Passionsspiele in Kirchschlag: Geschichte Jesu nahebringen

Erstellt am 12. August 2022 | 04:56
Lesezeit: 3 Min
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Die zweite „Maria Magdalena“ Stefanie Glatz und „Jesus“ Christoph Reisner mit einigen Aposteln.
Foto: Passionsspiele/Pfarre Kirchschlag
Nach verlängerter Pause aufgrund der Corona-Pandemie starten die großen Passionsspiele in Kirchschlag in ihr 90-jähriges Jubiläum.

Mehr als 500 Frauen, Männer sowie Jugendliche und Kinder wirken bei den Passionsspielen in Kirchschlag mit. Diese finden heuer nach siebenjähriger Pause wieder statt, die Premiere ist am 14. August. In diesem Jahr feiert die Inszenierung von Jesu Leiden, Tod und Auferstehung in Kirchschlag das 90-Jahr-Jubiläum: Pfarrer Franz Füssl rief die Passionsspiele im Jahr 1932 ins Leben. 1959 wurde zudem ein eigenes Passionsspielhaus errichtet.

Mittlerweile werden die Passionsspiele im Fünf-Jahres-Rhythmus aufgeführt. Pandemiebedingt musste die Spielpause zuletzt auf sieben Jahre verlängert werden. Umso größer ist die Freude über die heurige Inszenierung unter der Regie von Manfred Waba. Für Thomas Marosch, Pfarrer von Kirchschlag, sind die Passionsspiele „eine großartige Möglichkeit, um Jesus und die Geschichte Gottes mit uns Menschen besser kennenzulernen und das Evangelium wieder neu zu erfahren“.

Tolle Gemeinschaft und geteilte Freude

„Ich spiele deshalb gerne mit, weil ich ein ganzes Jahr hindurch Teil einer liebevollen Gemeinschaft sein darf, in der aufeinander geachtet wird“, erklärt die 19-jährige Viola Stocker, gemeinsam mit Stefanie Glatz eine der beiden Darstellerinnen der Maria Magdalena, gegenüber dem SONNTAG. Sie ist bereits seit 2010 aktiv bei den Passionsspielen dabei – früher als Teil des Volkes.

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Viola Stocker stellt „Maria Magdalena“ dar.
Foto: Passionsspiele/Pfarre Kirchschlag

„An Maria Magdalena fasziniert mich ihre Selbstständigkeit. Zu ihren Lebzeiten ganz ohne Ehemann oder Vater unterwegs zu sein, war sicher kein leichtes – oder übliches – Unterfangen“, sagt Stocker. Und: „Dennoch folgt sie Jesus nach und wird eine seiner wichtigsten Botschafterinnen. Vor allem aber wird sie in dieser Nachfolge ernst genommen und Jesus begegnet ihr, entgegen der patriarchalischen Ordnung, ganz auf Augenhöhe.“

Auch Christoph Reisner, gemeinsam mit Florian Grabner einer der beiden Jesus-Darsteller, war bereits als Kind das erste Mal bei den Passionsspielen dabei. An Jesus fasziniert den 32-jährigen Gärtner „seine selbstlose Art von Liebe für die Menschheit. Er hat sich seinem Schicksal gestellt, obwohl er wusste, welche Qualen ihm bevorstehen. Das erfordert sehr viel Mut und Willenskraft.“

An Jesus fasziniert mich seine selbstlose Art der Liebe. Christoph Reisner, Jesus-Darsteller

Eine nicht sehr einfache Rolle ist die des Judas. Neben Michael Aulabauer spielt diese Kurt Leidenfrost. Bereits seit 1985 verkörpert Leidenfrost diese Rolle, heuer bereits zum achten Mal. Warum er gerne mitwirkt? „Aus Freude am Spielen, am Gestalten dieser interessanten Figur, wegen des Gemeinschaftserlebnisses, wie ich es in dieser Größe und Intensität über fast ein ganzes Jahr kaum woanders erlebt habe, die ewige Aktualität der Passionsgeschichte, die Resonanz beim Publikum und den Mitspielern – es gibt unzählige Gründe“, meint er.

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Kurt Leidenfrost spielt den „Judas“ bereits zum achten Mal.
Foto: Passionsspiele/Pfarre Kirchschlag

Für den 61-jährigen Angestellten ist die Person des Judas „äußerst vielschichtig mit einer großen Bandbreite an Emotionen. Meist war Judas abgestempelt als bloßer Verräter und jahrhundertelang willkommenes Werkzeug von Antisemiten.“

Die Passionsspiele in Kirchschlag finden an 23 Spielterminen von 14. August bis 26. Oktober 2022 statt. Kartenreservierungen unter www.passion.at oder per Mail an passionsspiele@kirchschlag.at sowie unter 02646/2243-14.