Ab heute arbeiten Niederösterreicherinnen gratis. Heute, am 18. Oktober, ist in Niederösterreich der Equal Pay Day erreicht. Dieser Aktionstag soll die ungleiche Entlohnung zwischen den Geschlechtern aufzeigen.

Von Sophie Seeböck. Update am 18. Oktober 2019 (13:40)
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Symbolbild

Zur Berechnung werden die Jahreseinkommen von Frauen und Männern gegenübergestellt und deren Differenz auf Arbeitstage umgelegt. Niederösterreichweit entspricht diese Differenz, laut Neos, 74 Tagen. Auch für die einzelnen Bezirke des Bundeslandes wurden eigenen Equal Pay Days errechnet.

Die Initiative Equal Pay Day wurde erstmals vor zehn Jahren durch das BPW Austria (Business & Professional Women) ins Leben gerufen und über die Jahre von der Arbeiterkammer und dem österreichischen Gewerkschaftsbund ebenfalls aufgegriffen, wie Christa Kirchmair, die Präsidentin des BPW-Austria, erklärt. Bundesweit fand der Equal Pay Day, der durch das BPW errechnet, schon am 26. Februar des heurigen Jahres statt.

Für Niederösterreich wird der Aktionstag durch andere Instanzen festgestellt, deshalb gibt es jedes Jahr zwei Equal Pay Days, einer im Frühjahr und einer im Herbst. „Wir befassen uns alle mit dem gleichen Anliegen und verwenden dieselben Daten“, erklärt Kirchmair.

Der erste Equal Pay Day fand vor zehn Jahren schon im April statt. Dass der Aktionstag heuer schon im Februar stattfand ist aber nur bedingt von einer Verbesserung der Lage abhängig. Laut BPW wurden die Datenlage wie auch die statistische Erhebung über die Jahre präzisiert, was zur Verbesserung beitrug.

Der Equal Pay Day entspricht dem Prozentwert, den Frauen weniger verdienen als Männer. Beim BPW wird dieser Wert von Jahresbeginn weg in Tagen in den Kalender eingetragen und so der Aktionstag bestimmt. Niederösterreichweit wird der Prozentwert in Tagen von Jahresende weg eingetragen.

Doch wo kann von Seiten der Politik angesetzt werden, um die Einkommensschere zwischen den Geschlechtern immer weiter zu verkleinern und irgendwann ganz zu schließen? Die Antworten auf diese Frage sind meist genauso unterschiedlich wie die Gründe für diese Gender Pay Gap.

Mädchen bei der Berufswahl unterstützen

Die Frauen-Landesrätin Christiane Teschl-Hofmeister (ÖVP) sieht einen der Gründe für die großen Einkommensunterschiede in der Berufswahl der Frauen. „Mädchen tendieren noch immer dazu Berufe zu erlernen, die im Vergleich geringer entlohnt sind, wie zum Beispiel Einzelhandelskauffrau, Frisörin oder Bürokauffrau“, erklärt die Landesrätin. Hingegen würden die Burschen viel eher in die Metalltechnik, Elektrotechnik oder Kraftfahrzeugtechnik gehen.

Teschl-Hofmeister möchte auch Mädchen für diese beruflichen Alternativen begeistern. „Sie sollen ihren Berufs- und Ausbildungsweg anhand ihrer Talente und Interessen und nicht anhand von Rollenklischees wählen. Mit einer fundierten Ausbildung eröffnen sich vielfältige und gut bezahlte Berufswege“, meint sie. Initiativen wie Girls‘Day, HTL4girls und den jährlichen TechDatings sollen Mädchen alle Lehrberufe und Studiengänge zugänglich machen. Eine weitere Möglichkeit zur Weiterentwicklungs-Unterstützung für Frauen würde das Mentoring-Programm des Landes bieten. Frauen sollen dadurch vor allem auf Führungspositionen vorbereitet werden.

Pflegeangebot und Kinderbetreuung muss aufholen

Landessprecherin der Neos Niederösterreich Indra Collini sieht vor allem Nachholbedarf bei der Kinderbetreuung und den Pflegeangeboten im Land. „Zwar gibt es lobenswerte Initiativen, um die Einkommensschere zwischen Mann und Frau zu schließen. Allerdings hat sich diese im Jahresvergleich kaum verringert“, stellt Collini fest. „Frauen werden häufig vor die Entscheidung gestellt, ob sie Kinder oder Karriere wollen.

Besonders schlimm ist die Situation für Alleinerziehende, weshalb die Kinderbetreuungsmöglichkeiten endlich den modernen Lebensrealitäten anzupassen sind, um den Frauen die Wahlmöglichkeit zu geben“. Dasselbe gelte auch für Pflegeangebote, denn meist betreffe die Pflege von Angehörigen Frauen, die damit wertvolle Pensionsjahre verlieren würden. Diese Benachteiligung würde für Niederösterreicherinnen die Gefahr der Altersarmut bringen.

Mindestlohn erhöhen und unter Bezahlung bekämpfen

Ähnlich wie Collini, sieht auch die Landesfrauenvorsitzende der SPÖ Niederösterreich Elvira Schmidt, um Frauen zu entlasten, Verbesserung-Potential in der Kinderbetreuung. „Eine kostenfreie, ganztägige und flächendeckende Kinderbetreuung würde diese Problematik mit einem Schlag lösen, man hätte eine erste Baustelle abgearbeitet und könnte sich weiteren Problemfeldern widmen.“, erklärt Landesrätin Schmidt. Generell würde der Druck auf Frauen in der Arbeitswelt immer größer werden, obwohl „die Summe am Gehaltszettel kleiner als die der männlichen Kollegen“ sei.

„Verpflichtende, effektive Einkommensberichte für Unternehmen samt Sanktionen bei einer festgestellten Unterentlohnung von Frauen in Anlehnung an das Lohn- und Sozialdumpingbekämpfungsgesetz wären erste Schritte, um hier gezielt Hebel anzusetzen.“, so Landeshauptfrau Stellvertreter Franz Schnabl. Doch auch ein Mindestlohn von 1.700 Euro steuerfrei und die Bekämpfung der Unterbezahlung in einzelnen Branchen sehe er als wichtige Schritte zur Schließung der Einkommensschere.

In einem Punkt sind sich aber alle Parteien einig: Der Equal Pay Day solle in den nächsten Jahren in den Dezember zurück gedrängt werden, bis er irgendwann vom Kalender gestrichen werden kann.

Österreichweit findet der von der Arbeiterkammer ermittelte Equal Pay Day erst nächsten Montag, dem 21. Oktober, statt. Während das Einkommen der Niederösterreicherinnen um 20,3 niedriger ist als das der Männer, sind es in Österreich 19,7 Prozent die Österreicherinnen weniger verdienen.

Mit 27,2 Prozent ist die Differenz in Vorarlberg am größten, dort wurde der Equal Pay Day schon am 22. September erreicht. Die Wienerinnen verdienen 14,5 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. Der Aktionstag findet in der Bundeshauptstatt erst am 8. November statt. Generell konnten nur leichte Verbesserungen festgestellt werden, denn noch konnte sich die Wienerinnen über drei bezahlte Arbeitstage mehr freuen. In Niederösterreich konnte keine Verbesserung in Tagen gemessen werden. 

Die Einkommensunterschiede der Bezirke im Überblick

Innerhalb Niederösterreichs ist die Gender Pay Gap mit 29, 1 Prozent im Bezirk Mödling am höchsten. Gefolgt vom Bezirk Amstetten (24,7 Prozent) und vom Bezirk Baden (23,3 Prozent) weisen diese drei Bezirke die größten Einkommens-Ungleichheiten zwischen Männern und Frauen auf.

Dem niederösterreichweiten Wert von 20,3 Prozent kommen die Bezirke St. Pölten Land (20,4 Prozent), der Bezirk Melk (20,3 Prozent) und der Bezirk Krems Land (20,0 Prozent) am nächsten. Am wenigsten weit geht die Einkommensschere im Bezirk Waidhofen/Thaya auseinander. Dort verdienen Frauen nur rund 15,7 Prozent weniger als die Männer. Der Bezirk Hollabrunn (16,1 Prozent) und der Bezirk Horn (17,0 Prozent) folgen.

Die genauen Zahlen zu den Bezirken findet ihr hier (Quelle: Arbeiterkammer NÖ):

EqualPayDay2019 - Niederösterreich nach Bezirken.pdf (pdf)