NÖ bekommt nun ein "echtes" Haus der Digitalisierung. Um 33,5 Millionen Euro entsteht in Tulln bis 2022 ein Gebäude, das Digitalisierung greifbar machen soll. Das Haus wird offen zugänglich sein, damit Menschen ausprobieren können, welche Möglichkeiten der digitale Wandel bietet. Ein virtuelles Haus der Digitalisierung gibt es bereits.

Von Lisa Röhrer. Erstellt am 13. Dezember 2019 (15:03)
Das Haus der Digitalisierung wird auf dem Technopol-Areal in Tulln bis 2022 errichtet.
Peischl

Digitalisierung. An dem Wort kommt man heutzutage kaum vorbei. Was es im Alltag und für den einzelnen Menschen genau bedeutet, soll in Niederösterreich schon bald verständlich werden. Das Land will Digitalisierung greifbar machen. Dazu entsteht, nachdem das virtuelle Haus der Digitalisierung bereits umgesetzt wurde, in Tulln nun auch ein reelles Haus der Digitalisierun. Bis 2022 soll ein Ort geschaffen werden, der die Möglichkeiten des digitalen Wandels für Bevölkerung und Wirtschaft erfahrbar macht. Das hat der Landtag heute einstimmig beschlossen. 

Errichtet wird dazu ein Gebäude am Areal des Technopol-Standortes Tulln in unmittelbarer Nachbarschaft der FH sowie des Technologie- und Forschungszentrums und der BOKU. Dort soll auch die Erweiterung der FH Wiener Neustadt, mit Standort in Tulln, erfolgen. Herzstück des Gebäudes soll ein Showroom werden, der als Ausstellungs- und Veranstaltungsbereich für alle geöffnet wird.

"Durch unterschiedliche Bespielungen wird er reale und digitale Welten verbinden", erklärt  Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner. Geben wird es dort außerdem Gastronomie sowie büroartige Bereichen für PC-Testlabore, Inkubatoren, Co-Working-Spaces sowie Office-Spaces. Geplant ist auch ein Besucherzentrum, bei dem jeder ausprobieren kann, welche Möglichkeiten die Digitalisierung bietet. 

Landtag gab 33,6 Millionen Euro für das
Projekt frei

Freigegeben wurden für das Haus der Digitalisierung vom Landtag 33,55 Millionen Euro. In die Tat umsetzen sollen das Projekt die Wirtschaftsagentur ecoplus und die Fachhochschule Wiener Neustadt. 

Alle Parteien für das "Haus der Digitalisierung" 

„Dadurch schaffen wir am Campus eine öffentliche Begegnungszone. Inhaltlich geht es darum, Technologien zu begreifen, Kompetenzen zu erlangen, Netzwerke zu nutzen und schlussendlich Ideen umzusetzen und zu vermarkten. So kann Niederösterreichs Wirtschaft die Chancen der Digitalisierung nutzen“, ist ÖVP-Landesrätin Petra Bohuslav überzeugt. Klubobmann Klaus Schneeberger (ÖVP) betont, dass auch die FH Wiener Neustadt am Standort Tulln stark von der Infrastruktur und auch vom gebündelten Know-how profitieren werde. 

SPÖ-Abgeordnete Kathrin Schindele meinte, das „Haus der Digitalisierung“ habe die Aufgabe, die reale Welt mit der digitalen Welt zu verbinden.

FPÖ-Abgeordneter Reinhard Teufel betonte, Digitalisierung bedeute Fortschritt und schaffe unter Umständen auch Arbeitsplätze. Die Erweiterung der Fachhochschule Wiener Neustadt würden die Freiheitlichen positiv beurteilen.

Grünen-Abgeordneter Georg Ecker MA meinte, er habe die Hoffnung, dass das „Haus der Digitalisierung“ einen Bildungsauftrag erfülle. Er habe aber auch die Befürchtung, dass das „Haus der Digitalisierung“ ein Marketing-Projekt sei. Die entscheidende Frage sei, was die Digitalisierung dem Einzelnen bringe. 

Etwas skeptischer zeigten sich die NEOS, die auch einen Resolutionsantrag einbrachten. Abgeordneter Helmut Hofer-Gruber sagte, seine Fraktion stehe dem Ausbau der Fachhochschule Wiener Neustadt positiv gegenüber. Statt einem „Haus der Digitalisierung“ hätte er aber lieber digitalisierte Haushalte. Er brachte gemeinsam mit seinen Fraktionskollegen einen Resolutionsantrag betreffend „Digitale Haushalte statt Häuser der Digitalisierung“. Dieser wurde allerdings mehrheitlich abgelehnt.