Hofer: „Vom Ibiza-Video über Kurz erfahren“. FPÖ-Chef Norbert Hofer über die Causa prima, die Wahl, NÖ-Spitzenkandidat Herbert Kickl und Landesrat Gottfried Waldhäusl.

Von Daniel Lohninger und Walter Fahrnberger. Erstellt am 25. Juni 2019 (02:49)
Erich Marschik
Die beiden NÖN-Chefredakteure Daniel Lohninger (l.) und Walter Fahrnberger (r.) beim Interview mit FPÖ-Chef Norbert Hofer im Hotel Steinberger in Altlengbach, wo die FPÖ die Sitzung der Bundesparteileitung abgehalten hat.

NÖN: Vor einem Monat waren Sie noch Minister und Heinz-Christian Strache war noch FPÖ-Parteichef. Jetzt sind Sie Parteichef, aber nicht mehr Minister. Wie beurteilen Sie, was sich in den vergangenen vier Wochen abgespielt hat?

Norbert Hofer: Ich habe in meinem Leben ja schon einige schwierige Situationen erlebt. Im privaten Bereich mit meinem Unfall, im politischen Bereich alle Hochs und Tiefs der FPÖ und den Bundespräsidentenwahlkampf. Mein Einsatz kommt offenbar immer, wenn es heißt, Kastanien aus dem Feuer holen. Das Infrastruktur-Ministerium habe ich sehr, sehr gerne geführt. Die großen Brocken wären jetzt gekommen: die Nahverkehrsmilliarde, das autonome Fliegen, die geplante Senkung des Preises für die Autobahn-Jahresvignette. Es tut mir deshalb irrsinnig leid, dass sich die Dinge so entwickelt haben.

Wie groß ist Ihrer Meinung nach der Schaden, den Strache und Gudenus für die Republik angerichtet haben?

Hofer: Natürlich ist der Schaden groß, das ist gar keine Frage. Aber wichtig ist, dass man, wenn so etwas passiert, die richtigen Entscheidungen trifft. Wir haben dann sehr schnell die Weichen gestellt. Zuerst der Versuch, die Regierung weiterzuführen. Das war eigentlich auch die Zusage, wenn Strache zurücktritt. Es kam dann die weitere Forderung, dass auch das Innenministerium abgegeben werden muss, und dem konnten wir nicht nachkommen.

Die Zusage hat es also definitiv gegeben?

Hofer: Im Gespräch mit Strache – ja. Sebastian Kurz hat mich dann später angerufen und gesagt, dass auch Kickl gehen müsse und gar kein Freiheitlicher im Innenministerium sein dürfe. Wir haben am Samstag noch lange diskutiert. Dann hat sich herauskristallisiert, dass es so nicht geht. Wobei: Wir halten Wort. Alle Projekte, die wir gemeinsam besprochen hatten, werden umgesetzt – wenn sie im Parlament handwerklich umsetzbar sind. Beispielsweise die Erhöhung der Mindestpension und die Nahverkehrs-Milliarde.

Erich Marschik

Wissen Sie eigentlich, warum sich Strache bei der Pressekonferenz bei seiner Frau entschuldigt hat? In den bislang offiziell bekannten Video-Passagen gibt es dafür nicht unbedingt einen Grund.

Hofer: Ich nehme an, aufgrund seines Verhaltens dort hat er sich bei seiner Frau entschuldigt. Auch ich habe erst an diesem Freitag in der Früh von Sebastian Kurz erfahren, dass es dieses Video gibt – nicht von Heinz-Christian Strache. Ich habe ihn dann darauf angesprochen und er hat gesagt, dass ihm dieses Video so peinlich ist.

Wie groß ist jetzt die Erleichterung, dass Strache das EU-Mandat nicht angenommen hat?

Hofer: In Wirklichkeit hätte er auch das EU-Mandat annehmen können, das ist eine höchstpersönliche Entscheidung. Für die Partei wäre das nicht super gewesen, aber auch das hätten wir in den Griff bekommen.

Wie werden Sie den Nationalratswahlkampf anlegen?

Hofer: Ich bin immer gut damit gefahren, mich nicht irgendwie zu verstellen. Das heißt, ich werde mich nicht verändern, ich lasse mich auch nicht coachen.

Viele Experten behaupten das Gegenteil, dass Sie sogar sehr gut gecoacht und NLP-geschult sind.

Hofer: Nein, wie gesagt – vom Coaching halte ich nichts. Ich habe mich zum Beispiel beim Präsidentschaftswahlkampf auf die Fernseh-Diskussion so vorbereitet, dass ich mir vorher einen halben Tag freigenommen und mich einfach aufs Mountainbike gesetzt habe. Dann bin ich im Kopf durchgegangen, wie die Diskussion laufen könnte.

Niederösterreich hat die meisten Wahlberechtigten. Auf welche Themen wird die FPÖ hier im Nationalratswahlkampf setzen?

Hofer: Wir haben mit Herbert Kickl einen starken und bekannten Spitzenkandidaten. Inhaltlich ist die große Überschrift als Kontrapunkt zur Globalisierung die Nachhaltigkeit. Nachhaltigkeit in allen Bereichen des politischen Gesamtkomplexes, im Bereich der Umweltpolitik, der Zuwanderung, in der Energiepolitik, im Sozialbereich.

Herbert Kickl hat angedeutet, er könnte sich wieder eine türkis-blaue Regierung vorstellen. Sie auch?

Hofer: Ich halte das durchaus für möglich, aber so etwas macht man nicht um jeden Preis. Es gibt gewisse inhaltliche Punkte, die man definiert. Es ist nicht ausgeschlossen. Aber es wäre viel Arbeit zu leisten, um ein gewisses Vertrauen wieder herzustellen. Unser Ziel für die Wahl sind mehr als 20 Prozent, damit sich eine Koalition von ÖVP und NEOS nicht ausgeht.

Wie beurteilen Sie die Performance von FPÖ-Landesrat Gottfried Waldhäusl? Er hat ja in den letzten Monaten auch für manche Aufregung gesorgt – Stichwort Stacheldraht um das Asylquartier Drasenhofen.

Hofer: Er ist halt kein Faserschmeichler. Aber er ist schon einer, dem das Land ein echtes Anliegen ist. Dass er dabei oft ein wenig grob ist, das weiß man. Aber wenn man es weiß, kann man auch damit umgehen.