Danubium Tulln: Von Leidenschaft bis Prokrastination

Erstellt am 25. Jänner 2023 | 04:53
Lesezeit: 3 Min
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Die unterschiedlichen Abläufe der Abstumpfungen im Alltag, seien es die Klimakatastrophe oder blutige Opferpyramiden, waren das Grundthema des gelungenen Abends mit Thomas Maurer.
Foto: Haslhofer
Nach zwei unterhaltsamen Abenden mit Thomas Maurer und Manuel Rubey folgen Andreas Vitásek und Markus Hauptmann.

Kabarett, das ist die Kritik der Kleinkunst an der Gegenwart. In diesem Sinne beschäftigte sich Thomas Maurer „ohne Glottisschlag“ in seinem Programm „Zeitgenosse aus Leidenschaft“ mit mehreren groß gespannten Bögen beginnend von den Opferritualen der Azteken hin zur österreichischen Innenpolitik, einem Konzept der Befriedigung Afghanistans mit Schneekanonen und der Schmerzlust beim Tragen zu kleiner Schuhe zum Zwecke des Kampfes gegen seine Zigarettensucht mit den Skurrilitäten und Abgründen des Alltags der Gegenwart.

Neben der bemerkenswerten Hässlichkeit des Shoppingcenters Gerasdorfs – „so sieht das Anthropozän aus, wenn der Baumeister der Schwager vom Bürgermeister ist“ – unterhielt Maurer das Publikum im vollen Saal des Danubiums mit einer großen Bandbreite an Beobachtungen und Lebenserkenntnissen. Warum man kein schlechtes Gewissen im Sexshop haben muss, wenn man mit öffentlichen Verkehrsmitteln kommt, wie er immer wieder erfolgreich mit dem Rauchen aufgehört hat oder warum „am Leben zu sein grundsätzlich ein Konzept aus dem 20. Jahrhundert ist“, konnte man an diesem Abend erfahren.

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Wenn die Hauptaufgabe darin besteht, den Goldfisch täglich zu füttern ... Manuel Rubey philosophierte unter anderem über die Trägheit: „Kann man Überstunden schreiben, wenn man über die Arbeit geträumt hat?“
Foto: Wallak

Nach einigen Verschiebungen und Absagen war am Tag darauf Manuel Rubey endlich mit seinem ersten Soloprogramm „Goldfisch“ zu Gast. Mit Witzen und Liedern übte er Gesellschaftskritik, in Listenform zählte er „Sätze, die man als junger Schauspieler nicht hören will“ oder „Berufe, vor denen ich meine Töchter warnen möchte“ auf. Der Kabarettist, Musiker, Schauspieler und Autor präsentierte sich in diesem Kabarett als „vielseitig desinteressiert“ und jemand, dem die Prokrastination (das extreme Verschieben von anstehenden Tätigkeiten) vorgeworfen wird.

Nach der Pause stellte er aber seine Vielseitigkeit unter Beweis. Mit Passagen aus seinem 2022 erschienenem Buch „Der will nur spielen“ und einigen Liedern, „die ich nicht selbst geschrieben habe“, konnte er das Publikum begeistern.

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Markus Hauptmann führt in die abgrundtiefen Seelen der Lehrer- und Elternschaft und schafft den Spagat zwischen Humor, Lachmuskeltraining und Realität.
Foto: ohannes Brunnbauer

Und auch am kommenden Wochenende kann wieder herzhaft gelacht werden. Am Samstag, 28. Jänner, findet die Niederösterreich-Premiere des neuen Comedy-Programms von Markus Hauptmann „Lang stirbsam“ statt. Dabei schlüpft der Lehrer in 13 sehr unterschiedliche Rollen. In bewährter Actionheld-Manier versucht er, die Schule vor dem Chaos zu retten, und stolpert über so manch wild gewordenen Elternteil.

Am Freitag, 27. Jänner, begibt sich Andreas Vitásek mit „Der Herr Karl“ auf die Suche nach der österreichischen Seele.