Natalia Ushakova kreiert musikalische Blumensträuße. Opernsängerin Natalia Ushakova hat momentan wenig Zeit für die Natur, die sie so liebt. Der Grund ist aber ein erfreulicher: Einige Konzerte stehen an. Die Programme sind abwechslungsreich.

Von Teresa Sturm. Erstellt am 14. August 2019 (04:51)
Maurizio Montani
Natalia Ushakova

Natalia Ushakova entschuldigt sich bei der Begrüßung am Thalhof in Reichenau an der Rax lachend wegen ihres Sommerkleids, das voller Katzenhaare ist. Die Nachbarskatze habe noch Streicheleinheiten eingefordert, bevor sich die Opernsängerin auf den Weg zum Interview machen konnte. „Ich liebe Tiere“, sprudelt es aus ihr heraus. Da sie so viel unterwegs ist, könne sie aber kein eigenes Haustier halten.

Reichenau ist für sie aber nicht nur wegen der Nachbarskatze Lilli ein ganz besonderer Ort.

Traumhaus gefunden

Seit einigen Jahren hat Ushakova dort ein Haus. Das hat sie mit ihrem Ehemann ganz zufällig entdeckt. Auf dem Weg von der Steiermark nach Wien war die Strecke blockiert und sie sind über Nebenstraßen weitergefahren: „Es war wie im Märchen. Tiefverschneite Wälder, Hochgebirge, glitzernder Schnee und meterlange Eiszapfen auf den Bäumen“, so Ushakova.

Nach einer Bergabfahrt sind die beiden in ein „idyllisches kleines Örtchen“ gefahren. „Da sahen wir das erste Mal diese Jahrhundertwende-Villa. Auf dem Gartenzaun hing eine Tafel mit der Aufschrift ‚Villa im Dornröschenschlaf zu verkaufen‘. Ich war sofort verliebt“, schwärmt die gebürtige Russin. Seither lebt Ushakova nicht nur in München, sondern verbringt auch gerne ihre Freizeit in Reichenau, wo sie die Natur genießt, Schwammerl sucht und sich als Hobbyköchin ausprobiert.

Schon bald kann sie nicht nur im Bezirk Neunkirchen entspannen, sie wird am 24. August am Thalhof auch ein Konzert geben. „Ich habe den Thalhof mit seiner unglaublichen Geschichte immer bewundert.“ Als sie das erste Mal den Saal betreten hat, wusste sie, dass sie hier singen möchte: „Das hat hier eine besondere Energie!“

Abwechslung machtʼs

Immer das Gleiche zu singen kommt für die Sopranistin nicht in Frage. „Ich möchte, dass meine Konzerte immer unterschiedlich sind, mit verschiedenen Nummern“, sagt Ushakova und vergleicht das Zusammenstellen eines Konzertprogramms mit dem eines Blumenstraußes: „Heute mache ich vielleicht einen aus Lavendel, Rosen und Malven und morgen habe ich andere Blumen im Kopf und schmücke den Strauß mit anderen Melodien. Aus verschiedenen Musikstücken kreiere ich den Musikblumenstrauß.“

Dass Natalia Ushakova beruflich musikalische Wege einschlagen würde, war ihr bald klar. „Schon mit vier Jahren wollte ich Koloratursopranistin werden. Niemand hat gewusst, was das heißt. Auch ich selber habe es nicht gewusst“, sagt sie lachend. Während sie von früher erzählt, unterbricht sie sich selbst mit Anekdoten. So erzählt sie von einer Generalprobe für „Pique Dame“ von Peter Tschaikowski.

„Ich musste mich leidenschaftlich umdrehen, um dann mit Plácido Domingo ein Duett zu singen. Der kam von der Seite rein und alle haben gelacht.“ Erst nach einem Moment hat sie bemerkt, dass von der anderen Seite Ian Storey hereinkam, um das Duett zu singen. „Es war missverständlich, weil beide dachten, sie müssten den Hermann singen. „Plötzlich hatte ich zwei Hermanns.“

Ohnmächtige Emotion

Schon im Volksschulalter war Ushakova von Opernklängen begeistert. „Mit acht Jahren habe ich zum ersten Mal das Mozart Requiem gehört. Da bin ich ohnmächtig geworden, weil mich das so fasziniert hat. Diese Musik war so intensiv. Ich habe das nicht verkraftet, diese Emotion, die in mir steckt.“

Mittlerweile kann sie sehr wohl mit all ihren Emotionen umgehen. Davon kann man sich bei ihren Auftritten überzeugen. Kurz nach dem Konzert in Reichenau tritt sie in der Sommerarena Baden auf, um dort „wieder einen anderen Blumenstrauß“ zu präsentieren. Außerdem hat die Sängerin ein weiteres Album aufgenommen.

Darauf singt Ushakova Arien aus dem Repertoire der Opernlegende Maria Callas. Passend dazu tritt sie Ende November unter dem Titel „A Tribute to Maria Callas“ im goldenen Saal des Musikvereins auf. 2020 wird Ushakova die „Brünnhilde“ in Richard Wagners „Die Walküre“ singen. „Ich liebe Wagner! Danach könnte ich süchtig werden!“