Großschönau vertritt NÖ beim "EU-Dorferneuerungspreis". Die Waldviertler Marktgemeinde Großschönau (Bezirk Gmünd), bekannt für Österreichs Pionier-Umweltmesse, die BIOEM, und den Kinderwissenspark "Sonnenwelt", geht für das Bundesland Niederösterreich beim Europäischen Dorferneuerungspreis 2020 ins Rennen.

Von Norbert Oberndorfer. Erstellt am 14. September 2021 (15:08)

„Die NÖ Dorferneuerung und das Land Niederösterreich sind seit vielen Jahren aufs Engste miteinander verbunden. Eine Erfolgsgeschichte, in der seit vielen Jahren viele Erfolgskapitel geschrieben werden“, sagte Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) bei der Präsentation des "NÖ-Spitzenkandidaten" für den EU-Wettbewerb, Als Sieger der Kategorie „Ganzheitlichkeit“ sei Großschönau ein Aushängeschild in Sachen Dorferneuerung und ein würdiger Vertreter beim europäischen Wettbewerb. Dabei rittern 26 Teilnehmende unter dem Motto „Lokale Antworten auf globale Herausforderungen“ um den Titel.

Auch in der neuen Landesstrategie 2030 werde der Entwicklung der Städte und Dörfer ein großes Gewicht beigemessen, sagt Mikl-Leitner. Dazu zählen Themen wie regionale Beschäftigungsinitativen, Infrastruktur-Ausbau von Straße und Schiene, der Ausbau der Kinderbetreuung oder auch die Dezentralisierung von Arbeitsplätzen in einzelne Regionen. "Ländliche Orte sollen keine Ort zum Wegziehen sein, sondern Orte zum Leben, wo sich die Bürger wohl und zuhause fühlen", sagt Mikl-Leitner. Die Pandemie habe die Idee zur Dorferneuerung neu entfacht. Denn die Krise habe gezeigt, dass die Menschen großes Interesse am Leben im ländlichen Raum haben. Seit den 80er Jahren stehe in Großschönau die Bürgerbeteiligung im Mittelpunkt. Innovation und Visionen werden vorangetrieben. "Diese Gemeinde gibt ihr Wissen anderen weiter, nimmt aber auch Wissen und Erfahrungen anderer Gemeinden auf", sagt Mikl-Leitner.

Pröll: "Nicht mehr Stadtluft macht frei, sondern Landluft."

Gerade in den letzten eineinhalb Jahren finden Menschen wieder mehr Gefallen am ländlichen Raum, sagte Landeshauptmann a. D. Erwin Pröll in seiner Funktion als Vorsitzender der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung. Die Dorferneuerung und die Entwicklung des ländlichen Raumes seien für Pröll seit 50 Jahren eine Herzensangelegenheit. "Eine lebenswerte Stadt braucht auch ein funktionstüchtiges Land und Dorf", ist Pröll überzeugt. In der Vergangenheit sei "der Kampf um den ländlichen Raum" sehr mühsam und beschwerlich gewesen. Städte wurden als bunt und weltoffen wahrgenommen und hatten eine unglaubliche Sogwirkung. Dörfer hingegen und der ländliche Raum hatten den Ruf perspektivenlos, rückständig und begrenzt zu sein, was die Entwicklung des Einzelnen anbelangt.

Die Corona-Pandemie brachte hier die Zäsur. "Nicht mehr 'Stadtluft macht frei, sondern 'Landluft macht frei' und ist zur neuen Parole geworden", sagt Pröll. Das spiegle sich auch in der Abnahme der Bevölkerung in Städten und im gleichzeitigen Zuzug in Speckgürteln wider. "In Zeiten der Unsicherheit sucht der Mensch das Vertraute und die Überschaubarkeit", so Pröll.

Keine Dorferneuerung ohne Bürger und Ehrenamt

Für Pröll haben Dörfer "tatsächlich Zukunft". Bei der Dorferneuerung und Landentwicklung spiele aber das Ehrenamt eine sehr wichtige Rolle. "Menschen müssen auch bereit sein, Verantwortung zu übernehmen, auch als Hilfe zur Selbsthilfe." Wenn 500.000 Vereinsmitglieder ihre Arbeit niedergelegt haben - wie der "Kurier" kürzlich berichtete - und laut Studien 20 Prozent der unter 30 Jährigen nicht mehr bereit seien, ein Ehrenamt zu übernehmen, dann sei das ein Alarmsignal für das Ehrenamt, warnt Pröll.

Adi Kastner war "Sämann" für das Waldviertel

Großschönaus Bürgermeister Martin Bruckner erfülle die Wettbewerbsteilnahme seiner Gemeinde mit „Freude, Stolz und Dankbarkeit". Es sei eine Momentaufnahme und die Basis für eine gute Zukunft. "Wir werden weiterarbeiten für die Zukunft des ländlichen Raumes", sagt Bruckner. 

Bruckner streute dem 2011 verstorbenen Regionalmanager des Landes Adolf Kastner, der ihm sagte, dass "viele Schwache sind gemeinsam auch ein Starker". Der als "Mr. Waldviertel" bekannte Kastner habe in die Zukunft des ländlichen Raums geglaubt und seine Samenkörner im gesamten Waldviertel ausgelegt, sagt Bruckner. Es ginge ihm darum, Menschen zu motivieren, Eigeninitiative über Partei- und Denkgrenzen hinweg zu ergreifen und zu fördern.

Glasfaser-Leitungen in Großschönau bereits 2003

Trotz seiner Randlage zwischen den Bezirken Zwettl und Gmünd habe Großschönau als Dorf an Hauptwohnsitzen seit den 80er Jahren von 250 auf 500 Einwohnern zulegt. "Es geht uns darum urbane Angebote mit der Lebensqualität des ländlichen Raums zu verbinden", sagt Bruckner und nennt dabei die Schaffung einer Tagesbetreuungsstätte, Kulturwerkstatt oder auch die frühe Errichtung von Glasfaser-Breitbandinternet im Jahr 2003 auf Gemeindeeigeninitiative hin. "Wir wurden damals noch sehr milde dafür belächelt und haben uns nicht vom Weg abbringen lassen", sagt Bruckner.

Ressourcenschutz, Bodenverbrauch, Biodiversität und Energie-Fragen stehen bei der Landerneuerung und Dorfentwicklung in Großschönau im Fokus. Beispiele dafür sind die bereits 1986 initiierte Umweltmesse BIOEM, die ohne die 300 freiwilligen, mitarbeitenden Bürgerinnen und Bürger nicht stattfinden könnte, das Kompetenz- und Forschungszentrums „Sonnenplatz“, der Energiepark Waldviertel 2030, das Projekt "Wohnen im Waldviertel" oder auch die Entwicklung einer Modellregion rund um den Klimawandel.  "Es geht nicht nur darum, dass wir uns wohl fühlen, sondern dass wir auch eine gute Basis haben für die Menschen in der Zukunft", ist Bruckner überzeugt.

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