Pflichtversicherung für jeden Liegenschaftseigentümer?. Robert Lasshofer hält das Schweizer Modell für die richtige Antwort auf den Klimawandel.

Von Daniel Lohninger. Erstellt am 30. Juli 2019 (01:16)
Einsatzdoku/Christoph Lechner
Hochwasser-Katastrophen wie jene in Olbersdorf im Bezirk Neunkirchen verursachen enorme Schäden, die Liegenschaftseigentümer bleiben aber oft auf einem Großteil der Kosten sitzen. Eine Pflichtversicherung könnte das ändern.

Kleine Bäche werden zu reißenden Sturzfluten, Hänge rutschen plötzlich Hunderte Meter ab und gesunde Bäume bersten wie Zahnstocher: Die Schäden infolge des Klimawandels werden von Jahr zu Jahr heftiger.

800 Millionen Euro schüttete beispielsweise die Wiener Städtische in den vergangenen 20 Jahren nach Naturkatastrophen aus – Tendenz rasant steigend. Als Reaktion auf diese Entwicklung fordert Generaldirektor Robert Lasshofer im NÖN-Gespräch jetzt eine gesetzlich verankerte Pflichtversicherung für jeden Liegenschaftseigentümer. „Wenn alle diese Versicherung haben müssen, ist die Zahl derer, die versichert sind, so groß, dass mit niedrigen Prämien auch hohe Schäden gedeckt werden können.“

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  • Pflichtversicherung für jeden Liegenschaftseigentümer?


In Ländern wie Belgien oder der Schweiz gibt es solche Pflichtversicherungsmodelle für Naturkatastrophen, die Schäden aus Sturm, Schneedruck und Hochwasser abdecken bereits. In Österreich ist es hingegen so, dass die Hochwasser-Deckung mit 4.000 bis 16.000 Euro sehr niedrig sei. „Damit bekommst du nicht einmal einen verschlammten Keller wieder sauber“, erklärt Lasshofer. Mit einer Pflichtversicherung ließe sich hingegen sogar der Gebäudeneuwert gegen Naturkatastrophen versichern – so wie bei der Feuerversicherung.

Marschik
Robert Lasshofer, Generaldirektor der Wiener Städtischen.

Auf Gehör bei der Politik hofft Lasshofer auch mit einer zweiten Forderung – einer stärkeren staatlichen Unterstützung für private Pensionsvorsorge. Denn Herr und Frau Österreicher geben dafür im europäischen Vergleich besonders wenig aus – 600 Euro pro Jahr und damit nicht einmal halb so viel, wie der EU-Durchschnitt. Den Grund dafür sieht Lasshofer in einer an sich positiven Entwicklung: „Wir haben ein sehr starkes und ausgeprägtes Sozialversicherungssystem.“ Allerdings klafft die Lücke zwischen Aktivbezug und Pension stark auseinander: Das Guthaben am Pensionskonto für 1957 Geborene liegt bei Männern im Schnitt bei 1.290 Euro brutto monatlich, bei Frauen bei 635 Euro.

Lasshofer: „Eine private Rentenversicherung ist das Einzige, mit dem man Versorgungslücken bis zum Lebensende schließen kann.“ Und dieses Lebensende ist zum Glück immer weiter entfernt: Alle zehn Jahre steigt die Lebenserwartung um knapp drei Jahre. Lasshofers Forderung: Der Staat müsse bereits bei heute jüngeren Menschen ansetzen – durch direkte Zuschüsse zu Prämien oder steuerliche Absetzbarkeit. Im Rahmen der staatlich geförderten Zukunftssicherung gibt’s bei einer monatlichen Prämie von 240 Euro derzeit nur zehn Euro vom Staat zurück.