Austausch mit Finnland: Fürs Lernen noch dazugelernt. Gemeindebund nahm das Land im Hohen Norden genauer unter die Lupe. Beeindruckt haben die Delegation der Zugang zu Bildung sowie der Breitband-Ausbau, weniger hingegen das Kommunalsystem.

Von Lisa Röhrer. Erstellt am 22. Oktober 2019 (02:16)

Es wirkt wie ein modernes Schiff, das über dem Platz in Helsinki schwebt. Die Rede ist von „Oodi“, der neuen Zentralbibliothek der finnischen Hauptstadt. Allein der Blick in das Gebäude zeigte der österreichischen Delegation des Gemeindebundes bei der jüngsten seiner Reisen in das Land mit der jeweiligen EU-Ratspräsidentschaft, welchen hohen Stellenwert Bildung in Finnland genießt – auch auf nicht formeller Ebene. In der Bibliothek gibt es nicht nur Bücher. Hier lernen Studenten in Computer-Räumen, Kinder proben auf den zur Verfügung gestellten Musikinstrumenten. Zudem kann man 3D-Drucker, ein Tonstudio oder Nähmaschinen nutzen. Und das alles kostenlos.

„Der selbstverständliche Zugang dazu ist faszinierend und jeder hält sich an das Regelwerk“, zeigt sich Gemeindebund-Präsident Alfred Riedl beeindruckt. Der Zugang zur Bildung ist es schlussendlich auch, den der Gemeindebund-Präsident mit nach Hause nehmen möchte. Das zeigte auch der Besuch der Universität Aalto in der Nähe von Helsinki. Diese ist ebenfalls topmodern ausgestattet und für Studenten völlig kostenlos.

„Da können wir von Finnland viel mitnehmen. Dass das Bildungssystem auf inhaltlicher Ebene so viel besser ist, glaube ich aber nicht“, meinte Riedl. Die Frage, wie man jedem Menschen Zugang zu Bildung ermöglichen kann, hängt auch an der Finanzierung. In Finnland gibt es in Schulen kostenloses Mittagessen, Stifte, Hefte und Bücher. „Wir setzen hier vor allem auf Geldleistungen. Die Sachleistung sollte bei uns noch wichtiger werden“, ist Riedl überzeugt.

Finnland ist Vorreiter beim Glasfaser-Ausbau 

Vorbild ist das Land im Hohen Norden auch, was den Ausbau der Glasfaser betrifft. Dieser wird in NÖ immer wieder als Voraussetzung für die Stärkung des ländlichen Raums genannt. In Finnland habe jeder Haushalt, selbst wenn er noch so abgelegen ist, ein Recht auf den Zugang zu Glasfaser, erklärte der Vizepräsident des Ausschusses der Regionen und finnische Stadtrat Markku Markkula.

„NÖ ist hier auch schon sehr weit. Aber es ist eben noch nicht der letzte Winkel, der Anschluss hat. Das müssen wir noch erreichen“, meinte Riedl. Denn auch da spanne sich der Bogen zur Bildung: „Es gibt jetzt weltweites Wissen.“ Zu dem müsse jeder den besten Zugang haben.

„Österreich ist besser bei Selbstverwaltung“ 

Weniger überzeugt hat hingegen der Blick in das Kommunalsystem Finnlands, der dem Gemeindebund besonders unter den Nägeln brannte. Das Land wird international als Musterland der autonomen Selbstverwaltung gehandelt. Nach dem Besuch stellte Riedl überrascht fest: „Niederösterreich ist da sogar weiter.“ Die 311 finnischen Kommunen haben mehr Kompetenzen als die Gemeinden hierzulande.

Sie müssen sich gleichzeitig aber auch selbstständig um die Finanzierung kümmern – von Pflege über Schulsystem bis zur Abfallwirtschaft. Das Land, als Ebene zwischen Gemeinden und Bund, fehlt. „Die Leistungserbringung, die lokal erwartet wird, wird dann nicht immer erbracht“, beobachtete Riedl. Nicht umsonst laufe dort seit Jahren die Diskussion über die Einführung von Regionen – vergleichbar mit den Ländern in Österreich.

„Wir haben wieder gesehen, dass wir bei den Gemeinden gut aufgestellt sind. Aber natürlich gibt es auch einiges, das wir noch lernen können. Darum geht es ja beim Austausch“, meinte der Gemeindebund-Präsident am Ende der Reise.