Niederösterreich

Erstellt am 22. Januar 2019, 03:00

von Melanie Baumgartner und Christine Haiderer

Versorgt durch Hausärzte. Primärversorgungseinheiten, wie in St. Pölten, erweitern das hausärztliche Angebot.

In St. Pölten eröffnete das zweite Primärversorgungszentrum in NÖ nach Böheimkirchen. Bis 2021 sollen es insgesamt 14 in NÖ sein.  |  Haiderer

Mitten zwischen den Stadtteilen Harland und Stattersdorf wurde in St. Pölten das zweite Primärversorgungszentrum in NÖ eröffnet. „Beide Stadtteile wachsen“, so Bürgermeister Matthias Stadler. „Einen besseren Platz für ein Zentrum kann man nicht finden.“

Drei Allgemeinmediziner sowie 22 weitere Gesundheitsberufe, darunter auch – und das gibt es neu in Primärversorgungszentren – Case und Care Manager (Sozialarbeiter mit Schwerpunkt Pflege), sind hier für die Patienten da. Zu erweiterten Öffnungszeiten. Wie es für Primärversorgungseinheiten üblich ist.

Neben Patienten, die hier ihre Hausärzte haben, werden auch Akutfälle behandelt. In Situationen, in denen ein Arzt gebraucht wird, nicht aber eine Ambulanz. „Das Universitätsklinikum ist nicht für alles zuständig“, betont der Allgemeinmediziner Rafael Pichler. Geht es hingegen um nicht akute Gesundheitsfragen, werden Patienten an ihren eigenen Hausarzt verwiesen. Laut Gebietskrankenkasse kann übrigens der Hausarzt nur quartalsweise gewechselt werden – außer im Notfall.

"Es braucht neue Modelle"

„Der niedergelassene Bereich wird durch die Gesundheitszentren gestärkt, die Kliniken werden entlastet“, glaubt NÖGUS-Vorsitzender VP-Landesrat Martin Eichtinger. Drei weitere Einheiten sollen in NÖ heuer noch entstehen. Eine in unmittelbarer Nähe eines Spitals und eine in Form eines Netzwerkes, so NÖGKK-Generaldirektor Jan Pazourek, also ein erweitertes Team, aber ohne gemeinsames Gebäude.

„Es braucht neue Modelle und die Primärversorgungszentren sind ein solches“, so SP-Landesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig, die zudem darauf hinweist, dass die medizinische Versorgung prinzipiell gut und die Ärztedichte hoch sei, aber dass es dort und da Engpässe gebe. Dazu hat Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner vor etwa einem Jahr die Landarzt-Garantie gestartet. Kassenstellen, die mehr als zwölf Monate unbesetzt sind, sollen durch Ärzte aus Landeskliniken betreut werden.

„An sich ein guter Ansatz“, meint Christian Schwarz, Arzt in Oberndorf an der Melk, „doch die Umsetzung ist dürftig.“ Bisher gebe es nur einen Fall, in Gresten, bei dem die Landarztgarantie zum Einsatz komme. Es bestehe immer noch das Problem, Nacht- und Wochenenddienste zu besetzen. Und: An manchen Tagen sei die Ordination gar nicht besetzt. „Das Problem ist, dass die ÖVP diese Missstände ignoriert und wegsieht“, kritisiert NEOS-Gesundheitssprecherin Edith Kollermann. Dem entgegnet VPNÖ-Gesundheitssprecher Franz Dinhobl, dass derzeit auch Gespräche in Aspangberg – St. Peter, Groß-Siegharts, Laa an der Thaya, Litschau und Großdietmanns laufen würden. „Ich bin der Meinung, dass alle Player an einen Tisch gehören“, sagt SP-Landesrätin Königsberger-Ludwig und pocht auf einen runden Tisch, wie er in der Parteienvereinbarung zwischen ÖVP und SPÖ fixiert ist.