Herr Schubert bei Hochwürden. Beim Bischof, beim Bürgermeister und über den Dächern spielt man in St. Pölten (wieder) Schubert.

Von Michaela Fleck. Erstellt am 15. September 2021 (03:52)
Bei St. Pöltens „Hochwürdigstem Herrn Bischof“ war Franz Schubert
Bei St. Pöltens „Hochwürdigstem Herrn Bischof“ war Franz Schubert schon anno 1821. Und kommt 200 Jahre später wieder – mit Bariton und Schubertiaden-Initiator Stefan Zenkl (rechts) und ins Bistumsgebäude zu Diözesanbischof Alois Schwarz.
Diözese St. Pölten

Dass er den „Brunnen vor dem Tore“ in Ochsenburg geschrieben hat, stimmt nicht. Dass er die Es-Dur-Messe in St. Pölten geschrieben hat, stimmt auch nicht. Und ob er im Dom die Orgel gespielt hat, weiß man nicht.

Aber: Dass er da war, der Herr Schubert, in der Bischofsstadt St. Pölten, das ist verbrieft. Das hat Schubert-Freund und Dichter Schober an Schubert-Freund und Förderer Spaun geschrieben. Und das steht auch im Bistumsgebäude, und zwar in Stein gemeisselt. „Im Jahre 1821“ steht dort auch, und damit heuer vor genau 200 Jahren. „Da war für mich klar: Wir müssen was machen“, meint Schubert-Sänger und St. Pöltner Stefan Zenkl. Und: „Wir müssen was im Rathaus und beim Bischof machen.“ Schließlich waren anno 1821 gleich „ein paar“ Schubertiaden, wie Franz von Schober schreibt, „beim Bischof“ und eine „bei Baron Mink“.

„Beim Bürgermeister“ und „beim Bischof“ sind auch die „Hauptacts“ der „Klangreise“ zu „Schubert200“, für die Stefan Zenkl gleich einen eigenen Kulturverein gegründet hat. Der bittet diesen Donnerstag, am 16. September , zum ersten „Wandelkonzert“ („das ist eine Art Wanderkonzert“) für „14 Leute“ und zwischen Bürgermeisterzimmer und Gemeinderatssitzungssaal am Rathausplatz und Stadtmuseum in der Prandtauerstraße. Am Programm: Schubert-Lieder, Schubert-Tänze und eine Uraufführung von Adam Johnson, am Podium: Opernsängerin Patricia Nolz, NÖs Tonkünstler-Orchester im Streichquartett und das junge Vokalensemble Momentum.

Zweites Wandelkonzert in Stiftsbibliothek und Sommerrefektorium

Für das zweite Wandelkonzert zwei Wochen später, am 28. September , öffnet St. Pöltens Diözesanbischof die Tore zur Stiftsbibliothek und zum Sommerrefektorium. Gestartet wird im Festsaal des Kirchenmusik-Konservatoriums, bevor in der Bibliothek ein frisch restaurierter Hammerflügel aus dem 19. Jahrhundert („den hat Schubert vielleicht auch gespielt“) und im Refektorium die dem St. Pöltner Bischof gewidmeten „Hafner-Gesänge“ erklingen.

Singen wird die der St. Pöltner Tenor Johannes Bamberger, der auch schon zwei Tage vorher Schubert singt, und zwar in der Kapelle von Schloss Ochsenburg. Dort, am Sommersitz der St. Pöltner Bischöfe, hat Schubert seine Oper „Alfonso und Estrella“ komponiert. Und dort wird am 26. September seine „Deutsche Messe“ gefeiert, unter den Solisten: Martina Daxböck, Patricia Nolz und Stefan Zenkl.

Gewandert wird auch noch an vier Donnerstagabenden „durch die Stadt“, mit Sänger und Touristenführer Manfred Hartl. Und gesungen wird an drei Sonntagnachmittagen „von den Dächern“. Zum Finale bittet man am 5. Oktober zum „ersten echten Damenkonzert in St. Pölten“ in die Klostergasse. Dort spielt das junge Selini Quartet Schuberts „Rosamunde“ – und zwei Uraufführungen der St. Pöltner Komponisten Julia Purgina und Roland Freisitzer.

www.schubert200.at