Historiker-Konferenz über „autoritäres 21. Jahrhundert“. Historiker aus aller Welt trafen einander vergangene Woche im Schloss Eckartsau.

Erstellt am 08. September 2018 (13:13)
Lukas Cioni

Bei der Tagung „1918-1938-2018: Dawn of an authoritarian Century“ stellte sich die Frage, ob sich die Geschichte wiederholt und das 21. Jahrhundert gleich autoritär wie das vorrangegangene Jahrhundert wird.

Der Tagungstitel warnt: Stehen wir im Jahr 2018 am Beginn eines autoritären Zeitalters? Für Historiker und Co-Organisator Oliver Rathkolb war diese Frage der Hauptgrund mit internationalen Experten genau hier zusammen zu kommen. „Wir versuchten die These, die besagt, dass wir am Beginn eines autoritären Zeitalters stehen, gemeinsam zu analysieren und diese entweder zu bestätigen oder zu verneinen.“ Eine Betrachtung der negativen Vergangenheit könne dabei den Weg für ein „positives europäisches Zukunftskonzept“ bereiten, so der Wiener Universitätsprofessor.

Tobias Kurakin

„Es ist wichtig, dass Geschichte und Aufarbeitung in einen Diskurs kommen“, sagte der gebürtige Niederösterreicher Florian Kührer-Wielach. Geschichte ist für den Direktor des Instituts für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas ein Hilfsmittel um gegenwärtige Ereignisse besser deuten zu können: „Aus ihr kann man viele Parallelen zur Gegenwart ziehen, wodurch gewisse Neigungen heute beschrieben werden können.“

„Demokratie ist nicht unzerstörbar. Es braucht Demokraten. Demokrat zu sein, ist nicht einfach“, warnt Alt-Bundespräsident Heinz Fischer. Fischer sprach über aktuelle politische Herausforderungen und verwies darauf, dass es wichtig sei, sich mit der Vergangenheit zu beschäftigen. „Natürlich hatten die letzten 100 Jahre einen Einfluss auf die Gegenwart, man darf aber nicht vergessen die Gegenwart hat auch Einfluss auf die nächsten 100 Jahre.“ Trotz der aktuellen Herausforderungen blickt Fischer durchwegs positiv in die Zukunft. „Ich bin überzeugt, dass wir nicht vor dem Beginn eines autoritären Zeitalters stehen.“

Rund 60 internationale Referenten tagten letzte Woche im Schloss Eckartsau: Unter ihnen waren auch „große Namen“ wie etwa Margaret MacMillan, die an der Universität Oxford tätig ist. Angereist waren die Vortragenden aus fünfzehn Ländern, darunter etwa der Ukraine, Polen, Israel und den Vereinigten Staaten.

Die Veranstaltung erzeugte bei einer Vielzahl der Teilnehmer ein positives Echo. Fantastisch, beeindruckend, wundervoll, fabelhaft", beschrieben die Anwesenden die Tagung. „Diese Veranstaltung tut gut, weil es viele Probleme zu lösen gibt, wie man die politische Apathie in Europa in eine produktive Demokratie ummünzen kann", schildert Werner Hanak vom jüdischen Museum Frankfurt/Main seinen Eindruck zu Eckartsau 2018.

Zwischen Wien und Bratislava liegt das prunkvolle Schloss Eckartsau, inmitten idyllischer Landschaft und der 1.200-Einwohner-Gemeinde Eckartsau. Heute dient das Schloss als Veranstaltungsort für Hochzeiten und Tagungen, doch hinter der gelben Fassade steckt ein wichtiges Stück österreichische Geschichte. Das Schloss war für Kaiser Karl I., nach dem dieser auf die Staatsgeschäfte 1918 verzichtete, der letzte offizielle Wohnort in Österreich, bevor er ins Exil ging. Die historisch relevante Geschichte des Tagungsortes sorgte, laut Rathkolb, für „einen anderen Flair, der auch für die vielen internationalen Vortragenden ein besonders Erlebnis bot.“

Tobias Kurakin absolviert eine Journalismusausbildung an der Katholischen Medien Akademie (KMA). Im Rahmen der Ausbildung an der KMA wurde von der Konferenz berichtet. Die Reise- und Aufenthaltskosten wurden von den Österreichischen Bundesforsten übernommen.