Der bucklige Bettler. Über Imageprobleme im Sport, die sich jetzt verheerend auswirken.

Von Bernhard Schiesser. Erstellt am 20. Mai 2020 (00:19)

Sport und Kultur sitzen dieser Tage mehr denn je im selben Boot. Das Veranstaltungsverbot trifft beide Branchen mit voller Wucht. Die Politik verspricht Hilfe – 700 Millionen für alle gemeinnützigen Vereine. Wie die aufgeteilt werden sollen, wird spannend. Mit der Gießkanne nährt man da und dort vielleicht auch manches Unkraut, gezielter Einsatz von Geldern wird schwer. Im Sport weit schwerer als in der Kultur.

Denn da holt den Fußball – und das ist die mit Abstand dominierende Sportart – sein „Schmuddel-Image“, seine Daumen-Mal-Pi- Buchhaltung ein. Klingt hart, ist aber so. Und vor allem ist das selbst verschuldet.

Man könnte es nämlich auch so sehen: Auch in der Kultur gibt es Kritiker, die der ein- oder anderen Produktion die Qualität absprechen. Erstens sind Geschmäcker verschieden, zweitens spielen – wie im Fußball halt auch – nicht alle in der Bundesliga, manches ist eben auch in der Kultur eher so Landesliga. Dass diese Produktionen oder Künstler trotzdem ihre Berechtigung haben, bestreitet kaum jemand. Zurecht, wenn eine Mindestanforderung erfüllt wird – jene der Unterhaltung.

Auch Fußball bespaßt auf unterschiedlichem Niveau. Äpfel hin, Birnen her: Mit etwas gutem Willen kann man den Vergleich zwischen Landesligakickern und Vorstadtschauspielern schon ziehen. Beide wurden häufig gut ausgebildet. Für die einen reichte es nicht für die Bundesliga, für die anderen nicht fürs Burgtheater.

Weil die Sportler aber jahrelang die Hand bissen, die sie jetzt füttern soll, stehen sie eher gebückt da, wie ein nach Almosen flehender Bettler. Die Kulturschaffenden dagegen erheben voller Stolz ihre Stimme. Das müsste nicht so sein.