Nestroy, Mizzi und der Teufel bei den Festspielen. Arme Akteure, reiche Erbinnen, leichte Damen und mächtige Generäle 2020 in Reichenau – aber kein Schnitzler.

Von Michaela Fleck. Erstellt am 21. Januar 2020 (01:09)
Kehrt als „launige Tante“ auf die Bühne zurück: Maria Happel.;Feiert als „Teufels General“ sein Festspiel-Debüt: Marcus Bluhm; Kommt als „Gräfin“ wieder nach Reichenau: Mercedes Echerer.
Dimo Dimov; Dimo Dimov; Ringhofer

Neue Orte gibt es keine. Neue Formate auch nicht. „Aber wenn ein Schnitzler nicht am Programm steht oder wenn ein neuer Name eine Hauptrolle bekommt – das fällt sofort auf!“

Meint Renate Loidolt. Hat die Veränderung gleich übers Programm geschrieben. Und auch ohne Schnitzler und auch mit neuen Hauptrollen schon jetzt 15.000 Karten verkauft, für die Festspiele Reichenau.

Am 3. Juli öffnen diese heuer schon zum 22. Mal ihre Pforten. Für fünf Wochen Theater. Und für eine ganze Reihe von Gästen, die kürzer oder länger nicht an der Rax waren. Und heuer wiederkommen.

„Wir werden in dieser Saison die einmillionste Karte verkaufen!“ Peter Loidolt, mit Gattin Renate Gründer und Leiter der Festspiele Reichenau

Maria Happel zum Beispiel („ich freu mich sehr“), die sowohl die Regie als auch die Rolle der Tante Lavinia in Stefan Slupetzkys „Arme reiche Erbin“ nach Henry James’ Roman „Washington Square“ übernommen hat. Und mit Martin Schwab, Daniel Jesch oder Elisabeth Augustin in den Nebenrollen wieder ein Frauenschicksal auf die Bühne des Großen Saales bringt.

Oder der niederösterreichische Regisseur Michael Gampe , der nach 2003 wieder einen Nestroy („den muss man klar, direkt und genau machen“) in Reichenau inszeniert. Und wie vor 17 Jahren wieder „Umsonst“, aber diesmal im Neuen Spielraum und mit David Oberkogler („das ist ein Geschenk, so eine Rolle“) und Nicolaus Hagg als Schauspieler ohne Geld und Engagement (Peter Loidolt: „Das gibt’s in Reichenau nicht“).

Wieder engagiert hat man für heuer auch Mercedes Echerer („ich war 1989 das erste Mal in Reichenau“), die als Gräfin Ergoletti mit Gabriela Benesch und Dunja Sowinetz als „leichten Damen im besten Alter“ in Nicolaus Haggs Bearbeitung von Doderers „Die Wasserfälle von Slunj“ spielen.

Neu in Reichenau ist dagegen Marcus Bluhm , der die Hauptrolle in Carl Zuckmayers Polit-Drama „Des Teufels General“ übernimmt, das Hermann Beil als „Gleichnis“, nicht als „Nazi-Klamotte“ auf die Bühne bringt.

Außerdem: Sascha Oskar Weis als Erzähler in der Reihe „Literatur in Szene“ (Renate Loidolt: „Das ist eigentlich unser fünftes Theaterstück“) und in Joseph Roths „1002. Nacht“. Und: Oleg Maisenberg mit Schubert am Klavier.

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