Neues Zentrum für Allergieforschung. Im neuen Danube Allergy Research Cluster werden international führende Forscher zusammenarbeiten. Das Land Niederösterreich unterstützt das Vorhaben mit rund 7,6 Millionen Euro.

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 22. Mai 2020 (10:27)
Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner und Univ.-Prof. Dr. Rudolf Valenta informieren über das neue Zentrum für Allergieforschung.
NLK Reinberger

„Bereits 30 Prozent der Weltbevölkerung leiden derzeit an Allergien, und die Zahlen steigen“, erläutert Rudolf Valenta, anerkannter Forscher auf dem Gebiet der Allergologie.

In zehn bis 15 Jahren könnten es mehr als 50 Prozent sein. Immerhin zeigen schon jetzt 50 bis 60 Prozent der Kinder bei Schuleintritt allergische Sensibilisierungen, sind also anfällig auf Allergien. Daher sei es notwendig die Diagnosen zu verbessern sowie innovative Behandlungs- und Präventionsmethoden zu erforschen, so der Leiter des neuen Danube Allergy Research Clusters. 

In diesem Zentrum für Allergieforschung werden international führende Wissenschafter rund um Diagnose, Behandlung und Prävention von allergischen Erkrankungen arbeiten. Das Land Niederösterreich unterstützt dieses Vorhaben für die nächsten drei Jahre mit insgesamt rund 7,6 Millionen Euro. 

16 Forschungsprojekte

Geplant sind 16 Forschungsprojekte. Dabei will man unter anderem neue Verfahren entwickeln, um allergischen Erkrankungen besser vorbeugen zu können. Neue Impfstoffe sollen entstehen, zum Beispiel gegen Gräserpollenallergien. Und: Allergische Erkrankungen sollen noch besser behandelt werden können.

Eines der Forschungsprojekte beschäftigt sich beispielsweise mit Schimmelsporen. Manche davon sind gut erforscht, andere - aufgrund der unglaublichen Vielfalt an Pilzen und dem Zusammenspiel mit Pollen und anderen Luftbestandteilen - aber nur wenig. Das AIT Austrian Institute of Technology hat  in den vergangenen Jahren eine Sammlung von Pilzen angelegt. „Diese Sammlung wird eingehend hinsichtlich allergener Wirkung untersucht werden, um letztendlich verbesserte Diagnose- und Therapiemöglichkeiten entwickeln zu können“, beschreibt Angela Sessitsch, Projektleiterin, Vizepräsidentin der Österreichische Gesellschaft für Molekulare Biowissenschaften und Biotechnologie (ÖGMBT) und Head of Competence Unit Bioresources des AIT Austrian Institute of Technology. 

Bei einem anderen Projekt geht es um Mikrochips. „Wir möchten eine praxisrelevante Studie mit einem neuen Allergietest mit Mikrochips durchführen“, erläutert Franz Trautinger, Leiter der Universitätsklinik für Haut- und Geschlechtskrankheiten St. Pölten und Professor an der Karl Landsteiner Privatuni in Krems. „Die molekulare Diagnostik eröffnet uns dabei neue Möglichkeiten in der klinisch praktischen Patientenversorgung, weil sie uns ein breiteres Bild zeigt. Für viele Menschen mit Allergien könnte ein enormer Zusatznutzen entstehen, da eine viel differenziertere Diagnose möglich wird.“

Forscher aus der ganzen Welt

96 Personen werden im Rahmen der Projekte zum Thema Allergien forschen. Zusätzlich werden besonders talentierte Nachwuchswissenschafter aus der ganzen Welt in Niederösterreich und Wien mitwirken. Und bis zu 17 internationale PhD-Studierende werden ihre Ausbildung hier abschließen können.

Ab 2021 wird von der Karl Landsteiner Privatuniversität auch ein Weiterbildungslehrgang für Mediziner online und in Krems angeboten, um Fachwissen im Bereich der Allergologie zu erwerben und mehr über die neuesten Erkenntnisse der Forschung zu erfahren.

Ein Zentrum, viele Forschungsinstitutionen

Am Danube Allergy Research Cluster beteiligt sind die Karl Landsteiner Privatuniversität, die Medizinische Universität Wien, die Universität für Bodenkultur (IFA Tulln), die Veterinärmedizinische Universität Wien, das Austrian Institute of Technology (Standort Tulln) und die Universitätskliniken St. Pölten und Krems.