Sachkunde, Obergrenze und Co.: Was sich für Hundehalter ändert

Erstellt am 28. Juni 2022 | 14:50
Lesezeit: 4 Min
Symbolbild Labrador Hund Futternapf
Richtiges Futter, artgerechte Haltung, Umgang mit Stresssituationen: Um genau über die Bedürfnisse von ihren tierischen Mitbewohnern Bescheid zu wissen, müssen Hundehalter ab 2023 verpflichtende Theorie-Stunden absolvieren.
Foto: Jaromir Chalabala / shutterstock.com
Ab 2023 müssen alle Hundehalter verpflichtende Theorie-Stunden absolvieren. In welchen Fällen das auch für geübte Herrchen und Frauchen gilt, wo die Kurse angeboten werden und warum es künftig eine Versicherung für den Vierbeiner braucht:

Nächste Woche wird im Landtag eine Novelle des Hundehaltegesetzes beschlossen. Wie die NÖN bereits berichtete, bringt die für Herrchen und Frauchen einige Änderungen: Für Besitzer jedes Hundes wird das Absolvieren von Theoriestunden über Hunde-Sachkunde verpflichtend, ebenso werden eine Versicherung für die Vierbeiner Pflicht und eine Obergrenze in der Hundehaltung eingeführt. 

Gelten sollen die neuen Regelungen ab 1. Juni 2023. Tierschutz-Landesrat Gottfried Waldhäusl (FPÖ) will damit für mehr Sicherheit im Zusammenleben von Mensch und Tier sorgen und Animal-Hoarding-Fälle verhindern. In den nächsten Monaten werden die Details der neuen Regelungen erarbeitet. Fixiert werden sie in einer Verordnung, die laut Waldhäusl "einige Monate" vor dem Inkrafttreten des Gesetzes fertig sein wird. Was jetzt schon feststeht, hat die NÖN hier zusammengefasst:

  • Wer muss die Sachkunde absolvieren?

Jeder und jede, der oder die sich einen neuen Hund anschafft. Die allgemeine Sachkunde soll drei Stunden umfassen - zwei Stunden Information über Hundehaltung, Stress bei Hunden oder die Mensch-Tier-Beziehung bei einem Experten und eine Stunde bei einem Tierarzt. Am Ende ist ein  Prüfungsgespräch vorgesehen. Laut dem Vorsitzenden des Österreichischen Kynologenverband (ÖKV), Michael Kreiner, sollen aber die Information und das Bewusstmachen der Verantwortung bei der Sachkunde im Vordergrund stehen. 

  • Wird weiterhin zwischen "Listen"- und anderen Hunden unterschieden?

Ja. Für auffällige oder "Listen-Hunde" gibt es eine erweiterte Sachkunde. Die umfasst wie bisher zehn Stunden Theorie und Praxis.

  • Wann muss man die Sachkunde absolvieren?

Im Idealfall, laut Waldhäusl, vor der Anschaffung des Tieres. Spätestens aber sechs Monate, nachdem der Hund bei einem eingezogen ist.  

  • Müssen auch Menschen, die bereits einen Hund haben, die Sachkunde absolvieren?

Jein. Alle, die jetzt bereits einen Hund besitzen, müssen die Sachkunde nicht nachholen. Wenn sie sich einen neuen Hund anschaffen, müssen sie diese aber wie neue Hundehalter absolvieren.

  • Wo kann man die Sachkunde ablegen und wie läuft das ab?

Die größte Anlaufstelle ist, laut Waldhäusl, der ÖKV. Außerdem werde jede Organisation, die jetzt schon berechtigt war, die erweiterte Sachkunde für Halter auffälliger Hunde durchzuführen, auch die abgespeckte Version anbieten dürfen. Das sind in Niederösterreich etwa die Hundesportunion oder der Österreichische Jagdhundegebrauchsverbandes. Erfolgen kann das Lernen über Hunde und ihre Bedürfnisse in Einzelgesprächen oder Gruppenkursen.

  • Wer trägt die Kosten für die Sachkunde?

Die Hundehalter. Die Höhe der Kosten wird, laut Waldhäusl, im Zuge der Erarbeitung der Verordnung überlegt. 

  • Wie viele Hunde darf man künftig in einem Haushalt halten?

Mit der Novelle des Hundehaltegesetzes wird auch eine neue Obergrenze in der Hundehaltung eingeführt. Pro Haushalt dürfen dann nur noch fünf Hunde gehalten werden. Landesrat Waldhäusl kündigte aber Ausnahmen an - etwa für Wachhunde, Schlittenhunde, Jagdhunde oder Züchter. Auch als Übergangslösung, wenn beispielsweise ein Angehöriger verstirbt und man  dessen Hund aufnehmen muss, wird man die Grenze überschreiten dürfen. Im Detail werden die Ausnahmen aber erst in der Verordnung geregelt sein. 

  • Angenommen, ich besitze bereits sechs Hunde. Muss ich einen davon nächstes Jahr ins Tierheim bringen?

Nein. Waldhäusl kündigte an, dass Menschen, die bereits mehr als fünf Hunde haben, auch mit Inkrafttreten der Obergrenze alle weiterhin halten dürfen. Wenn Hunde versterben, dürfen sie sich aber keine neuen mehr nehmen - sofern damit die Höchstgrenze von fünf Vierbeinern pro Haushalt überschritten wird.

  • Welche Versicherung braucht man ab 2023?

Ab Juni 2023 braucht es eine Hundeversicherung für alle Hunde. Die Mindestversicherungssumme beträgt 725.000 Euro für Personen- und Sachschäden.  „Im Fall der Fälle ist es wichtig, dass eine Schadensabdeckung vorhanden ist. Das ist für alle Beteiligten eine Erleichterung“, meint Waldhäusl.

  • Wer kontrolliert das alles?

"Die Kontrolle obliegt den Gemeinden", sagt Waldhäusl. Dort mussten schon bisher alle Hunde gemeldet werden - wenngleich man beim ÖKV davon ausgeht, dass das nur bei etwa der Hälfte der Vierbeiner passiert. Im NÖ Hundepass wird ab nächstem Jahr festgehalten, ob die Sachkunde absolviert wurde. Auch die Versicherungsbestätigung ist bei der Gemeinde vorzulegen.