Krems

Erstellt am 12. Juni 2018, 02:52

von Christine Haiderer

Den Körper nach dem Tod der Uni spenden. Menschen, die die Ausbildung von Ärzten unterstützen wollen, können ihre Körper seit Kurzem auch der Karl Landsteiner Uni übergeben.

An der Pathologie am Universitätsklinikum St. Pölten werden vormittags Obduktionen durchgeführt. Am Nachmittag wird unterrichtet. Begleitet von Ärzten und Tutoren (in Orange) – wie Clemens Kirschner, Karin Pfeifenberger, Anna Rosenmayr, Sophie Förster-Streffleur und Johannes Streicher (alphabetisch) – entdecken Studierende in Gruppen Schritt für Schritt die menschlichen Körper.  |  Haiderer

Zu wissen, wie der menschliche Körper aufgebaut ist, ist unverzichtbar für Ärzte. Sie müssen wissen, wo die Schilddrüse zu finden ist, wo die Gallenblase liegt … Und: Das lernen sie unter anderem im praktischen Unterricht. An einem echten menschlichen Organismus.

Dazu aber braucht es Menschen, die ihren Körper nach dem Tod der Ausbildung und Wissenschaft zur Verfügung stellen. Das ist nun neu auch in Niederösterreich möglich. Denn: Seit Kurzem können Niederösterreicher und Oberösterreicher ihren Körper nach ihrem Ableben der Karl Landsteiner Privatuniversität für Gesundheitswissenschaften in Krems spenden.

Wie das geht? Man kann sich bei der Uni melden, bei Interesse bekommt man die Unterlagen zugesandt. Es gibt auch die Möglichkeit, sich telefonisch beraten zu lassen. Wenn der Kostenbeitrag bezahlt wurde, wird der Körperspender eingeladen, die Vereinbarung wird fertiggestellt, und er erhält einen Ausweis.

Was passiert, wenn sich die Meinung des Körperspenders ändert? „Die Vereinbarung kann zu Lebzeiten widerrufen werden“, so Streicher.

Nach dem Tod übernimmt die Uni

Verstirbt der Betroffene, wird die Uni in Krems informiert. Die Bestattung wird beauftragt, den Körper abzuholen, und bringt ihn nach St. Pölten. Dort, auf der Pathologie am Universitätsklinikum St. Pölten, werden die Körper dann konserviert. Warum? „Konservierung verhindert den Zersetzungsprozess“, erläutert der Leiter des Departments Anatomie und Biomechanik. Dazu wird zum einen eine Konservierungsflüssigkeit in die Blutgefäße injiziert. Zum anderen wird der Körper über Monate hinweg in einer Konservierungsflüssigkeit aufbewahrt. Damit auch das Gewebe erhalten bleibt.

Bevor die Studierenden mit den Körpern in Kontakt kommen, erhalten sie eine ethische Einführung. Wie sollte man mit dem Körper umgehen? Wie kann man selbst mit der Situation umgehen?

In Kleingruppen werden sie behutsam an die Situation herangeführt. Es soll dabei weder eine Belastungssituation entstehen noch eine zu große Distanzierung. „Es ist der Körper eines Patienten, auch wenn dieser schon verstorben ist“, so Streicher. „Viele Studierende bewegt das sehr.“ Daher gibt es auch die Möglichkeit, darüber zu sprechen.

Schritt für Schritt entdecken die Studierenden dann über mehrere Monate hinweg den menschlichen Körper.

Mehrere hundert Körperspenden im Jahr

Wie viele Körperspenden jedes Jahr zum Einsatz kommen? An der Karl Landsteiner Uni werden es 16 sein, wobei Körperspenden nicht nur beim Grundstudium, sondern auch bei postgradualen Lehrgängen gebraucht werden. Österreichweit an allen Medizinunis sind es schätzungsweise mehrere hundert.

Warum Menschen, sich dafür entscheiden Körperspender zu werden? „Weil sie etwas für die ärztliche Ausbildung tun wollen“, erläutert Streicher. Und das ist schon lange so. „In Österreich ist die Bereitschaft für Spenden traditionell gut.“

Hat sich dabei übrigens etwas im Laufe der Zeit verändert? „Das Verhältnis von Männern und Frauen. Bis vor 15 bis 20 Jahren waren es mehr Männer.“ Inzwischen haben die Frauen aber aufgeholt.

Es gibt aber auch noch andere Gründe für eine Spende. Manche Menschen leiden an einer Krankheit, die noch nicht gut erforscht ist. Andere haben keine Angehörigen mehr, die sich um Bestattung und Grab kümmern würden.

Ehrengrab kann jederzeit besucht werden

Manchmal spielt auch Geld eine Rolle. Immerhin kann eine Bestattung mehrere tausend Euro kosten. Körperspender aus Niederösterreich zahlen einen Kostenbeitrag von 1.200 Euro. Dies ist nur ein Teil der eigentlichen Kosten: Bestattung, Abholung, Konservierung, Kremierung, Beisetzung, Grabpflege … Den Rest übernimmt die Karl Landsteiner Privatuni.

Etwa zwei Jahre nach dem Tod wird der Körper dann kremiert. Die Urne mit der Asche wird im Ehrengrab am Waldfriedhof in St. Pölten bestattet. Sofern nicht in der Vereinbarung veranlasst wurde, dass die Urne durch Angehörige abgeholt werden soll.

Bei einer Körperspende findet kein Begräbnis im herkömmlichen Sinn direkt nach dem Tod statt. Familienmitglieder, Bekannte und Freunde können aber jederzeit das Ehrengrab besuchen.

Und: Einmal im Jahr zu Allerheiligen ist eine Gedenkfeier für Angehörige geplant, an der auch die Studierenden und Vertreter der Karl Landsteiner Privatuniversität teilnehmen.