Die Ministerin Patek in der Au. Maria Patek spricht auf dem Boot über Nationalparks, Klimawandel und ihre Zukunft.

Von Daniel Lohninger. Erstellt am 09. Juli 2019 (02:54)

Der Litschauer Manfred Rosenberger war 1984 einer jener Aktivisten, die die Hainburger Au besetzten. Heute führt er als Ranger Natur-Liebhaber mit dem Boot durch den 1996 hier gegründeten Nationalpark Donau-Auen. Prominente Expeditions-Teilnehmerin war jetzt Maria Patek, die neue Bundesministerin für Nachhaltigkeit und Tourismus – die NÖN war als einziges Medium mit dabei.

„Österreich hat eine beeindruckende Vielfalt an Nationalparks. Ich sehe es als Aufgabe des Bundes, diese Vielfalt stärker ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu bringen“, erklärt Patek. Der Nationalpark Donau-Auen habe nicht nur durch das einzigartige Öko-System und die Nähe zur Millionen-Metropole Wien, sondern auch die Entstehungsgeschichte einen Sonderstatus: „Das alles hier gäbe es nicht mehr, wenn das Kraftwerk gebaut worden wäre.“ Stattdessen tummeln sich Biber, Eisvögel, Seeadler und die letzten autochtonen Sumpfschildkröten Mitteleuropas neben und über dem Schlauchboot. Traurig ist allerdings, dass immer wieder Seeadler vergiftet werden – Patek ist dennoch überzeugt, dass „der Nationalpark heute in der gesamten Bevölkerung eine hohe Akzeptanz hat“.

Donau-Auen wichtig für regionales Klima

Etwa 100.000 Besucher kommen pro Jahr. „Tendenz steigend“, betont Nationalpark-Managerin Edith Klauser. Der Nationalpark ist für sie nicht nur zum Schutz von Flora und Fauna da, sondern auch zur Naturvermittlung. „Ich möchte den Menschen möglichst viel von diesen außergewöhnlichen Naturschätzen zeigen und damit auch das Verständnis für Naturschutz fördern.“

Dass Naturschutz auch Schutz von Menschen ist, zeigt sich im Nationalpark an vielen Stellen: Der schrittweise Rückbau von Uferbauten sorgt dafür, dass mehr Wasser in die Donau-Altarme gelangt – und reduziert damit die Hochwassergefahr entlang der Donau. Und die intakte Naturlandschaft wirkt dem Klimawandel zumindest lokal entgegen. Für Patek ist der Klimawandel ein Beispiel dafür, wie sich die Aufgaben in ihrem Ministerium – in dem sie seit 1983 tätig ist – gewandelt haben: „Als ich Gebietsbauleiterin für Wildbach- und Lawinenverbauung in Wiener Neustadt war, bemerkten wir Anfang der 1990er-Jahre eine Zunahme der Hochwasser-Ereignisse im Süden Niederösterreichs. Wir waren bald davon überzeugt, dass das erste ernste Anzeichen des einsetzenden Klimawandels sind.“ Ernstgenommen wurden diese Warnungen damals aber nicht – schon gar nicht von der Lokalpolitik. Heute, fast drei Jahrzehnte später, ist der Klimawandel zur Klimakrise geworden.

Dass Patek, die seit mehr als 30 Jahren in Wiener Neustadt lebt, jetzt von der Experten-Ebene in die Politik wechselte, wirbelte ihr Leben gehörig durcheinander: „Es hat sich von heute auf morgen so ziemlich alles geändert.“ In die neue Rolle habe sie aber schnell hineingefunden: „Ich sehe es als meine Aufgabe, fachlich dort weiterzuarbeiten, wo die vorige Bundesregierung aufgehört hat. Der Budget-Pfad ist definiert. Es ist nicht meine Aufgabe, neue oder kostspielige Akzente zu setzen.“ Das größte noch offene Projekt, die Klima- und Energie-Strategie des Bundes, sei fertig – umgesetzt werden soll sie auch von der nächsten Regierung. Die 60-Jährige wird dann wieder in ihren vorherigen Job zurückkehren – als Leiterin der Sektion „Forstwirtschaft und Nachhaltigkeit“.