Borkenkäfer: Erste Opfer und dringende Appelle. "Dramatisch" sehen Land und Landwirtschaftskammer nach wie vor die Situation in Niederösterreichs Wäldern. Und plädieren "dringend" dafür, das "Holz vor der Haustür" zu nützen statt noch mehr zu importieren. Durchsetzen will man das notfalls auch mit Notwehr-Fahrverboten.

Von Michaela Fleck. Erstellt am 09. Juli 2019 (11:27)
NLK / Reinberger
Sorgen sich um die heimischen Wälder: Stephan Pernkopf (zweiter von rechts) und Johannes Schmuckenschlager (zweiter von links) mit Viktoria Hutter und Daniel Heindl im Wald der Landwirtschaftlichen Fachschule von Pyhra.

10.000 Fußballfelder - so viel Schadholz lag schon 2018 in Niederösterreichs Wäldern, zwei Drittel davon befallen vom Borkenkäfer. Und 2019? "Sieht die Situation ähnlich aus", warnt Landeshauptfrau-Stellvertreter Stephan Pernkopf. Denn: "Unsere Fichtenwälder sind leichte Beute". Und die würden, dank Dürreperioden und hoher Temperaturen einfach "weggefressen". In Horn, erzählt Forstwirtin Viktoria Hutter, seien ganze Rücken geschlägert, in Waidhofen / Thaya und in Raabs sehe es auch nicht anders aus. Und: "Es ist kein Ende in Sicht!"

Auch die enormen Holzmengen, die heuer schon an Schadholz da sind, seien ein Problem. "Dort züchten wir ungewollt die nächsten Borkenkäfer", meint Landeskammerrat Daniel Heindl aus Lilienfeld. Außerdem tue einem "das Herz weh", wenn das beste Material verrottet. Und das nächste Problem stehe, so Viktoria Hutter, schon vor der Tür: die Aufforstung. Das werde mit dem aktuellen klimatischen Verhältnissen "richtig schwierig".

Betriebswirtschaftlich sei die Situation für Niederösterreichs Forstwirtschaft "schrecklich", meint auch Landwirtschaftskammer-Präsident Johannes Schmuckenschlager. Auch, weil "wir das Holz selber hätten", und trotzdem, so Stephan Pernkopf, die Holzimporte 2018 um 20 Prozent gestiegen seien, das entspreche "35.000 zusätzlichen Lkws". Daher appelliere er, Pernkopf, dringend: "Bitte das Holz vor der Haustür nützen!" Die Holzwirtschaft, ergänzt Schmuckenschlager, müsse zum heimischen Wald stehen. Falls nicht, müsse man auch darüber nachdenken, Notwehr-Fahrverbote auszusprechen. Das sei in der jetzigen Situation "absolut legitim!"