Borkenkäfer: „Unsere Fichten sind leichte Beute“. Trotz des langen Winters und kühler Mai-Tage ist die Situation in Wäldern dramatisch.

Von Michaela Fleck. Erstellt am 16. Juli 2019 (02:25)
NLK / Reinberger
Sorgen sich um den heimischen Wald – und die heimische Holzwirtschaft: Landeshauptfrau-Stellvertreter Stephan Pernkopf (links) und Landwirtschaftskammer-NÖ-Präsident Johannes Schmuckenschlager mit einem gespalteten Eichenstamm am Holzlagerplatz im Schulwald der LFS Pyhra.

„Hier haben wir’s noch gut. Wenn der Borkenkäfer die Fichten wegfrisst, bleiben noch sechs andere Baumarten.“ Denn im 70 Hektar großen Schulwald von Pyhras Landwirtschaftlicher Fachschule wachsen auch Lärchen und Tannen, Kiefern und Buchen, Eichen und Ahorne. Das sei das Gute, meint NÖs Forstdirektor Werner Löffler.

NÖ: Borkenkäfer- Welle geht weiter

Im Wienerwald, zwischen Pressbaum und Altlengbach, sehe es schon anders aus. Im Waldviertel erst recht. „Ganze Rücken“, berichtet Forstwirtin Viktoria Hutter, seien in Horn schon geschlägert, in Waidhofen/Thaya und Raabs sehe es nicht anders aus. „Auch wenn der Mai kühl war: Die Welle geht weiter“, ist sich Hutter sicher. Und Löffler ergänzt: „Wir kriegen es nicht in den Griff!“

Grund dafür sind auch die großen Fichtenwaldbestände, gerade im Norden Niederösterreichs. „Hier hat niemand etwas falsch gemacht“, stellt der für Landwirtschaft zuständige Landeshauptfrau-Stellvertreter Stephan Pernkopf klar. Aber: „Vor 100 Jahren war es im Waldviertel noch nass, kalt und rau“, so Forstdirektor Werner Löffler, „da hat die Fichte gut gepasst.“

Jetzt, bei steigenden Temperaturen und Trockenheit, ist das häufigste heimische Holz „leichte Beute“, so Pernkopf – für den (Fichten-)Borkenkäfer. Der sorgt nicht nur für Tonnen von Schadholz („wo wir wieder neue Käfer züchten“, seufzt Landeskammerrat Daniel Heindl). Sondern auch für jede Menge weitere Probleme. „Wir bekommen das Holz nicht aus dem Wald“, erklärt Viktoria Hutter. Das nächste Problem sei die Aufforstung. „Das wird mit den Klimaverhältnissen jetzt richtig schwierig.“

Trotz der enormen Holzmengen stiegen die Holzimporte weiter. „Daher mein dringender Appell: Wir müssen das Holz vor unserer Haustür nützen!“, so Pernkopf. NÖs Landwirtschaftskammer-Präsident Johannes Schmuckenschlager will dazu notfalls auch ein „Notwehr-Fahrverbot“ aussprechen – das sei „absolut legitim“.