Knochen, Gold und Rockstars im Museum am Dom. Mit „Seelen und Juwelen“ hat St. Pöltens rundum erneuertes Museum am Dom seine Pforten geöffnet.

Von Michaela Fleck. Erstellt am 12. Mai 2021 (03:43)

Der Eingang ist neu. Der Name ist neu. Der Teppich ist neu. Nur die Schätze, die da seit vergangenem Mittwoch am St. Pöltner Domplatz liegen (und sitzen und hängen und stehen), die sind schon ziemlich alt. 200, 300, 500 und sogar über 1.000 Jahre. Und doch sind sie „von großer Aktualität“, sagt die neue Direktorin. Und das nicht nur, weil da auch die Heilige Corona auf der Liste der „Himmlischen Seelen“ steht.

„Himmlische Seelen – Knöcherne Juwelen“ hat Barbara Taubinger auch ihre erste Schau im rund erneuerten Diözesanmuseum, das jetzt Museum am Dom heißt (und künftig auch das ganze Bistumsgebäude bespielen will), betitelt. Und dazu eine ganze Heerschar an Heiligen mitsamt ihren Reliquien eingeladen.

Sankt Hippolyt in Gold und Silber
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Da strahlt, gleich hinter dem neuen, videobespielten Eingang im ersten Stock über dem Domplatz, der Heilige Hippolyt aus der ehemaligen Stiftskirche („der gehört uns“), in Gold und Silber. Und bewacht den Durchgang zur immer wieder prächtigen Stiftsbibliothek. Da thront schräg gegenüber der Heilige Tiburtius in Samt und Perlen („das ist unser Rockstar, der kommt frisch restauriert aus Hall“).

„Was uns berührt hat, ist, dass hinter jedem Knöchelchen ein Mensch steckt.“ Barbara Taubinger, Neo- Direktorin im Museum am Dom, über die Reliquien

Da ruht im nächsten Gang die Heilige Felicitas („die Fesche“ aus der Basilika Sonntagberg) in ihrem goldenen Schrein. Da recken sich aber auch „sprechende“ Arme empor, da wartet eine „erbauliche Lobrede“ aufs Vorlesen, da findet sich ein Knochen von Koloman, ein Splitter des legendären Holunderbaums von Leopold oder die Hand der Heiligen Anna in Wachs.

Ein Totenkopf aus Kieselsteinen
NOEN

Prächtig sind die, kostbar sind die, und überraschend menschlich und fast schon kriminalistisch spannend sind die auch, die 79 winzig kleinen bis (über)menschengroßen Objekte aus der Frühzeit des Christentums bis heute. Präsentiert hat man sie ganz schlicht und ganz modern, in gläserne Vitrinen gefasst, von weißen Vorhängen umweht („die sollen an das Einhüllen erinnern“) und mit dunkelgrauen Teppichen verbunden.

„Ein bisschen frischer und bisschen moderner“, so Museumsdirektorin Barbara Taubinger, will es sein, das neue Museum am Dom. Und wirkt nicht nur wegen der neuen Farben heller und aktueller. Sondern auch wegen der neuen Zugänge, wie dem komplett von Tullnerbacher Schülerinnen und Schülern gestalteten Reliquienraum mit (Kiesel-) Schädeln und (Modellier-) Knochen, mit Schuhabdrücken und Schatzkistchen, mit T-Shirts, Bilderserien und Videospielen.

Eine ausgedachte Heilige in Acryl im neuen Museum am Dom
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Die „Was ist uns heilig?“-Vitrine wartet hingegen noch auf (Besucher-)Objekte. Das erste „heilige Ding“ steht schon drin: die Blutreliquie von Johannes Paul II. aus dem Besitz von Diözesanbischof Alois Schwarz.

Und am Gedenktag der Heiligen Corona, dem 14. Mai, ist der Eintritt frei.

www.museumamdom.at