35 Jahre danach: "Noch viel zu tun". Mehr Demokratie, mehr Nationalpark und eine schnellere Energiewende fordern die Hainburger Au-Besetzer 35 Jahre nach der legendären Initiative gegen das Hainburger Donaukraftwerk.

Von Michaela Fleck. Erstellt am 06. Dezember 2019 (13:43)
Im Dezember 2019 jährt sich zum 35. Mal die Besetzung der Hainburger Au durch Umweltaktivisten. Foto: Kovacs
NOEN, APA

1984 verhinderte der Einsatz Tausender engagierter Bürgerinnen und Bürger das  Donaukraftwerk Hainburg und stellte die Weichen für den 12 Jahre später gegründeten Nationalpark Donauauen. Doch: Die wesentlichsten umwelt- und demokratiepolitischen Herausforderungen standen immer noch an, meinten Umweltaktivisten. Deshalb griffen Gerhard Heilingbrunner, Doris Holler Bruckner, die mittlerweile verstorbene Freda Meissner-Blau, Bernd Lötsch, Wolfgang Rehm und Günter Schobesberger 2014 diese Forderungen in der so genannten "Hainburger-Erklärung" neu auf. Fünf Jahre danach - und 35 Jahre nach der Au-Besetzung - zog man heute eine ambivalente Bilanz.

Au-Aktivist Gerhard Heilingbrunner, einst Initiator des Hainburg Volksbegehrens, heute Ehrenpräsident des Umweltdachverbandes: " Der Nationalpark Donauauen ist mit der neuen Chefin Edith Klauser auf einem guten Weg." Was der Umweltdachverband aber nach wie vor fordert: eine weitere Vergrößerung der Nationalparkfläche. "Unsere Forderungen an die Koalitionsverhandler: Es braucht mehr direkte Demokratie, eine Abschaffung des Amtsgeheimnisses und umfassende und wirksame Öffentlichkeitsbeteiligung bei Behördenverfahren“, so Heilingbrunner. 

Au-Aktivist Bernd Lötsch mahnte, dass auch im Jahr 2019 Umwelt nicht auf Kosten der Natur saniert werden darf und verlieh seiner Freude Ausdruck, dass der Stellenwert der Biodiversität auch von der "Fridays For Future"-Bewegung gewürdigt wird. "Es muss endlich in Energieeffizienz und Verbrauchsreduktion investiert werden“, so Lötsch. 

Doris Holler-Bruckner, Au-Aktivistin und Spezialistin für Erneuerbare Energie und Elektromobilität: "Die Energiewende geht zu langsam. Wir brauchen ambitionierte Ausbauziele für Erneuerbare Energien. Es fehlt immer wieder an Planungssicherheit, auch bei der E-Mobilität. Gesetzliche Rahmenbedingungen hinken hinterher. Die aktuellen Schwierigkeiten, einen akzeptablen Nationalen Energie und Klimaplan zu erarbeiten, sind bezeichnend für nicht genügend Kontinuität, um die Klimaziele zu erreichen.“ 

In einem Punkt sind sich die Hainburger-Aubesetzer aus 1984 auch 2019 einig: "Wir werden auch in den kommenden Jahren regional und überregional hartnäckig bleiben müssen. Es gibt noch viel zu tun!"