Christiane Teschl: "Schließe ÖVP-Beitritt nicht aus“. Die parteifreie Landesrätin Christiane Teschl (44) über den Abschied vom ORF, ihre neue Rolle und mehr Kinderbetreuungsplätze.

Von Walter Fahrnberger. Erstellt am 10. April 2018 (01:58)
Erich Marschik
Christiane Teschl

Vor einigen Wochen wurden Sie von Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner angerufen, mit dem Angebot, in die Landesregierung zu wechseln. Kann man sagen, dass sich an dem Tag Ihr Leben entscheidend verändert hat?

Christiane Teschl: Ja, also mehr gibt es da fast nicht zu sagen, außer ja. Ich habe schon öfters gesagt, dass das völlig überraschend für mich gekommen ist. Aber der Moment war genau der richtige, weil ich mir gedacht habe, wenn die Landeshauptfrau, in der Position, in der sie jetzt ist, nach dem Wahlerfolg mich anruft, dann muss sie von meinen Qualitäten überzeugt sein. Ich habe wirklich nicht lange darüber nachdenken müssen. Es war so verlockend.

Als langjährige ORF-Journalistin wechseln Sie jetzt quasi die Seite.

Teschl: Ich finde es lustig, weil mich das natürlich viele fragen, wie das ist, auf die andere Seite zu wechseln. Ich finde es ehrlich gesagt von der Tätigkeit her gar nicht so viel anders. Die Aufgaben haben wahnsinnig viel Ähnlichkeiten. Es ist ein Gebiet, das ich von früher kenne: Es geht darum, viel mit Leuten zu reden, auch aufzutreten – sozusagen moderieren und ein Gesicht nach außen für ein Thema darstellen. Und man muss sich schnell in Sachen einarbeiten. Das sind alles Dinge, die ich im Journalismus gelernt habe und die ich jetzt sehr gut einbringen kann. Da gibt es sehr viele Parallelen. Ich muss mein Leben nicht völlig umdenken.

Für Sie war das ja auch quasi eine Lebensentscheidung, denn nach der Polit-Laufbahn in den Journalismus zurückzukehren ist wohl unmöglich.

Teschl: Wer sagt, dass ich das möchte? Das muss ja auch nicht sein. Wir haben immer wieder darüber berichtet, dass man in der Arbeitswelt flexibler sein muss und dass man sich nicht von der Geburt bis zur Bahre auf denselben Beruf festlegen kann. Jetzt habe ich das 20 Jahre gemacht und ich habe es geliebt. Ich finde es total super, Journalistin gewesen zu sein. Aber auch ich muss selber noch ein bisschen stottern, wenn ich meinen Wikipedia-Eintrag lese, wo „Politikerin und ehemalige Journalistin“ steht. Da tue ich mir selber noch etwas schwer.

Ist der Abschied vom ORF schon zur Gänze vollzogen?

Teschl: Ja, das musste sauber sein. Vielleicht wäre auch eine Karenzierung möglich gewesen, aber das wollte ich nie. Nur so halb geht nicht.

Warum war es für Sie so wichtig, als parteifreie Landesrätin auf einem ÖVP-Ticket zu agieren?

Teschl: Das war für mich sehr wichtig, weil ich einfach meine ganze Vergangenheit andernfalls infrage stellen würde. Als unabhängige Journalistin schaut es nicht glaubwürdig aus, wenn man mit „wehenden Fahnen“ in eine Partei wechselt. Werte kann ich aber auch ohne Parteibuch teilen. Ich schließe es aber in Zukunft nicht aus, der ÖVP beizutreten.

Sie haben in der Vorwoche mit der ÖVP Ihre erste Regierungsklausur hinter sich gebracht. Sind Sie im Team angekommen?

Teschl: Ja, schon. Es ist eine Erleichterung für mich, dass Martin Eichtinger auch neu ist. Somit können wir uns jetzt aneinander festhalten. Aber nachdem ich fast alle handelnden Personen bis auf Ludwig Schleritzko lange Jahre kenne, habe ich mich dort nicht fremd gefühlt.

Einer der Schwerpunkte in Ihrem Ressort neben Bildung ist der Bereich Familie. Bis 2020 sind nun 100 neue Kleinkindergruppen geplant. Welche Gemeinden kommen da zum Zug?

Teschl: Es gibt Gemeinden, die schon Kleinkindergruppen haben und weitere einrichten wollen. Es sind aber auch andere dabei. 42 sind bereits im Verfahren zur Bewilligung. Da werden einige weiße Flecken befüllt. Dafür nehmen wir zwölf Millionen Euro in die Hand. Insgesamt umfasst das blau-gelbe Familienpaket ein Volumen von 65 Millionen Euro.

Kritik von der Opposition kommt oft wegen der hohen Anzahl an Schließtagen in den Kindergärten. Gibt es da Fortschritte?

Teschl: Wie wir bei der Regierungsklausur besprochen haben, soll es eine intensive Abstimmung unter den Einrichtungen geben. Das gehört noch einmal in Erinnerung gerufen, intensiviert und noch besser untereinander abgesprochen. Damit wollen wir die Möglichkeit bieten, dass man ganzjährig seine Kinder gut betreut unterbringen kann. Dazu müssen wir mit den Gemeinden intensiv reden. Die Bundesregierung plant die Einführung eines Kopftuchverbotes in Kindergärten. Wie ist Ihre Position dazu – ist das Kopftuch in NÖ Kindergärten echt Thema?

Teschl: Es stimmt schon, das allein wird das Thema Integration nicht lösen. Aber es ist symbolisch und im Sinne der Kinder wichtig, darüber zu reden. Wir schauen uns einmal den konkreten Vorschlag des Bundes an.

Gibt es schon Signale, wie viel Geld der Bund nach der Abschaffung des Pflegeregresses den Ländern zuschießen wird?

Teschl: Man sieht noch nichts, weil wir noch evaluieren. Ich glaube aber, dass der Bund mittlerweile weiß, dass er nachschärfen muss. Realistisch gesehen entstehen dem Land NÖ heuer Mehrkosten von rund 55 Mio. Euro, ohne Einberechnung der Kosten für etwaige zusätzlich notwendige Heimplätze. Der Bund hat die Situation verursacht und muss sich eine Lösung überlegen, damit nicht die Länder auf der Strecke bleiben.

Wie bereiten Sie sich auf Ihre neuen umfangreichen Aufgaben als Landesrätin vor? Ist das ähnlich wie beim Studium?

Teschl: Es ist ähnlich wie studieren. Insofern bin ich froh, dass ich das in den letzten eineinhalb Jahren wieder trainiert habe, weil ich „New Media Journalism“ studiert habe. Das Gute ist aber auch, dass es immer Fachreferenten und Experten gibt, die man fragen kann. Die Lektüre auf meinem Nachtkästchen sind aber jetzt schon riesige Ordner von meinem Bürochef.

Steigt mit dieser Erfahrung Ihr Respekt gegenüber Politikern?

Teschl: Ich habe immer Respekt, vor allem und jedem. Aber ja, es stimmt. Ich habe gewusst, dass Politiker viel zu tun haben. Es ist aber auch ein irrsinniges Privileg, im Spitzenteam um die Landeshauptfrau dabei sein zu können. Das genieße ich.