Stephan Pernkopf : "Würstel um 60 Cent geht nicht“ . Landeshauptfrau-Stellvertreter Stephan Pernkopf (ÖVP) über das Konsumverhalten, E-Autos, Spitals-Pläne und den bösen Wolf.

Von Walter Fahrnberger. Erstellt am 29. Mai 2018 (02:29)
Erich Marschik
Stephan Pernkopf 

In der Vorwoche wurde vermeldet, dass in Niederösterreich mittlerweile 5.000 E-Autos, unterwegs sind. Damit sind wir Spitzenreiter in Österreich auch auf die Bevölkerung. Was sind die Gründe dafür?

Stephan Pernkopf: Wir haben im Vergleich zu anderen Bundesländern einen klaren Plan für die Energiestrategie. Da waren wir schon vor Jahren Vordenker, haben viel gemacht, und das zahlt sich jetzt aus. Bei den Elektroautos wird immer wieder das Problem der kurzen Reichweite angeführt. Demnach müssten in Wien die meisten Elektroautos fahren.

Aber das vor zwei Jahren ausgegebene Ziel von 50.000 Elektroautos bis zum Jahr 2020 wird nicht erreichbar sein?

Pernkopf: Ja, das ist schwer zu erreichen. Allerdings ist jetzt der Markt erst so weit, dass sämtliche Autofirmen wirklich E-Autos anbieten. Aber die Akzeptanz steigt und es wird weitere Vorteile geben. Es wird in nächster Zeit zu einer Gesetzesänderung kommen, dass man beim IG-Luft-100er auf Autobahnen mit einem E-Auto schneller fahren darf, weil es ja emissionsfrei ist.

Niederösterreich deckt bereits den Strombedarf zu 100 Prozent mit erneuerbarer Energie ab. Welche Energieformen sollen in Zukunft weiter forciert werden?

Pernkopf: Die Photovoltaik, ein behutsamer Ausbau der Windkraft und wir werden auch versuchen, für die Ökoenergien insgesamt, sprich Biomasse, entsprechende Zukunftsperspektiven zu schaffen. Alle privaten Haushalte, alle Betriebe zahlen die Ökostromumlage ein. Die niederösterreichischen Anlagenbetreiber, egal ob das ein privater Photovoltaik-Besitzer ist oder eine Biomasse-Anlage, holen das Doppelte von dem heraus, was wir einbezahlt haben. Das heißt, die Energiewende macht auch Sinn, weil wir in den letzten Jahren zwei Milliarden Euro nach Niederösterreich geholt haben. Andere haben dort 800 Millionen einbezahlt.

Dennoch zeigt sich die aktuelle Lage, dass der Klimawandel schon bei uns angekommen ist. Muss sich die heimische Landwirtschaft für die Zukunft umstellen?

Pernkopf: Wir sind vom Klimawandel betroffen, das sieht man durch die Trockenheit. Ich denke, wir müssen Großprojekte im Bereich der Wasserversorgung starten, weil die Veränderungen hat es immer gegeben. Dafür werden wir auch die Europäische Union brauchen.

Reicht das, um das Bauernsterben auf lange Sicht einzudämmen?

Pernkopf: Es gibt Bedrohungen von Handelsabkommen, es gibt Bedrohungen vom Klimawandel und da kann es ja nicht so sein, dass die Landwirtschaft weniger von der EU bekommt. Es muss die Produktion im eigenen Land gehalten werden, damit auch Transportkilometer vermieden werden. Und wir brauchen die Konsumenten. Ich merke zum Beispiel jetzt bei der Grillsaison, dass bei den Grillern nicht gespart wird. Da sind einige hundert oder sogar tausend Euro kein Problem. Dann soll aber das Würstchen um 60 Cent oben liegen. Das wird sich irgendwann nicht mehr ausgehen.

Zu den Wetterextremen zählen auch immer wieder die Hochwässer. Wie weit ist man mit den Schutzmaßnahmen entlang der Donau und anderen Flüssen?

Pernkopf: Wir haben seit 2002 über 300 Gemeinden hochwassersicher gemacht. 55 Projekte werden heuer noch gestartet, 60 abgeschlossen.

Sie verantworten auch das Mega-Ressort der Landeskliniken. Wie sollen Probleme wie der Ärztemangel gelöst werden?

Pernkopf: Es läuft gerade der Kliniken-Dialog. Das heißt, es gibt mit allen Standorten Gespräche über die Zukunft. Im Herbst wird es Ergebnisse geben, wo jedes Spital seinen Schwerpunkt in den kommenden Jahren haben wird. Wir müssen das Thema Gesundheit zukunftsfähig aufstellen. Da wird es noch den einen oder anderen Weckruf geben, denn es gibt eine klare Verantwortlichkeit. Wir vom Land sind für die Landeskliniken zuständig, die Gebietskrankenkasse ist für die Versorgung mit Hausärzten und Fachärzten zuständig und die Ärztekammer für die Ärzteausbildung. Und da müssen wir schon noch einiges nachschärfen, vor allem um den Ärztemangel entgegenzuwirken. Wir brauchen genug Ausbildungsplätze. Das haben manche in Wien noch nicht erkannt.

Im Landwirtschaftsressort sind Sie mit einigen sehr emotionalen und sensiblen Themen wie den Problemen wie Wolf, Biber oder Fischotter konfrontiert. Wie ist hier Ihre weitere Vorgangsweise?

Pernkopf: Es muss vernünftige Lösungen geben, die nicht radikal sein dürfen, aber den Bedürfnissen der Tiere und auch der Menschen vor Ort entsprechen. Ich bin etwas verwundert, es gibt Regulierungen für Rehwild, für Rotwild, für Raubwild. Das heißt, ein Wildmanagement passiert ja bei allen Wildtieren. Warum sollte man das nicht, so wie beim Biber oder beim Fischotter, jetzt auch letztendlich beim Wolf angehen. Da soll niemand schlechter gestellt sein. Artenschutz ist nicht eindimensional, sondern es geht schon in erster Linie immer um Menschenschutz. Ich verstehe die Sorgen und Ängste der Menschen in manchen Regionen.