Sie haben ja schon „Peter Pan“ inszeniert, aber auch Mozart und Wagner, Shakespeare und Brecht, Philipp Glass und Tom Waits. Geht’s bei Ihnen mehr ums Hören? Mehr ums Schauen? Mehr ums Licht? Mehr um den Ton? Und ginge Theater auch ohne eines davon?

Wilson: Theater ist für mich Oper, das heißt: „ein Opus“, in dem alle Künste inkludiert sind: Tanz, Architektur, Musik, Skulptur, Licht, Poesie usw. Ich kann mir Theater nicht ohne eines davon vorstellen! Zumindest ist all das notwendig für meine Arbeit. Es ist alles Musik, es ist alles Tanz, und so weiter und so weiter…

Was kommt als Nächstes?

Wilson: Ich arbeite gerade an vielen Projekten. Ein Puppentheater zu „Faust“, ein Tanzstück mit Lucinda Childs, eine Inszenierung von „Hamlet“ mit Isabelle Huppert als Hamlet, Puccinis „Turandot“ für die Pariser Oper…

www.festspielhaus.at