Petra Bohuslav: „Es ist enorm viel im Umbruch“. Landesrätin Petra Bohuslav (ÖVP) über die Wirtschaftslage, Herausforderungen und die Schwerpunkte im Tourismus.

Von Walter Fahrnberger. Erstellt am 15. Mai 2018 (00:25)
Franz Gleiß
Petra Bohuslav

NÖN: Sie sind seit 13,5 Jahren Landesrätin und damit aktuell längstdienendes Mitglied in der Landesregierung. Was hat sich am Führungsstil von Johanna Mikl-Leitner im Vergleich zu Erwin Pröll geändert?
Petra Bohuslav: Das ist eine gute Frage. Ich würde sagen: Was unter Erwin Pröll aufgebaut worden ist, führt sie jetzt in eine neue Ära. Wie zum Beispiel die Digitalisierung: Das ist jetzt ein ganz neues Thema. Wie Johanna Mikl-Leitner immer sagt: Neue Fragen brauchen neue Antworten. Wir haben ein super Fundament. Jetzt geht es darum, dieses Fundament weiterzuentwickeln und in eine neue Ära zu führen.

Aktuell brummt der Wirtschaftsmotor und die Arbeitslosenzahlen sind stark rückgängig. Ist es für Sie als Wirtschaftslandesrätin jetzt leichter, dieses Ressort zu führen als vor zehn Jahren?
Bohuslav: Ich habe es 2009 übernommen, gerade in der wirklichen Weltwirtschaftskrise. Herausfordernder ist es nicht mehr gegangen. Aber jetzt ist enorm viel im Umbruch und ich denke, es gibt viel schnellere Veränderungen als 2008. Gerade in der Zeit der Hochkonjunktur muss man die Weichen für die Zukunft stellen. Wir haben trotzdem noch weit über 30.000 Arbeitslose und sind noch nicht am Ende des Tunnels. Im Mittelpunkt steht immer, Arbeit zu schaffen. Das ist die Aufgabe der Wirtschaft. Und wir haben Herausforderungen, die wir jetzt angehen müssen: Das ist der Facharbeitermangel.

Wie kann man vonseiten des Landes dem entgegenwirken?
Bohuslav: Das Problem haben auch andere Länder. Eine Maßnahme dagegen ist das Projekt „Future of Production“, bei dem uns Unternehmen melden, welche Weiterbildungsanforderungen sie für ihre Mitarbeiter haben. Und wir stellen mit den Fachhochschulen ein Programm zusammen. Damit schaffen wir es, punktgenaue Weiterbildungsprogramme zu entwickeln. Damit sind diese Personen weiterhin gute Facharbeiter oder können neue werden.

Die Digitalisierung ist ein großes Thema im Land. Wie weit ist Niederösterreich bei der Breitbandoffensive?
Bohuslav: Die Digitalisierung können wir nur weiter vorantreiben, wenn auch die Infrastruktur passt. Wir werden Anfang 2019 mit den Pilotregionen fertig sein. Beim Rollout auf ganz Niederösterreich haben uns die Erfahrungen gezeigt, dass es ein Mischmodell zwischen Glasfaser direkt zu den Haushalten und einer Funkverbindung geben wird müssen. Die Mindestleistung soll jeweils 100 MBit sein. Wir bauen vor allem in den Regionen aus, wo es der private Markt nicht tut, weil es sich für die Unternehmen nicht rechnet. Das ist unser regionalpolitischer Auftrag und damit haben wir in den ländlichen Regionen schon Betriebe gesichert, die sonst abgewandert wären.

Ursprünglich war der Rollout für das ganze Land für 2030 geplant. Das passiert jetzt viel früher.
Bohuslav: Ja, es tut sich wahnsinnig viel, weil sich auch die Technologien schnell weiterentwickeln. Wir wollen bis 2026 mehr als 600.000 Haushalte (Anm.: von 800.000 in NÖ) mit unserem Modell versorgt haben.

Wie viel wird diese Infrastruktur das Land kosten?
Bohuslav: Die genauen Kosten lassen sich noch nicht abschätzen, weil wir noch nicht wissen, wie das Mischmodell zwischen Funk und Glasfaser konkret aussehen wird.

Zu den vier Technologiezentren in Wieselburg, Krems, Tulln und Wr. Neustadt sind jetzt binnen kürzester Zeit zwei hinzugekommen. Mit welchem Ziel?
Bohuslav: Auch in den neuen Standorten in Seibersdorf und beim IST Austria in Klosterneuburg sollen sich die Firmen mit den jeweiligen Forschungsfeldern der Forschungsinstitute ansiedeln. Damit sollen die Produkte weiterentwickelt und -vermarktet werden.

Bei den Exporten will das Land den Fokus mehr auf China legen. Ist der Ferne Osten der blau-gelbe Hoffnungsmarkt?
Bohuslav: In unserer Exportstrategie ist Deutschland der wichtigste Markt. Um die Nahmärkte Ungarn, Tschechien, Slowakei, Polen oder Rumänien verstärkt zu bearbeiten, wurden schon vor meiner Zeit eigene Auslandsbüros der „eco International“ gegründet. Jetzt wollen wir stärker in den chinesischen Markt. Einerseits, um Exporte der heimischen Firmen zu stärken, andererseits suchen wir auch chinesische Investoren, die in Niederösterreich investieren.

Im Tourismus hat Niederösterreich 2017 mit 7,18 Millionen Nächtigungen einen neuen Rekord aufgestellt. Wo liegen künftig die Schwerpunkte?
Bohuslav: Unsere Strategie ist grundsätzlich aufgegangen. Wir werden unser Ziel, im Jahr 2020 7,2 Millionen Nächtigungen zu haben, mit Sicherheit erreichen. Das geht aber nicht mit Marketingmaßnahmen alleine. Es müssen auch neue Beherbergungsbetriebe dazukommen. Dafür haben wir die Rahmenbedingungen geschaffen. Und als wir die Skilifte übernommen haben, war mir klar, dass wir Ganzjahresangebote entwickeln wollen, weil es da noch Potenzial gibt. Es gibt mittlerweile viele Initiativen wie den Skywalk am Hochkar, die den Berg auch im Sommer spannend machen.

Für Furore hat heuer im Februar auch der Tennis-Davis Cup in St. Pölten gesorgt. Für das Spiel gegen Australien hat nun Graz den Zuschlag bekommen. Warum ist es dieses Mal nichts geworden?
Bohuslav: Weil es auch bei tollen Veranstaltungen finanzielle Grenzen für uns gibt. Aber es stehen der Ironman in St. Pölten sowie das Beachvolleyball-Turnier in Baden, das heuer erstmals zur World Series zählt, vor der Tür. Diese beiden Veranstaltungen haben sich in den vergangenen Jahren enorm weiterentwickelt.