Fünf Fragen an jeden Haushalt. Niederösterreich arbeitet an einer "Landestrategie 2030". Geschehen soll das unter größtmöglicher Beteiligung der Landsleute und Einbindung aller Regierungsparteien, sagte Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) am Montagabend bei der Auftaktveranstaltung auf dem Flughafen Wien-Schwechat.

Von Daniel Lohninger. Erstellt am 07. September 2021 (10:02)
Landesstrategie 2030
Die prominenten Gäste des Abends, Sigmar Gabriel und Nina Ruge, mit den Mitgliedern der NÖ Landesregierung.
NLK Filzwieser

„Dieser Prozess ist einzigartig in Österreich.“ Mit diesen Worten gab Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner im Office-Park am Flughafen Wien-Schwechat den Startschuss für die Entwicklung der Landesstrategie 2030. Dass sie just einen durch Corona und Klimakrise in Mitleidenschaft gezogenen Ort wählte, sieht Mikl-Leitner nicht als Widerspruch zu einer zukunftsgerichteten Strategie, sondern sogar als Signal: „Internationale Verbindungen werden für uns in Zukunft noch wichtiger werden. Unser Auftrag lautet: global denken, regional handeln.“ Der Flughafen sei gerade für diesen Auftrag Vorbild und Inspiration zugleich. Doch wie wird der Strategie-Prozess ablaufen? Es gibt fünf große Fragen, auf die bis Mai konkrete Antworten gefunden werden sollen:

Wovon leben wir morgen?
Wie leben wir morgen?
Worauf achten wir morgen?
Wer wollen wir morgen sein?
Wie organisieren wir uns morgen?

Die Antworten auf diese Fragen werden in einem abschließenden Zukunftsreport in drei Zukunftsfeldern gebündelt. Im Feld „Bürgerbeteiligung“ unter der Leitung des Politikwissenschaftlers Peter Filzmaier wird es im Herbst dieses Jahres eine Haushaltsbefragung geben. Hier soll jede Niederösterreicherin und jeder Niederösterreicher die Möglichkeit haben, die eigenen Meinungen und Ideen einzubringen.

Das Feld „Wissenschaft“ wird vom Fiskalrat-Präsidenten und ehemaligen WU-Rektor Christoph Badelt geleitet und soll die wissenschaftlichen Grundlagen abdecken. Als drittes Zukunftsfeld gibt es den Bereich „Opinion Leader“, den Generation-Y-Sprachrohr Steffi Burkhart leitet. Den Verdacht, dass die Landesstrategie nicht zufällig im Vorfeld der nächsten Landtagswahl erarbeitet werde, entkräftete Mikl-Leitner damit, dass bereits beim Kick-Off alle Regierungsparteien eingebunden waren und auch die Oppositionsparteien NEOS und Grüne eingeladen waren.

Landesstrategie 2030
Von links nach rechts: Landesrat Gottfried Waldhäusl, Sigmar Gabriel, Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner, Nina Ruge und LH-Stellvertreter Franz Schnabl.
NLK Filzwieser

Die ersten Eckpfeiler der Strategie-Diskussionen wurden bei der Auftaktveranstaltung vom ehemaligen deutschen Vizekanzler und SPD-Bundesvorsitzenden Sigmar Gabriel und der Moderatorin, Journalistin und UNICEF-Repräsentantin Nina Ruge eingeschlagen. Europa sei eine Gesellschaft, die von vielen in der Welt als im Abstieg begriffen wahrgenommen werde, betonte Gabriel – gerade deshalb sei es wichtig, sich auf das zu besinnen, was Europa ausmacht: Demokratie, Freiheit, Menschenrechte, soziale Marktwirtschaft. Gelingen könne das nur, wenn sich die Menschen durch die Modernisierung nicht abgehängt fühlen würden: „Es gibt Leute, die nicht ein Leben lang lernen können. Die dürfen wir nicht zurücklassen.“

Dass Niederösterreich nur bis 2030 vorausschauen wolle, sei angesichts des rasanten Wandels sinnvoll: „2030 ist nicht irgendwann, 2030 ist morgen. Es ist gut, dass sich Niederösterreich ein realistisches Ziel gesetzt hat.“

Ruge sieht als größte Herausforderung, dass die Wohlstandsgesellschaft veränderungsresistent mache: „Der rasche Wandel führt deshalb zu Misstrauen und dieses führt zu Verschwörungstheorien. Wir brauchen in unserer Gesellschaft mehr Risikobereitschaft. Denn um den Wohlstand zu erhalten, muss die Zukunft anders sein als die Gegenwart.“ Der wichtigste Hebel, um für die Megatrends Nachhaltigkeit und Digitalisierung gerüstet zu sein, sei „Bildung, Bildung, Bildung“.

Die weiteren Veranstaltungen: Reitschule Grafenegg (10. November), IST Austria in Klosterneuburg (27. Jänner), Kasematten in Wr. Neustadt (23. Februar) sowie Stift Melk (23. März).