Landwirtschaft: Mit der App zu mehr Ertrag. Digitalisierung erobert den Agrarbereich. Musterbauernhof kommt nach Wieselburg.

Von Walter Fahrnberger. Erstellt am 12. März 2019 (02:17)
Paul Gruber
Ministerin Elisabeth Köstinger und Landeshauptfrau-Stv. Stephan Pernkopf im Gespräch mit Schüler Fabian Butzenlechner im Francisco Josephinum über die dort entwickelte App zum effizienten Einsatz von Düngemitteln.

Am Bauernhof der Familie Pfaffenbichler in St. Peter/Au im Mostviertel hat die Digitalisierung bereits Einzug gehalten. Alle 40 Milchkühe sind mit einem Chip am Ohr ausgestattet. Dieser misst sämtliche Aktivitäten der Tiere und liefert die Daten direkt aufs Handy. Wird eine unterdurchschnittliche Kauaktivität eines der Wiederkäuer erkannt, deutet das auf Verdauungsprobleme der Kuh hin. Das Handy schlägt Alarm. Genauso, wenn die Kuh am Tag zu wenig weit läuft. Dafür könnte eine Verletzung an den Beinen schuld sein.

„Das System ist eine enorme Arbeitserleichterung und kann darüber hinaus auf die Stunde genau die fruchtbaren Tage der Kuh aufzeichnen, weil zu dieser Zeit die Aktivität der Kuh enorm zunimmt. Das ist für die künstliche Besamung enorm wichtig“, sagt Michael Pfaffenbichler. Der Jungbauer hat 2015 am Francisco Josephinum, der Höheren Bundeslehr- und Forschungsanstalt für Landwirtschaft in Wieselburg, maturiert.

Wieselburg wird Kompetenzzentrum

Genau dort wird in Zukunft auch die Digitalisierung in der Landwirtschaft österreichweit im Mittelpunkt stehen. Passend dazu läuft seit Herbst 2018 der bundesweit einzigartige FH-Lehrgang für Agrartechnologie am Campus Francisco Josephinum.

Ab Herbst dieses Jahres wird in der Höheren Lehranstalt zusätzlich zu den Abteilungen Landwirtschaft, Landtechnik und Lebensmittel- und Biotechnologie auch die Abteilung „Landwirtschaft und Digitalisierung“ angeboten.

Dafür investiert das Nachhaltigkeitsministerium 370.000 Euro allein in Wieselburg. „Österreichweit werden 1,3 Millionen Euro für die digitale Infrastruktur der Bundesschulen bereitgestellt“, betonte Ministerin Elisabeth Köstinger beim Besuch in Wieselburg.

Auch das Land Niederösterreich steuert 480.000 Euro bei. „In Wieselburg soll damit ein österreichweites Kompetenzzentrum für digitale Landwirtschaft entstehen. Am wichtigsten ist, dass die Bäuerinnen und Bauern den Nutzen der Digitalisierung erkennen“, betont Landeshauptfrau-Stellvertreter Stephan Pernkopf (ÖVP). Das kann eine Steigerung der Wertschöpfung oder eine Arbeitserleichterung für die Bauern sein.

Wie diese Arbeitsweise in Zukunft aussehen kann, wird ein digitaler Musterbauernhof in Wieselburg zeigen, der ebenfalls im Herbst seinen Betrieb aufnehmen wird. Dieser wird wie ein normaler Hof bewirtschaftet, gleichzeitig wird dort aber auch geforscht. Die Landmaschinen nehmen dann zahlreiche Daten (GPS etc.) auf, die dann verarbeitet werden. „Wir wollen damit die Digitalisierung in der Landwirtschaft praxisnah herzeigen“, erklärt Köstinger.

Beispiele dafür gibt es genug. So kann mittels satellitengesteuerter App der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln effizient gesteuert werden. Zudem hilft die neue Sensortechnik, das Wohl der Tiere zu überwachen. So können die verstärkt eingesetzten Melkroboter die Temperaturen der Tiere messen und vorzeitig Krankheiten erkennen. Gezeigt werden die neuesten Erkenntnisse der Forschung dann bei einer jährlichen Fachtagung, einem sogenannten Feldtag.

Auch in Niederösterreich werden die sogenannten Precision Farming-Systeme immer öfter angewendet. Die Kosten dafür (je nach Größe und Umfang) liegen wie bei jenem Chip-System der Familie Pfaffenbichler im Bereich ab 10.000 Euro.