Landesrätin Bohuslav: „Die richtige Zeit zu gehen“. Die scheidende Wirtschaftslandesrätin Petra Bohuslav über ihre Polit-Ära, die Entwicklung des Landes und ihren Nachfolger.

Von Walter Fahrnberger und Daniel Lohninger. Erstellt am 18. Februar 2020 (01:27)
Petra Bohuslav (ÖVP) verlässt nach 15 Jahren die Landespolitik.
Haiderer

NÖN: Nach mehr als 15 Jahren als ÖVP-Landesrätin in Niederösterreich nehmen Sie in einer Woche Abschied von der Politik. Wie hat sich das Land in dieser Phase wirtschaftlich entwickelt?

Petra Bohuslav: Niederösterreich war früher vor allem Agrar- und Industrieland. Mittlerweile sind wir auch zum Technologie- und Wissenschaftsland geworden. Das war wesentlich, weil das zusätzliche Arbeitsplätze und mehr Internationalität bedeutet hat. Eine Erfolgsgeschichte dabei sind die Technopole, wo Forschung, Wirtschaft und Ausbildung zusammenarbeiten.

Wie sieht diese wirtschaftliche Entwicklung des Landes in Zahlen aus?

Bohuslav: Der Warenexport hat sich zum Beispiel von 12,2 Milliarden Euro im Jahr 2003 auf über 23 Milliarden im Jahr 2018 um 90 Prozent erhöht. Auch die Unternehmensstandorte in Niederösterreich sind in diesem Zeitraum von 72.000 auf über 116.000 angestiegen. Das regionale Bruttoinlandsprodukt ist parallel dazu auf 60 Milliarden angewachsen. Das ist ein Plus von 68 Prozent.

In welchem Ausmaß ist die natürliche Entwicklung und inwiefern haben Sie und die Politik dazu unterstützend mitgewirkt?

Bohuslav: Mir war es immer wichtig, im direkten Dialog mit den Unternehmern zu sein, denn vom Schreibtisch aus macht man keine Förderrichtlinien oder Strategien. Wesentlich waren zudem einige Schwerpunkte, die wir gesetzt haben. Zu den bestehenden Exportländern wie Deutschland und die osteuropäischen Regionen haben wir auch neue Länder für die Unternehmen aufbereitet. So sind die Exportzahlen weiter gestiegen. Und wenn man rechnet, dass eine Milliarde Export 11.000 Arbeitsplätze bei uns im Land sind, dann weiß man, wie wichtig der Export ist.

Auch im Ressort Tourismus ist mit der Überschreitung der Marke von über sieben Millionen Nächtigungen ein enormer Anstieg geglückt. Was waren die Erfolgsfaktoren dafür?

Bohuslav: Wesentlich war, das wir uns auf die Stärken Niederösterreichs konzentriert haben. Diese sind Wein, Kultur und Kulinarik, angereichert mit dem Fahrrad-Tourismus im Urlaubsbereich. Ebenfalls wichtig war der starke Gesundheitstourismus, den wir auch stetig weiterentwickelt haben. Parallel dazu ist auch der Wirtschaftstourismus gewachsen. Jeder der drei Bereiche steuert rund ein Drittel zum Gesamten bei. Darüber hinaus war wichtig, dass wir die Bergbahnen Beteiligungs-Gesellschaft gegründet haben und die Berggebiete wirklich neu entwickelt und aufgesetzt haben. Dadurch haben wir die JUFA Hotels am Annaberg oder aufs Hochkar gebracht. Das läuft nicht nur jetzt im Winter sehr gut, wir haben auch geschaut, dass dies ein Ganzjahrestourismus wird. Dafür haben wir am Hochkar den Skywalk oder die Zipline in Annaberg.

Im Sportressort fällt der Bau des neuen St. Pöltner Fußball-Stadions in Ihre Ära. Gibt es auch schon Ideen für das marode Tennisstadion in der Landeshauptstadt?

Bohuslav: Wir haben mehrere Varianten überlegt, aber zur Zeit gibt es nichts Seriöses, das nachhaltig finanzierbar wäre. Beim Fußballstadion hatten wir ein Zeitfenster, um das möglichst budgetschonend für das Land umzusetzen, weil es eine Kostenaufteilung von jeweils einem Drittel zwischen Bund, Land und Stadt gegeben hat.
Sie sind aktuell noch das längst dienende Mitglied der Landesregierung. Wie hat sich die Politik in den 15 Jahren verändert?
Bohuslav: Vor allem durch Social Media ist die Politik aggressiver geworden. Über diese Kanäle kann man ohne Wertschätzung und ohne Respekt anonym alles sagen. So positiv die Neuen Medien auch sein mögen, aber ich glaube, jeder muss sehr genau schauen, wie er sie verwendet. Ich habe zum Beispiel keinen privaten Facebook-Account. Jedenfalls hat sich das Image der Politiker durch Social Media nicht wirklich verbessert.

Es ist also der richtige Zeitpunkt, um als künftige kaufmännische Leiterin der Wiener Staatsoper das Feld zu wechseln?

Bohuslav: Ja, aber das ist nicht der Grund. Ich habe immer gesagt, ich will selbstbestimmt aus der Politik gehen. Und mit 55 überlegst du dir, wie geht es weiter? Jetzt ist der richtige Zeitpunkt. Und das ist nun auch der richtige Job, der mich interessiert.

Wie sind Sie auf diesen neuen Job bekommen?

Bohuslav: Es war öffentlich ausgeschrieben. Und wenn man offen ist, ist das Umfeld da und sagt, hast du dir das schon angeschaut. Da bin ich dann hängengeblieben.

Ist Jochen Danninger der logische Nachfolger als Landesrat?

Bohuslav: Irgendwie ja. Wenn man mich gefragt hätte, hätte ich ihn vorgeschlagen. Er hat als ehemaliger Finanzstaatssekretär das politische Rüstzeug, als Geschäftsführer der ecoplus kennt er den Wirtschaftsstandort Niederösterreich sehr gut, und er ist sportlich und spielt selbst Tennis.