Schatzmeister und Teamspieler für Brüssel. Bei NÖs künftigen EU-Abgeordneten gibt es bis zur Angelobung am 2. Juli noch viel zu klären.

Von Michaela Fleck. Erstellt am 04. Juni 2019 (01:22)
APA/Hochmuth; VP NÖ; SPÖ NÖ/Käfer
Othmar Karas, Lukas Mandl, Alexander Bernhuber und Günther Sidl

Gefeiert haben alle. Aber nicht lange. „Ein bisschen“, sagt VP-Bundesspitzenkandidat Othmar Karas, „nur kurz“, seufzt SP-Landesspitzenkandidat Günther Sidl. Grund hätten beide genug.

„Das Ergebnis“, freut sich Othmar Karas , „ist sensationell. Und es ist alles aufgegangen.“ Der erste Platz in Niederösterreich, der erste in Österreich, der erste Platz in Europa (oder zumindest noch die meisten EVP-Sitze im Parlament). Nur der erste auf Österreichs Vorzugsstimmenliste, das war der Ybbser diesmal nicht. Trotzdem sei für ihn klar, wer ÖVP-Delegationsleiter werden soll: „Ich würde diese Funktion gerne weiter besetzen.“

Gesprochen habe man darüber noch nicht. Stattdessen gehe es jetzt, so Karas, ums Team. „Das ist ein Riesenglück, dass wir sieben sind. Aber: Wir haben auch fünf Neue.“ Und mit denen müsste man erst mal über ihre Präferenzen reden. „Das werde sicher ich machen. Wir wollen als Ganzes ein starkes Team sein!“ Zum Team gehört auch Lukas Mandl . Für den Gerasdorfer ist „eine herausragende Wahl“ geschlagen. So viele Vorzugsstimmen (die meisten in NÖ) überträfen „bei weitem meine Erwartungen“.

"Das ist ein enormer Vertrauensvorschuss"

Und, so Mandl weiter: „Das ist ein enormer Vertrauensvorschuss!“ Und zum Team gehört Alexander Bernhuber , Bauernbund-Senkrechtstarter und Vorzugsstimmen-Zweiter in NÖ. Der Kilber hätte selbst ein „Spitzen-Team“ hinter sich gehabt. Und will jetzt „mehr Hausverstand und Augenmaß“ ins EU-Parlament bringen. Mit Karas und Mandl war er schon am Dienstag nach dem Wahltag „zu Arbeitsgesprächen“ nach Brüssel gereist. Trotzdem: „Wir“, so Karas, „brauchen noch Zeit!“

Bei der SPÖ ist dagegen seit vergangener Woche schon (fast) alles fix. Der Delegationsleiter (Andreas Schieder). Seine Stellvertreterin (Evelyn Regner). Und der Schatzmeister ( Günther Sidl ). „Das klingt gut, oder?“, lacht der Petzenkirchner. Er war zwar seit der Wahl noch nicht in Brüssel, hat dafür schon sein Team (mit „sechs Mitarbeitern, von denen die meisten in NÖ sitzen werden“), demnächst ein Büro und klare Schwerpunkte: „Umwelt, Gesundheit, Lebensmittelsicherheit und Industrie.“ Auch dafür müsse er im Juni zweimal nach Brüssel, bevor am 2. Juli die offizielle Angelobung ansteht. „Es wird“, so Sidl, der erst im August zwei Wochen Urlaub machen will, „intensiv!“

In Brüssel geht es inzwischen vor allem um eines: den nächsten Kommissionspräsidenten. Und der könnte trotz aller Skepsis Manfred Weber von der CSU heißen. „Seine Chancen sind weiter gestiegen“, meint Othmar Karas. Und der Zeitplan? „Wenn man sich vor dem 2. Juli einigt, dann könnte er am 15. Juli designiert werden.“ Bis dann ein Kommissionsvorschlag steht, die Hearings absolviert sind und Parlament und Rat zugestimmt haben, kann es aber noch dauern. Erst recht, wenn man sich erst bis September einigt. „Dann geht es sich bis November, bis zum Ende der Amtszeit von Jean-Claude Juncker, nur schwer aus“, schätzt Karas. Und Österreichs künftiger Kommissar? Den werde wohl noch Brigitte Bierleins Übergangsregierung vorschlagen …