Die Pläne des ÖGK-Chefs Bernhard Wurzer. Generaldirektor Bernhard Wurzer erklärt, was die Kassenreform bringt.

Von Daniel Lohninger. Erstellt am 02. Juli 2019 (03:00)
Wilke
Der St. Pöltner Bernhard Wurzer trat am Montagseinen neuen Job an – als Generaldirektor der ÖGK.

Seit Montag ist Bernhard Wurzer (45) einer der mächtigsten Manager im Gesundheitswesen Österreichs. Der St. Pöltner führt als Generaldirektor der neuen Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) mehr als 12.000 Mitarbeiter und ist zuständig für 7,2 Millionen Versicherte.

Im exklusiven NÖN-Gespräch skizziert er, wie aus neun Landeskrankenkassen eine Bundeskasse werden soll und was sich für Versicherte, Vertragspartner und Dienstgeber ändert:

Der Zeitplan. Wirksam wird die Fusion der neun Landeskrankenkassen zur Bundeskrankenkasse mit 1. Jänner 2020. Wurzer und seine Stellvertreter Alexander Hagenauer, Georg Sima und Rainer Thomas nahmen aber bereits mit 1. Juli ihre Arbeit auf, um die Fusion vorzubereiten. Damit gilt bereits das neue Organigramm, die neun unterschiedlichen Satzungen in den Ländern werden erst bis Ende 2020 harmonisiert. Ab dann gelten einheitliche Standards im gesamten Bundesgebiet. „Es wird in allen Bereichen Einschleifregelungen geben“, betont Wurzer. Die Umsetzungsschritte werden derzeit in Projektgruppen erarbeitet – 2.500 Fragestellungen sind in 61 Projekten gebündelt. Von den Landeskassen bereits begonnene Projekte werden auf jeden Fall noch abgeschlossen.

Die neue Struktur. Anstelle von neun Managements in neun Landes-Gebietskrankenkassen gibt es künftig nur mehr ein Management – für die gesamte ÖGK. So weit, so klar. Aber: Heißt das auch, dass künftig alle Entscheidungen in Wien fallen? „Unser Prinzip ist bundesweit planen, regional handeln“, zerstreut Wurzer die Sorgen, dass die ÖGK zum zentralistischen Moloch werden könnte. Konkret heißt das, dass die Leiter der Fachbereiche wie Finanzen und Meldewesen großteils in den Bundesländern sitzen werden – und beispielsweise von St. Pölten aus ein oder mehrere Fachbereiche für ganz Österreich geführt werden.

Das wird neu für Vertragspartner. Die ÖGK übernimmt alle Verträge der Landeskrankenkassen mit Ärzten, Rettungsorganisationen und Gesundheitseinrichtungen. Damit ändert sich vorerst für Vertragspartner nichts. Künftige Verträge werden von der ÖGK abgeschlossen, aber regional verhandelt. Groß wird diese Hürde vor allem bei den Krankentransporten: Die sind nämlich per Gesetz Ländersache.

Das ändert sich für Versicherte. Das Ziel der Kassenreform ist, dass die Patienten überall in Österreich für gleiche Beiträge die gleichen Leistungen erhalten. Diese Leistungen sollen bis Ende 2020 harmonisiert werden. Der Teufel steckt im Detail. Ein Beispiel: Jeder Versicherter hat in Österreich einmal pro Jahr Anspruch auf eine Orthopädische Schuheinlage auf Kassenkosten – vorausgesetzt, der Arzt verschreibt sie. Allerdings: Wie dieses Jahr definiert ist, ist von Bundesland zu Bundesland verschieden. In manchen Ländern gilt das Kalenderjahr, in anderen wird das Jahr ab Kauf der Einlage gerechnet, in anderen ab Verschreibung. Auch die Leistungshöhe divergiert von Bundesland zu Bundesland. Größte Gefahr hier: Die Leistungen könnten generell nach unten nivelliert werden, um Kosten zu sparen. Wurzer verspricht aber, dass das nicht passieren wird.

Das ändert sich für Dienstgeber. Für Dienstgeber, die Standorte in mehreren Bundesländern haben, bringt der 1. Jänner 2020 eine erhebliche Vereinfachung. Sie müssen ihre Mitarbeiter nicht mehr in verschiedenen Gebietskrankenkassen melden, sondern nur mehr bei der ÖGK. Damit haben sie auch nur einen Ansprechpartner. Zugleich profitieren sie von der bundesweiten Durchrechnung der Dienstgeberbeiträge. Das heißt: Hat ein Betrieb in NÖ derzeit einen Beitragsrückstand und im Burgenland einen Beitragsüberschuss, zahlt er in NÖ dennoch Verzugszinsen. In Zukunft wird der Rückstand mit dem Überschuss gegengerechnet – die Verzugszinsen entfallen.