Agrar setzt auf gute Nachbarschaft. Ein Drittel der NÖ-Agrar-Exporte geht nach Deutschland, wo noch die große Landwirtschaftsmesse läuft.

Von Walter Fahrnberger. Erstellt am 21. Januar 2020 (01:50)
Die Abordnung mitNÖ-Bauernbundpräsident Georg Strasser, Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger und Landeshauptfrau-Stellvertreter Stephan Pernkopf verkostete bei der „Grünen Woche“ in Berlin die Produkte von Alfred und Leopold Kausl aus Mühldorf und intensivierten die politischen Beziehungen mit dem wichtigsten heimischen Agrarexportland.
Imre Antal

Deutschland ist für die heimische Landwirtschaft der wichtigste Exportmarkt. Mehr als ein Drittel der ins Ausland gelieferten agrarischen Produkte gehen in unser größtes Nachbarland. Im ersten Halbjahr 2019 wurden heimische Waren im Wert von 2,1 Milliarden Euro abgesetzt. 300 Millionen davon kamen aus Niederösterreich.

Da ist es naheliegend, dass eine heimische Abordnung die „Grüne Woche“ in Berlin zum Anlass nahm, um die Kontakte zu pflegen. Denn die einzigartige internationale Messe für Ernährung, Landwirtschaft und Gartenbau bietet die Möglichkeit, nicht nur 1.800 Aussteller aus aller Welt zu treffen, sondern auch hochrangige Politiker.

"Das Wichtigste ist eine noch bessere Zusammenarbeit zwischen den Regionen"

Das nützte die NÖ-Delegation, angeführt von Landeshauptfrau-Stellvertreter Stephan Pernkopf (ÖVP), um sich für die heimischen Landwirte stark zu machen. Unter anderem bei der Zusammenkunft mit der deutschen Umweltministerin Julia Klöckner oder mit Bayerns Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber.

„Das Wichtigste ist eine noch bessere Zusammenarbeit zwischen den Regionen“, sagt Pernkopf, der sich auf der Messe neben den Bayern auch mit Vertretern aus Baden-Württemberg und Südtirol ausgetauscht hat. Diese Regionen haben laut Pernkopf ein hohes Standing in Brüssel. Und schließlich brauche es starke Regionen für die Zukunft der Bauern in Europa.

Niederösterreich wird auf der „Grünen Woche“ seit elf Jahren von der Familie Kausl aus Mühldorf (Bezirk Krems Land) vertreten. „Man braucht qualitativ hochwertige Produkte und den direkten Kontakt zum Konsumenten“, sagt Kausl, der sich auf Marillenprodukte und seit 1995 auch auf Whisky spezialisiert hat. Sohn Alfred führt den von seinem Vater Leopold übernommen Marillenhof mittlerweile im Vollerwerb. Damit hat er eine Nische entdeckt. „Das ist wichtig für den Erfolg“, betont der Landwirt. Sein Familienbetrieb hat dabei vor allem Kunden in Deutschland im Fokus, weil dort bereits die Hälfte des Umsatzes erwirtschaftet wird.

Bauern-Demos rund um die „Grüne Woche“

Am Rande der „Grünen Woche“, die heuer bereits zum 85. Mal stattfand und noch bis Ende der Woche läuft, demonstrierten am Samstag 27.000 Menschen in Berlin für eine Agrarwende und mehr Klimaschutz in der Landwirtschaft. Die deutschen Bauern verlangen mehr finanzielle Förderungen beim Umstieg auf naturverträgliches Wirtschaften und machen die Regierung für das Höfesterben am Land verantwortlich. Auch in Österreich kennt man dieses Problem nur zu gut. Seit 1995 hat sich die Anzahl der Bauernhöfe um ein Drittel reduziert.