Neue Landesstrategie für NÖ wird erarbeitet. In Niederösterreich wird eine Landesstrategie für 2030 und darüber hinaus erarbeitet. Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) erwartet sich generell zentrale Antworten auf die Frage "wie und wohin soll sich das Bundesland Niederösterreich entwickeln" und einen "Leitfaden für die nächsten Jahre". Der offizielle Startschuss für das Projekt ist am Dienstag gefallen, Ergebnisse sollen in etwa einem Jahr vorliegen.

Von APA / NÖN.at. Update am 15. Juni 2021 (14:00)

Eingebunden werden nationale und internationale Experten ebenso wie die Bevölkerung. Als "Dreh- und Angelpunkt" gelten fünf zentrale Fragestellungen, betonte Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) in einer Pressekonferenz.

Diese Punkte beschäftigen sich mit dem Leben, der Achtsamkeit und der allgemeinen Organisation in der nahen Zukunft. Mikl-Leitner erwartet sich generell zentrale Antworten auf die Frage "wie und wohin soll sich das Bundesland Niederösterreich entwickeln" und einen "Leitfaden für die nächsten Jahre". Als aktuell fordernde Themenfelder bezeichnete sie neben Corona und den dadurch notwendigen Wiederaufbau auch die Veränderungen in der Wirtschaft und in der Arbeitswelt sowie den Klimawandel.

Kalkuliert sind für das Projekt Investitionen von rund 1,7 Millionen Euro. Federführend beteiligt sein werden drei Experten. Christoph Badelt, der Chef des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo), fungiert als Wissenschafts-Bereichsleiter. Stefanie Burkhart, Gründerin des Human & Technology Centered Ecosystems in Köln, soll für die Internationalisierung und den Blick von außen sorgen. Den Bereich Bürgerbeteiligung koordinieren wird Politikwissenschafter Peter Filzmaier. Geplant sind in dem Segment eine Haushaltsbefragung und eine auf Telefon- und Onlinebefragungen basierende repräsentative Studie. Speziell miteinbezogen sollen auch die Zukunftswünsche der Schülerinnen und Schüler werden.

"Megatrends erkennen, Zukunftschancen ableiten"

Herausdestilliert werden sollen aus den Ergebnissen im Laufe der kommenden Monate laut Mikl-Leitner "Handlungsnotwendigkeiten". Es gelte, Megatrends zu erkennen und Zukunftschancen abzuleiten. "Jetzt beginnen die Vorbereitungen für all die Veranstaltungen und Befragungen im Herbst. In einem Jahr wollen wir die Landesstrategie 2030 gemeinsam präsentieren", sagt Mikl-Leitner.

Politisch getragen wird das Projekt neben der ÖVP auch von den ebenfalls in der Landesregierung vertretenen Parteien SPÖ und FPÖ. Landeshauptfrau-Stellvertreter Franz Schnabl (SPÖ) sieht die Notwendigkeit einer neuen Strategie u.a. darin, dass der Landesentwicklungsplan "in die Jahre gekommen" sei. "Die Welt bleibt nicht stehen", sagte er mit Verweis auf digitale und gesellschaftliche Veränderung. Schnabl erkenne drei Handlungsfelder: „Erstens die Verschiebung der globalen Kräfteverhältnisse Richtung Asien, zweitens der menschengemachte Klimawandel und drittens der digitale Wandel in der Wirtschaft und in der Kommunikation.“ Das alles habe Einfluss darauf, wie man heute lebt, morgen lebt und morgen leben will.

Auch von FPÖ-Landesrat Gottfried Waldhäusl (FPÖ) kam am Dienstag "ein klares Ja zur Strategie". Der Startzeitpunkt für den Zukunftsprozess sei gut, denn aktuell befinde man sich - bedingt durch die Corona-Pandemie - ohnehin "mitten in Problemen". Für Waldhäusl gelte es drei Punkte in dem Prozess zu beachten: „Denken in Generationen, die Eigenständigkeit Niederösterreichs erhalten und Wissenschaft und Forschung trotzdem zu beachten. Und nicht zu vergessen, der Mensch bleibt weiter im Mittelpunkt.“

Extreme und rasante Veränderungen

„Die Veränderungen sind dermaßen extrem und passieren in einem rasanten Tempo“, sagt Stefanie Burkhart, die als Millennial (zwischen 1981 und 1995 geborene) auch die junge Generation vertreten soll. Die Transformation von einem alten Millennium in ein neues finde genau jetzt statt. „Jeder Einzelne von uns ist betroffen und mit der Herausforderung konfrontiert, genau jetzt mutig und entschlossen mit anzupacken." Für Burkhart gehe es auch darum alle Generationen in den Prozess mit einzubinden.

Es gehe darum die Meinungen und Einstellungen von Bürgerinnen und Bürgern zu erheben und zu berücksichtigen, sagt der für die Bürgerbeteiligung zuständige Politikwissenschaftler Peter Filzmaier. Das Ergebnis des Bereiches Bürgerbeteiligung wird eine Information für die Politik sein. Das bedeute nicht, dass alles umgesetzt werde, aber es werde eine Grundlage für die politischen Entscheidungen sein.

Die Brücke zur Wissenschaft soll der Noch-Wifo Chef und amtierende Präsident des Fiskalrats Christoph Badelt in dem Prozess zur Landesstrategie 2030 schlagen. Dass in Niederösterreich Wissenschaft einen positiven Wert und hat und sehr gefördert wird komme dem Land zugute. "Denn eine Strategie, die weit in die Zukunft gerichtet ist und alle wichtigen Lebensbereiche umfassen soll, muss auf profunden Analysen aufbauen. Die Wissenschaft hat schon viele Analysen geliefert. Meine Aufgabe wird es sein, zunächst zu schauen, was es schon an Analysen gibt und allfällige Defizite aufzudecken, um Erkenntnisse für die zukünftige Entwicklung zu ziehen."