Ein Taferl geht in die Geschichte ein

Josef Zihr aus Orth erregte mit einem Protestschild mediale Aufmerksamkeit - jetzt ist sein Taferl im Haus der Geschichte.

Erstellt am 21. Oktober 2021 | 05:00
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Josef Zihr protestiert für den Rücktritt von Sebastian Kurz und hielt sein Schild in zahlreiche Fernsehkameras.
Foto: Evelin Zihr

Am Donnerstag vor zwei Wochen, nach Bekanntwerden der Korruptionsvorwürfe gegen Sebastian Kurz, tummelten sich am Ballhausplatz nicht nur Kamerateams. Während der Live-Sendung „ZIB Spezial“ war auch ein Niederösterreicher nicht zu übersehen: Hinter dem TV-Reporter hielt Josef Zihr aus Orth an der Donau (Bezirk Gänserndorf) minutenlang ein Pappschild mit der Aufschrift „Gegen Korruption“ in die Kamera.

Das Schild ging durch mehrere Medien. „Ich bin eigentlich gegen Demonstrationen und war vorher noch nie auf einer Demo“, so der 65-Jährige. Der Grund, warum er nach Wien fuhr und allein auf den Ballhausplatz (abseits der Demonstration in der Lichtenfelsgasse) ging: Er sei immer empfindlich gegen Ungerechtigkeit gewesen. Schon als frühere Chats an die Öffentlichkeit kamen, in denen die Kirche sehr abwertend behandelt wurde, habe ihn das als religiösen Menschen verstört. Die neuen Vorwürfe seien für ihn der Gipfel gewesen.

Er selbst ist SPÖ-Mitglied. Das Schild malte ihm sein Schwiegersohn. Bevor Zihr wieder nach Hause fuhr, gab der Pensionist es an Studenten auf der eigentlichen Demonstration weiter. Jetzt ist es sogar zu einem archivierten Stück Zeitgeschichte geworden, und zwar im Haus der Geschichte Österreich. Das Museum sammelt seit seiner Gründung Plakate von Protestbewegungen, die aktuelle Gesellschaftsdebatten besonders gut spiegeln. In einer Ausstellung ist Zihrs Taferl aber noch nicht zu sehen.