NÖ Radwegenetz-Ausbau: "Anstrengungen intensivieren!". Der Unfall in Hausleiten (Bezirk Korneuburg) am Sonntagabend, der für zwei Kleinkinder in einem Fahrradanhänger tödlich geendet hat, sorgt weiter für Diskussionen.

Von Redaktion, APA, Anita Kiefer und Linda Goldsteiner. Erstellt am 07. August 2019 (12:01)
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Die NÖ Radlobby kritisierte, dass bei der im vergangenen Jahr vorgenommenen Erneuerung der B19, auf der sich der tragische Unfall ereignet hatte, kein Begleitradweg errichtet wurde. Ziel müsse sein, die Sicherheit für Radfahrer und Kinder zu erhöhen, betonte die Radlobby. 

Radweg wird bei Landstraßen-Sanierung nicht automatisch angelegt

„Bei der Sanierung einer Landesstraße wird nicht automatisch auch ein Radweg angelegt, dazu bedarf es eines entsprechenden Wunsches aus der Region",heißt es in einer Stellungnahme des NÖ Straßendienstes. "Wird seitens der Region ein Radweg gewünscht, kann der NÖ Straßendienst mit den eigentlich dafür zuständigen Gemeinden die Möglichkeiten der Anlegung eines Radweges prüfen. Für die Errichtung von Radwegen gibt es auch eine finanzielle Unterstützung seitens des Landes NÖ für die Gemeinden."

Laut Auskunft aus dem Büro des VP-Verkehrslandesrats Ludwig Schleritzko werden heuer 2,7 Millionen Euro in die NÖ Radwege aus dem Landesbudget investiert. Was verschärfte Gesetze angeht, um Unfälle wie jenen in Hausleiten zu verhindern, verwies man im Büro Schleritzko auf den Bund.  

Zauner: „Ausbau geht in NÖ sehr langsam“

Für Karl Zauner, Vorsitzender der NÖ Radlobby, ist die aktuelle Diskussion viel zu sehr auf den Fahrradanhänger an sich beschränkt. „Der Anhänger sollte natürlich sicher ausgestaltet sein“, sagt Zauner – dafür gebe es aber ohnehin entsprechende Vorschriften. Für ihn sollte der Fokus auf dem Ausbau der Radinfrastruktur entlang von Landesstraßen liegen. „Das funktioniert in einigen Ländern sehr gut, in Niederösterreich geht das sehr langsam“, bedauert er.

Der Vorschlag der NÖ Radlobby diesbezüglich: Bei jeder Baustelle oder Sanierung entlang einer Landesstraße solle es eine entsprechende Verkehrsprüfung geben, die den Radverkehr miteinbezieht. Sei keine Radinfrastruktur vorhanden, solle diese entsprechend etabliert werden. Allerdings sind – wie schon in der Stellungnahme des Straßendienstes ersichtlich –  Radwege entlang von Landesstraßen Sache der Gemeinden. Daher denke man im Büro von Landesrat Schleritzko nicht daran, eine solche Prüfung automatisch durchzuführen. Der Wunsch müsse eben aus der Region kommen.

Forderung nach Tempo 80

Karl Zauner und die NÖ Radlobby fordern angesichts des Unfalls in Hausleiten: „Wir fordern österreichweit auf allen Landesstraßen: Wo keine Radverkehrsanlage besteht, soll es eine Temporeduktion auf 80 km/h geben.“ Und eine entsprechende Kontrolle der Geschwindigkeit. Die Systeme des Kindertransports via Radanhänger per se sieht Zauner als „vernünftig und notwendig“ an.

Alle Parteien für Ausbau des Radnetzes

Dass das Radwegenetz in Niederösterreich ausgebaut werden soll, darüber sind sich auch die NÖ Parteien einig.

"Das Radwegenetz stetig zu erweitern und so abseits gefährlicher Verkehrsstrecken klimafreundliche Wege zu erschließen ist ein Ziel, das auch das Land NÖ verfolgen muss. Diese Anstrengungen sind eindeutig zu intensivieren, um einerseits Arbeits- und Schulweg optimal per Rad zu erschließen, und andererseits auch das Freizeitvergnügen zu fördern", erklärt SP-LAbg. Gerhard Razborcan. 

Um generell die Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmer zu erhöhen, halte man es in jedem Fall für wichtig und richtig, die gesetzlichen Rahmenbedingungen an neue Gefährte anzupassen und so unfallvorbeugend zu wirken. Hier müssten auch alle Verkehrs-Experten an einen Tisch, um mögliche Maßnahmen aus allen Blickrichtungen zu beleuchten und ausgereifte Adaptierungen zu schaffen, um den größtmöglichen Schutz für alle Verkehrsteilnehmer, mit großem Augenmerk auf die Kinder aufzubieten.

Die Kontrollen der Exekutive – sowohl von Raserei und Unaufmerksamkeit von Autofahrer, als auch mangelnder Sicherheitsmerkmale ‚schwächerer‘ Verkehrsteilnehmer - könnten laut Razborcan dann ihr Übriges dazu beitragen, schweren Unfällen vorzubeugen.

Für einen Radweg-Ausbau sprechen sich auch die NÖ Freiheitlichen aus. Sie wollen aber, dass ein Miteinander von Autos und Fahrrädern auf Straßen weitestgehend vermieden wird. „Dort wo PKW und LKW mit sehr hoher Geschwindigkeit - im Vergleich zum Fahrrad – unterwegs sind, halte ich den Radverkehr generell für äußerst gefährlich. Viel eher muss das Fahrradweg-Netz weiter optimiert und ausgebaut werden, sodass Konfliktsituationen gar nicht erst möglich werden“, sagt FPNÖ-Verkehrssprecher Dieter Dorner.

Um Unfälle wie jenen in Hausleiten zu verhindern, appelliert er an die Eigenverantwortung der Menschen: „Nach Möglichkeit sollen Radwege genutzt und gefährliche Hauptverkehrsstrecken, an denen Autos mit hoher Geschwindigkeit unterwegs sind, gemieden werden.“

Die NÖ Grünen wünschen sich einmal mehr mehr Radfahrer auf Niederösterreichs Straßen. „ Wer selber Rad fährt, verhält sich korrekt. Statt mehr Gesetze brauchen wir mehr RadfahrerInnen“, heißt es gegenüber der NÖN. Und: „Die Grünen haben zu Radwegen schon zig Anträge im Landtag präsentiert, die auch die Sicherheit von RadfahrerInnen erhöhen sollen. Solange die ÖVP das Rad nur als Freizeit- und nicht Alltagsgegenstand betrachtet, wird es die notwendigen Rad-Schnellverbindungen nicht so rasch geben.“

NEOS fordern auch Maßnahmen gegen Ablenkung am Steuer

NEOS-Verkehrssprecherin Edith Kollermann betont gegenüber der NÖN: „Der dramatische Unfall auf der B19 hat mich als Mutter zutiefst erschüttert. Dieses Unglück macht deutlich, dass mehr in den Ausbau von sicheren Radwegen investiert werden muss. Das gilt sowohl bei Neu-, als auch bei Ausbauten des Straßennetzes oder Sanierungsarbeiten. Darüber hinaus sind die Sicherheitsvorkehrungen für Kinder in einem Fahrradanhänger zu prüfen. Das kann auch bedeuten, dass diese in bestimmten Einsatzgebieten – etwa auf Landes- oder Bundesstraßen ohne ausgebauten Radweg – nicht zugelassen werden. Klar ist aber auch, dass uns einseitige Maßnahmen nicht weiterhelfen. 2018 waren die meisten Unfälle auf Ablenkung am Steuer zurückzuführen – das ist aus meiner Sicht viel stärker zu ahnden.“